@ Benjamin
Die Stabilisierung der Bewegung ist ein positiver Nebeneffekt der Übung. Es darf natürlich nicht nur diese Übung trainiert werden, sonst trifft es zu, was Du angesprochen hast: es kommt zur Automatisierung, und zwar in einer Form, dass die Spieler die Schläge nur noch robotermäßig spielen können und somit unflexibel werden.
Leider wird in einigen Bundesländern in Deutschland extrem robotermäßig trainiert. Viele unserer Talente VERlernen dabei das Entscheidende: das Spielen!
Du sprichst auch davon, möglichst stark die verschiedenen Sinne zu schulen. Da hast Du natürlich recht. Allerdings förderst Du damit nicht das Ballgefühl des Spielers, sondern Du schulst seine allgemeinen und teilweise spezifischen koordinativen Fähigkeiten. Diese sind natürlich für das Erlernen von Bewegungen unheimlich wichtig und sie bilden die Grundlage jeder sportlichen Ausbildung. Denn wer vielfältige Bewegungserfahrungen macht (auch solche, die nicht bei sportlichen Betätigungen gemacht werden), kann diese leicht beim Erlernen sportartspezifischer Bewegungen verwenden.
Bei einem weiteren Punkt, den Du angesprochen hast, gebe ich Dir auch Recht:
In Deutschland werden (fast) nur Topspinspieler ausgebildet. Auch Material wird bei uns NUR Spielern gegeben, die auf einer Seite keinen Topspin spielen können oder sonstige Probleme haben. Ich habe erst in den letzten Wochen mit verschiedenen Trainern darüber gesprochen, ihren Spielern Material (kurze Noppen) zu geben, das ihre Stärken (Konter, Schuss) unterstützt. Immer wieder kommt die Aussage: "Sie könnten ja vielleicht doch noch den Topspin lernen!" In Deutschland herrscht immer noch die Fehlmeinung, dass man mit Noppen keinen Topspin spielen kann. Man kann sehr gute Topspins mit Noppen spielen, man spielt sie halt anders. Hier sind uns die Chinesen weit voraus.
Auch andere Spielertypen werden nur in Einzelfällen ausgebildet und dann meist auch nur, damit entsprechende Sparringspartner für die Förderspieler da sind. Deswegen weise ich immer daruf hin, dass bereits beim Anfänger individuelle Begabungen sichtbar sind. Ein Kind, das schon beim Erlernen der Grundtechniken Schwierigkeiten hat, bei "hohem" Tempo an der Platte zu bleiben, wird auch später beim Hochgeschwindigkeitstischtennis in Tischnähe Probleme haben. Das heißt aber NICHT, dass diese Spieler grundsätzlich nicht für den Leistungssport geeignet seien. Wenn wir diese Spieler zu Abwehrspielern ausbilden, werden sie mit Sicherheit erfolgreicher werden. Daher lege ich bei den von mir geförderten Talenten bereits nach einem halben Jahr den Grundstein für die spätere spezifische Ausbildung.
Am Anfang lernt und stabilisiert jeder Spieler die Techniken VH-Konter, RH-Konter und VH-Topspin. Die Offensivspieler lernen dann RH-Topspin und Spezialschläge, die Defensivspieler lernen die Schupftechniken.
Wenn in den Vereinen und Stützpunkten viel stärker individuell gefördert werden würde, dann würden unsere Spieler international bald viel erfolgreicher sein.
An alle Trainer im Forum:
FÖRDERT DIE INDIVIDUALITÄT EURER SPIELER!!!!!!!!!!!!
Gruß Coach
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