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Zitat von Motion - man
Tschernobyl oder Harrisburg sind natülich immer DIE Totschlagargumente schlechthin. In Deutschland herrscht ein ganz anderer Standard. Die meisten sog. Störfälle werden zu solchen hochstilisiert, weil z.B. beim Hausmeister die Leuchtstofflampe kaputt geht (übertrieben gesehen). Wenn dann eine Notabschaltung von statten geht, zeugt das doch davon, wie gut die Sicherheitsmechanismen greifen.
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Praktisch jeder neue Standard gilt/galt solange als
sicher bis er sich dann als doch nicht ganz so sicher herausgestellt hat. Auch die Titanic war unsinkbar ...
Natürlich ist ein GAU sehr unwahrscheinlich - aber eben doch nie unmöglich.
Und zu den Kostenvorteilen von Atomstrom, gehen wir das ganze doch mal streng wirtschaftlich an:
Wenn man das tatsächlich sehr geringe Risiko mit den zu erwartenden Schäden mulitpliziert, dann kommt doch noch eine sicherlich sehr beträchtliche Summe heraus.
Müssten die Betreiber sich für diesen Fall wirklich im vollem Umfang versichern, so wie es jeder Autofahrer machen muss - ich bezweifle, dass der Atomstrom immer noch so billig wäre.
Und was ist mit dem laut einigen Studien nachweisbar erhöhten Leukämie-Risiko in der Nähe von Atomkraftwerken ? Geht das in den Strompreis mit ein ?
Ganz davon abgesehen, wie es mit der "Entsorgung" das Atommülls aussieht.
Zahlen die Betreiber tatsächlich die vollen Kosten für Erkundung, Erschließung und Betrieb der
Endlager ?
Für die Erschließung der Asse z.B. hat die Industrie angeblich 1,9 Mio Euro bezahlt, die Sanierungskosten von 4 Mrd soll der Steuerzahler tragen.
Was ist mit der quasi Enteignung der Bewohner von Gorleben und Umgebung ? Oder haben deren Häuser wirklich noch den alten Marktwert, da ja die Atomstrom-Befürworter so gerne in ein solch angenehme Gegend ziehen würden ?
Und dies sind nur einige wirtschaftlichen Argumente, die zeigen, dass Atomstrom eben doch nicht so billig ist.
Ganz abgesehen von den moralischen Fragen:
Dürfte man das Risiko eine GAUs eingehen, selbst wenn es versichert wäre ?
Erfüllen wir den Generationenvertrag noch, wenn wir unseren Nachkommen tausende von Jahren strahlenden Müll ohne wirkliche Entsorunglösunglösung einfach nur "verbuddelt" hinterlassen ? (hier fällt mir gerade auf, wie toll doch das Wort "Entsorgung" in diesem Zusammenhang passt: wir schließen das ganze mal weg, überlassen das unseren Nachfahren, sich darum zu kümmen und müssen uns keine Sorgen mehr machen. Eriennrt mich daran, wie ich früher mein Kinderzimmer aufgeräumt habe: alles ab unters Bett)
Ist es moralisch, den Uranabbau in in Nigeria (wo 80% des Rohstoffes abgebaut wird) ohne Schutzanzüge, mit Entsorgung des strahlenden Abraums auf Halde zu fördern ?
Ich weiß, dass es nicht einfach ist, Atomstrom mal eben so zu ersetzen, aber man muss meiner Meinung nach den Weg, den man mit der Laufzeitbegrenzung wenigstens gaaaanz langsam eingeschlagen hat, weitergehen und nicht wie aus Reihen der Union und FDP gefordert wieder umkehren und damit auf Jahrzehnte den Atomausstieg verhindern.
Bin vielleicht auch voreingenommen, weil ich vor zehn Jahren in Weißrußland gesehen habe, was Tschernoby dort angerichtet hat. Und da war der Besuch eines dreifach überbelegten Kinderkrankenhauses mit einer unglaublichen Häufung von Schilddrüsen-Erkrankungen zwar das emotionalste, der Zusammenbruch der auf den Export von Landwirtschaftsprodukten ausgerichteten Wirtschaft aber das sogar wohl noch folgenschwerere.