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AW: Warum kann man mit hartem Schwamm mehr Spin erzeugen als mit weichem?
Hallo, zusammen,
also ich find das Thema eigentlich auch sehr interessant - und um's gleich vorwegzunehmen,
kann die Grundthese aus eigener Erfahrung bestätigen.
Ganz besonders auffällig find ich's bei klass. chinesischen Belägen - dank der zum Teil vielfältigen
Ausführungen was die Schwämme angeht kann man das hier sehr gut vergleichen.
Wenn man das ganze mal "mechanisch" betrachtet, ist der Vorgang zumindest so komplex, dass ich mir nicht
vorstellen kann (zumindest bin ich Lichtjahre davon entfernt :-) ) sowas in einer einfachen, griffigen Formel zu verpacken. Meiner Meinung nach gibts auch viel zu viele im TT zwar geläufige, aber zum grossen Teil missverständliche bis falsche Pseudo-Fachausdrücke. Die werden dann, um das ganze noch zu verfeinern, natürlich auch von jedem einzelnen anders angewendet oder verstanden...... "Katapult" ist z.B einer.
Ich hab da natürlich auch so meine eigene Theorie - vielleicht kann der ja der ein oder andere was abgewinnen:
Ich setzte zur Vereinfachung einfach mal Voraus die "Griffigkeit" (Reibungskoeffizient) des Obergummis ist irrelevant/bzw. gleich.
Also, betrachtet man das geometrisch gibts eine Vorwärtsbewegung des Balles und die Rotationskomponente - um einen gegebenen "leeren" (rotationsfreien) Ball mit Rotation zurückzuspielen muss man
- dem Ball die gewünschte Vorwärtsbewegung
- gleichzeitig die gewünschte Rotation verpassen.....
Die Hauptbewegungsrichtung des Schlägers zum übertragen der Rotation ist tangential zur Ball-Oberfläche - vereinfacht gesagt je schneller der Schläger relativ zum Ball gesehen bewegt wird, desto mehr Rotation. Bezogen auf den Schläger/Belag wäre das dann eine Lateralbewegung (oder eine Scherbelastung des Belages.....) oder wieder anders ausgedrückt - bezogen auf die Belagsoberfläche eine seitliche Belastung in der "Horizontalen" der Belagsoberfläche. Hoffe das macht irgendwie Sinn.....??
Meiner Meinung nach ist das hier (Rotationsübertragung) die entscheidende Komponente.
Was passiert jetzt mit dem Belag (Kombination Obergummi/Schwamm):
Der Ball trifft mit gegebener Geschwindigkeit auf das Obergummi, zusätzlich wird der Schläger in der Schlagebene vorwärts bewegt - beim Auftreffen wird das gesamte elastische System seitlich verformt (Achtung, ich lasse hier bewusst das oft zitierte Eindringen in vertikaler Richtung weg!!!). Angefangen mit der durchgehenden, relativ dünnen Schicht - dann in zunehmend Mass eine seitliche Verbiegung und später Streckung der Noppenhälse - dann des weiteren der Schwamm. Löst sich der Ball wieder vom Belag und stimmt das "Timing" - wird das Rückstellmoment dieses elastischen Gesamtsystems dem Ball eben genau in tangentialer Richtung einen zusätzlichen Impuls erteilen ("zusätzlich" hier gemeint als zusätzlich zur Schlagbewegung).
Warum sollte hier ein harter Schwamm potentiell besser sein als ein weicher???
Meine Vermutungen:
-die Frequenz dieses elastischen Systems muss hoch genug liegen um überhaupt in der Lage zu sein mit
ihrem Impuls schnell genug zu sein - schnell genug, damit der Impuls möglichst vor Beendigung des Kontakts erfolgt eund schneller heisst natürlich auch direkt höhere Rotation/Drehzahl.
-je dicker der Schwamm (oder besser gesagt der gesamte Belag....) desto grösser die potentielle Federkraft des Systems - aber dicker bedeutet bei gleichem Schwamm niederigere Frequenz - daraus folgt dann wieder möglichst dick und möglichst hart.
Jetzt könnte man natürlich sagen, "alles an den Haaren herbeigezogen" und "Quatsch" und warum dann nicht gleich den Schwamm weglassen...oder wie auch immer. Ich denke die Tendenz wie oben geschildert stimmt einigermassen, aber der letztendliche Schlüssel ist hier Ausgewogenheit.
Ich denke eine in dieser Hinsicht gute Kombination von Obergummi mit Schwamm kann hier wichtiger sein als
die absoluten Werte z.B. vom Schwamm alleine.
Nun zur allgemein verbreiteten Meinung das weiche Beläge üblicherweise besser geeignet Sinn um ein spinorientiertes Spiel zu führen - und dem scheinbaren Widerspruch.
Ich glaube hier ist der Schlüsselpunkt der Spieler und die technischen Fähigkeiten - meiner Meinung nach ist die
weichen Belägen nachgesagte bessere Eignung einfach der Fehler verzeihenden Eigenschaften geschuldet - d.h. ein weicher Belag hat eine annehmbare Spinentwicklung auch bei relativ ungenauem Balltreffpunkt. Da der Balltreffpunkt wohl einer der entscheidentsten Punkte überhaupt in diesem Zusammenhang ist - erklärt sich auch die landläufige angenommene Eignung von tendenziell weichen Belägen hierfür.
Je ungenauer und langsamer (kürzere Schlagbewegung...) desto besser geeignet müsste hier ein weicher Belag sein - je genauer der Balltreffpunkt - schneller der Armzug - desto mehr eignet sich ein harter Belag und kann dementsprechend auch mehr Spin entwickeln.
Zum hier öfter angesprochenen Frischkleben.....hab ich selber keine (noch weniger ;-) ) Ahnung davon - aber ich glaube, hier wurde der grösste Effekt durch die zusätzliche Vorspannung erreicht. Falls das elastische System hier durch trotz zusätzlicher Vorspannung ein "weicheres" Spielgefühl vermittelt - würde sich die Beliebtheit selbst erklären: mehr Spinpotential bei fehlerverzeihenderen Grundeigenschaften was den Balltreffpunkt angeht... ;-)
Die viel zitierte "längere Ballkontaktzeit" bei weichen Belägen - meiner Meinung nach eher auch eine gesteigerte Kontrolle durch mehr Toleranz bei ungenauem Ballteffpunkt. Ansonsten wäre ein eindringen des Balles in dieser Richtung eben auch nicht geeignet Rotation zu übertragen - eher Verlustleistung (ganz abgesene davon, das weicher=mehr Walk-Bewegung bedeutet=schwereres Abrollen.....wie ein zu lasch aufgepumpter Fahrradreifen... ;-) =weniger Rottation ).
Alles natürlich nur meine eigenen unmassgeblichen Gedanken - und vorab, ich bin ein miserabler Tischtennisspieler!
Gruss
wsw
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