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Zitat von Carstens_Brüderchen
...welche "große Volkspartei" meinst Du, die am ehesten in den Punkten Bildung, Steuerlast, soziale Gerechtigkeit wählbar scheint?  Ich kann beim besten Willen keine im aktuellen Angebot ausmachen. Solltest Du von der SPD sprechen, so wäre ich zwar nicht überrascht, aber angesichts der angeführten Punkte schon ziemlich irritiert.
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Da man ja nur die Politiker wählen kann, die im Angebot sind, geht es doch im Grunde um schwarz-gelb oder rot-grün (+rot). Wenn also hinsichtlich sozialer gerechtigkeit abzustimmen ist, kann man dann auf schwarz-gelb kommen ? Nicht wirklich, oder ?
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Zitat von Carstens_Brüderchen
Ich kann nicht verstehen, dass SPD-Wähler immer noch einen derart nachhaltigen Kadavergehorsam zeitigen, nachdem die größte Wählerverarsche aller Zeiten unter Schröder und Fischer doch eigentlich Klarheit geschaffen haben müsste. Die haben damals alles mögliche versprochen und den Laden mal so richtig in den Dreck gejagt.
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Da der Karren nach 16 Jahren Kohl so tief im Dreck war wie nie zuvor und auch wesentlich tiefer als heute, ist diese Aussage schlicht falsch.
Beim Thema Versprechungen ist Kohl viel besser gewesen als Schröder, denn die blühenden Landschaften haben sich die Leute wohl anders vorgestellt. Die Steuerlast war unter Kohl höher als unter Schröder. Die Arbeitslosenzahlen sind ebenfalls gesunken.
Ich bin kein Schröder-Fan, weil er für mich eher in die CDU gehört als in die SPD und ich seine dem neoliberalen Zeitgeist folgende Sozialabbau-Politik nicht gutheiße, aber im Vergleich zu Kohl war er in jeder Hinsicht ein Fortschritt.
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Zitat von Carstens_Brüderchen
Verdattert stehen Schröder und Fischer nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse Hand in Hand da und müssen realisieren, dass sie jetzt selbst den ganzen Mist, den sie verzapft haben, wieder aufräumen sollen. Die haben nicht gejubelt - denen stand das Entsetzen ins Gesicht geschrieben! Glückliche Wahlsieger sehen jedenfalls ganz anders aus. Die hatten sich darauf gefreut, als Opposition die nächsten vier Jahre leichtes Spiel zu haben und dann sowas...!
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Das hast Du zwar alles schon mal behauptet, überzeugender wird es dadurch aber auch nicht. Überrascht waren sie ob der schlechten Prognosen wohl schon, der Rest entspringt aber m.E. Deiner Schröder-Hass-Fantasie.
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Zitat von Carstens_Brüderchen
Tja, und dann kommt der Offenbarungseid halt noch mal, nur auf andere Weise...vorgezogene Neuwahlen! Und da hätte Schröder beinahe noch mal gewonnen - unfassbar! Spätestens da war klar, dass ein Großteil der SPD-Wähler halt SPD wählt, weil sie es gewohnt sind; weil Opa schon die SPD gewählt hat, Oma auch, Papa und Mami auch und der Nachbar in der Bergbausiedlung eben auch.
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Diese Aussage halte ich für gänzlich falsch. Gerade SPD-Wähler sind wohl eher kritische Wähler, die auch ganz schnell mal Denkzeittel verteilen. Die Anzahl der hirnlos-immer-das-gleiche-weil-schon-immer-Wähler dürfte bei der Union wohl deutlich höher sein. Zum Einen wegen dem C, da predigt auch gernme mal ein Pfarrer vor der Wahl dran zu denken, zum anderen weil man z.B. in Bayern gar nichts anderes wählen darf.
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Zitat von Carstens_Brüderchen
Nur, dass das Programm sich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich immer weiter von den wesentlichen Kernaussagen entfernt hat, das wollte keiner sehen.
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Dass sich die SPD von ihrem Kernprogramm weit entfernt hat, ist völlig richtig. Dass das keiner sehen will ist hingegen völlig falsch, denn genau deshalb ist die Linke so stark. Dort sammeln sich nicht nur enttäuschte SPD-Politiker, sondern auch deren enttäuschte Wähler. Auch hier zeigt sich eine kritische Distanz der potentiellen SPD-Wähler zu "ihrer" Partei.
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Zitat von Carstens_Brüderchen
Und wenn Steinmeier jetzt plötzlich erdrutschartige Gewinne verzeichnen könnte und Kanzler würde, dann würde mich auch das nicht mehr wundern.
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Ich sage nicht, dass andere Parteien besser, kompetenter oder fähiger wären, aber die SPD als geringstes Übel zu betrachten, halte ich mittlerweile für traditionell verwurzelten Irrglauben.
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Wie oben schon gesagt, eine echte Alternative für den, der eigentlich zum Stammwähler-Potential der SPD gehört gibt es ja kaum.
Die CDU ist in vielen Punkten kaum unterscheidbar, zeichnet sich aber durch mehr Selbstzufriedenheit und Visionslosigkeit aus.
Die FDP kommt für jeden, der ein soziales Gewissen hat nie in Frage.
Die Linke darf man ja nicht wählen, weil die ja soooo böse sind und schon wegen dem schlimmen Oskar nicht.
Die Grünen sind ins Fischer-Vakuum gefallen und stehen auch ohne Profil da, weil die beiden großen inzwischen selbst ein grünes Mäntelchen tragen.
Alles andere sind verschenkte Stimmen, weil "Die Partei" nicht zugelassen wurde.
Also was macht ein sozial eingestellter kritisch denkender Wähler ?
Sag Du's mir.