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Zitat von D!ngs
so seh ich das auch.
man muss die sendung so gestalten, dass die zielgruppe angesprochen wird, also die tt-interessierten bzw spieler etc.....
das was zdf und eurosport gemacht haben ist echt grütze.
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Es liegt aber nicht nur an der Medienberichterstattung, die ich ebenfalls skandalös finde. Auch die Zuschauer in der Halle haben nach der Halbfinalniederlage durch ihr Verhalten einen negativen Akzent gesetzt.
Wenn nach dem Ausscheiden von Boll, lt. Angabe der englischsprachigen Moderatoren nahezu die Hälfte der Zuschauer die Halle verlassen und die weiteren Spiele keinen großartig mehr interessieren, ist das für Medien wie das ZDF auch kein Argument, von einem allgemeinen Interesse auszugehen und im öffentlichen (deutschen) Interesse weiter zu übertragen. Man spielt den Kritikern, die Tischtennis als Randsportart betrachten, quasi in die Karten.
Den anderen Spieler- und Spielerinnen gegenüber war das kein sportlicher Zug und zollte entweder von mangelndem sportlichen Interesse an der Sportart als Ganzem oder von einem ausschließlich unter nationalen Interessen geprägten Sportverständnis und einer gehörigen Portion Respektlosigkeit gegenüber sportlichen Leistungen ausländischer Spieler. Die Aktiven hätten bis zum Schluß volle Ränge verdient gehabt. Schon bei den Teamwettbewerben hat sich gezeigt, wie spannend ein Finale Maze : Schlager sein kann.
Auch wenn die sportlichen Erwartungen an das Finale am Ende nicht ganz erfüllt werden konnten, europäisches Tischtennis besteht nicht nur alleine aus Timo Boll, der als Sportler über jeden Zweifel erhaben ist und für das Verhalten seiner Fans nichts kann.
Selbst ein Sender wie Eurosport sollte eine Sportplattform für ganz Europa und nicht nur für Deutschland alleine sein. Wenn alle Sportarten, in denen Deutsche aktiv sind, nach deren Ausscheiden abgeschaltet würden, könnte häufiger mal der Bildschirm dunkel bleiben. Man stelle sich ein Formel 1-Rennen vor, bei dem nach dem Ausscheiden eines Piloten aus Deutschland wegen Motorschadens plötzlich von Monaco zum Finaldurchgang des Turmspringens umgeschaltet würde, in dem eine Wassernixe aus Deutschland eine Medaillenchance hat. Die Formel 1-Gemeinde würde sich bedanken und protestieren. Nur beim Tischtennis kann scheinbar von den Programmverantwortlichen gemacht werden, was sie wollen.
Das hat nichts mit Patriotismus zu tun, sondern mit sportlicher Fairness. Dazu gehört es auch, die sportlichen Erfolge derjenigen Aktiven "auszuhalten", die auf dem Weg ins Finale einen deutschen Aktiven im fairen Wettstreit bezwungen haben. An diesem Verständnis, mit Niederlagen deutscher Sportler umzugehen, mangelt es leider vielfach. Eine Sportart braucht Vorbilder und es ist auch okay, dass man ein Idol oder sein Team hofiert und bewundert. Doch man lebt nicht alleine auf einer Insel der Glückseligen und andere TT-Sportler auf der Welt beherrschen diese Sportart ebenfalls. Wer nur solange "Tischtennisfan" ist, wie eigene Landsleute Erfolge feiern, verkennt die sportliche Bedeutung einer EM oder WM und sollte sich fragen, warum er solch eine Veranstaltung überhaupt besucht. Möchte er/sie durch Erfolge des eigenen Teams sein "Ego" aufpolieren und sich im "Wir sind Europameister-Ruhmesrausch" sonnen oder geht ihm es um die "reine" Anerkennung der sportlichen Leistung und die Freude, tollen Sport erleben zu können?
Für den Tischtennisstandort Deutschland war dieser Finaltag in der medialen Außendarstellung jedenfalls kein Ruhmesblatt.