Nevadas und Porthos' Beiträge scheinen mir einen Hauch von Ironie zu haben, den ich nicht gerechtfertigt fände, weil es ja Sinn des Forums ist, über Regelfragen Meinungen und Infos auszutauschen. Nicht alles was dabei herauskommt, muss ein amtliches Statement sein. Zugleich geben sich doch etliche Leute hier Mühe, fundiert zu recherchieren und zu antworten.
In diesem Sinn zum Thema - das eigentlich ganz unkompliziert ist:
1. Jede Halle, jedes Spiel und jeder Spieler ist anders (Temperatur, körperliche Handicaps, Stimmung zwischen den Teams, Zuschauerzahl, Fernsehen, ...) Deswegen kann und muss der OSR in jedem Einzelfall entscheiden, und insofern gibt es da kein allgemeingültiges richtig oder falsch.
2. Was es aber gibt, ist eine grundsätzliche Richtlinie für die OSR, und zwar in Abschnitt 8 des
ITTF-Schiedsrichterhandbuches, insbesondere 8.4 und 8.5. Beispiele: Stirnbänder bei langen Haaren - ja. Religiöse Kopfbedeckung - ja. Baseballmützen - nein.
3. Der OSR kann einen Spieler, der sich weigert die Spielkleidung zu wechseln, durchaus disqualifizieren - aber nicht wegen des speziellen Themas Spielkleidung, sondern wegen des Auftretens des Spielers. Dafür gibt es die
Regel B 5.2.8: "Der Oberschiedsrichter ist berechtigt, einen Spieler wegen grob unfairen oder beleidigenden Verhaltens zu disqualifizieren. (...)" Heißt:
- Ein Spieler der sagt: "Herr Oberschiedsrichter es tut mir leid, aber ich möchte Ihrer Anweisung nicht folgen, da es mir mit 15 Grad zu kalt für Shorts ist", der ist für nicht nicht "grob unfair"; da gibt es also "nur" eine Ordnungsgebühr auf Basis der jeweiligen Verbands-Bestimmungen (geht ja beim Punktspiel genauso wie beim Turnier).
- Ein Spieler der sagt: "Mir doch egal, was Du da erzählst, geh heim, ich tue hier was ich will" - der ist schon viel näher an einer Roten Karte. Auch ein Spieler, der sich bei weißen Bällen beharrlich weigert, ein weißes Trikot zu wechseln obwohl er es könnte, gehört in diese Kategorie, weil er den Gegner ja nachteilig beeinflussen will.
Entscheidend bei jeder Ermessens-Entscheidung ist, dass der der sie ausübt, den gesunden Menschenverstand gebraucht. Dann ist es meistens ganz einfach.