Zunächst mal ein Kompliment an Jaskula, Fozzi und aleol.
Toll zu sehen, daß man sich mit Inhalten auseinandersetzt und (zumeist, stefan s. hat hier wohl nen Freifahrschein

) nicht vordergründig mit den Autoren.
@jaskula: Ich gebe gerne zu, daß ich gegenüber Lafontaine kritischer gegenüberstehe als manch anderen Politikern.
Dies hängt auch mit seiner (meiner Meinung nach gespielten) Opferrolle beim damaligen SPD-Austritt zusammen. Es dürfte doch eigentlich klar ersichtlich sein (wie du auch teilweise bestätigt hast), daß er bei der damaligen Konstellation mit Schröder (auch Scharping hat hinter den Kulissen kräftig mitgemischt) im Endeffekt weggemobbt wurde, als die Gelegenheit da war.
Ein unbequemer Zeitgeist, den sich Schröder entledigt hat.
Ein weiterer Punkt, der sich bei mir allerdings eingeprägt hat, war seinerzeit die Ablehnung Lafontaines gegen die Wiedervereinigung. Seine Beweggründe sind mir heute noch unerklärlich, vielleicht (und das meine ich jetzt ernst), kannst du da etwas Licht ins Dunkel bringen.
Was man im früher zugute halten konnte, war die Tatsache, daß er unbequeme Wahrheiten aussprach.
Was ich heute an ihm nicht mag, ist das (SEHR BEWUSST EINGESETZTE) Schüren von Ängsten, als Beispiel nenne ich hier mal den von den Linken herangezogenen Slogan "Raus aus Afghanistan"- hier wird (nicht nur von Oskar) dem Volk suggeriert, dieser Einsatz erhöhe signifikant die Gefahr von Terroranschlägen. Dass die Bundeswehr generell keine Kampfeinsätze führt (haben soll), wird unter den Deckmantel des Schweigens gekehrt.
Ich habe jetzt leider nicht so viel Zeit, um dir Quellenangaben zu nennen, werde das aber bei nächster Gelegenheit nachholen (versprochen).
Einige (un)willkürliche) Zitate des Herrn L. füge ich jedoch noch an (sie sind nachweislich von ihm genauso gesagt worden), kann sich jeder selber eine Meinung bilden:
Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. [...] Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben." - 15. Juli 1982 im STERN zur Diskussion um den NATO-Doppelbeschluss

"Welch ein historischer Schwachsinn!" - Über die NATO-Zugehörigkeit eines vereinten Deutschlands - am 18. Dezember 1989 auf dem SPD-Parteitag in Berlin
Sehr schön (weil ganz Unrecht hat er nicht)finde ich dieses:

Wenn Maßnahmen wie Hartz IV oder die Rente mit 67 verabschiedet werden und die große Mehrheit der Bevölkerung dagegen ist, dann kann sie den Verkehr oder die Produktion lahmlegen." - Interview mit dem Hamburger Abendblatt, Ausgabe 19. September 2009.
steht allerdings etwas im Gegensatz zu diesem:
"Wir können auf die ständig steigende Lebenserwartung nicht mit immer kürzerer Lebensarbeitszeit reagieren." - Interview "Focus" 33/95,
Sehr schön (besser kann man den Parolen-Wahlkampf der PDS nicht beschreiben):
Wer ohne Vergangenheit ist und keine Zukunft sieht, wird anfällig für radikale Verführer.
Oskar Lafontaine
deutscher Politiker (SPD) (1943 - )
Wandlungsfähig ist er auch, sogar sehr:
Wahre Solidarität empfindet man entweder gegenüber allen Menschen oder überhaupt nicht."
(aus "Die Gesellschaft der Zukunft", 1988)
dagegen spricht:
Der Staat ist verpflichtet, seine Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Er ist verpflichtet zu verhindern, dass Familienväter und -frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen."
(Rede auf Kundgebung in Chemnitz, 14. Juni 2005)
oder auch hier:
"Wenn gesellschaftliche Aufgaben durch private Anbieter besser und preiswerter erledigt werden können, dann haben die Bürger ein Recht darauf, dass die für sie beste Lösung gewählt wird, das heißt dann: Privatisierung."
(Konferenz "Moderner Staat in einer modernen Gesellschaft", 4.2.1997)
und im Gegensatz dazu hier:
"Es dürfen keine weiteren öffentlichen Einrichtungen privatisiert werden. Stattdessen müssen wir die Steuerund Abgabenquote in Deutschland auf das europäische Niveau anheben."
(Gespräch im Neuen Deutschland, 13.02.2006)
Was ist richtig, was ist falsch?
"Um bestehende Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen, müssen auch die Kosten für den Faktor Arbeit Lohnnebenkosten müssen gesenkt werden."
(Kolumne in der Abendzeitung München, 15.11.1993)
oder das?
"Bei der letzten Haushaltsdebatte überboten sich wieder FDP, Grüne, CDU und SPD. Wie die dressierten Äffchen standen sie am Podium und sagten: Jawohl, wir müssen die Lohnnebenkosten senken. Nun will ich den Begriff Lohnnebenkosten übersetzen: Er heißt: Geld für Rentner, für Kranke, für Arbeitslose und für Pflegebedürftige."
(Beitrag auf der Berlin-Brandenburger Basiskonferenz, 25.11.2006)
Manchmal ändern sich sogar Grundsätze:
"Die 'Bild'-Zeitung hatte am Mittwoch, 14. Juli 1982 telefonisch eine Interview-Anfrage an den Saarländischen SPD-Parteichef gerichtet, die Lafontaine aufgrund der von ihm nicht gebilligten Arbeitsweise des Boulevard-Blattes, die erneut unter Beweis gestellt wurde, abgelehnt hat."
dann:
Von Januar 2001 bis Januar 2006 war Oskar Lafontaine bei "Bild" als Kolumnist für monatlich 5000 Euro unter Vertrag.
Und sehr interessant seine Sicht über seine damals künftige Partei - vorher:
"Die PDS ist populistisch und vielfach antiwestlich (...)*. Es bestehen zum Beispiel berechtigte Zweifel hinsichtlich der außenpolitischen Zuverlässigkeit der PDS, denken Sie nur an die PDS-Gegnerschaft zur Nato-Osterweiterung und zur Einführung des Euro. Das allein schon verbietet auf Bundesebene jede Form der Zusammenarbeit. Die internationale Staatengemeinschaft muss sich auf die außenpolitische Berechenbarkeit Deutschlands verlassen können."
(SPIEGEL-Interview, 18. Mai 1998)
* Hier hat die SPD nach SPIEGEL-Recherchen den Zusatz weggelassen: ", aber sie ist nicht radikal" - d.Red.
nachher:
"Die Bundeswehr darf nicht weiter für Militärinterventionen im Ausland eingesetzt werden. (...) Militärbündnisse wie die NATO wollen wir überwinden."
Das ist einfach eine ohne Wertung zusammengewürfelte Sammlung an Zitaten. Der Mann ist sehr wandlungsfähig, das muss man ihm lassen...