Zitat:
Zitat von Carstens_Brüderchen
Verstehe - aber findest Du es in Ordnung, dass so verfahren wurde? Oder anders: Sagst Du, dass Stasi-Spitzel ebenfalls in den Genuss einer Generalamnestie kommen sollten?
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Ich denke, wir sind uns einig, dass ein Zulassen dieser Entwicklung nicht nur grob fahrlässig war, sondern in höchstem Maße ungerecht.
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Das rechtfertigt allerdings nicht, einen ähnlichen Fehler in der Gegenwart zu begehen. Ich bedauere, dass zweierlei Maß somit eine historische Tatsache wäre bzw. ist; jedoch nicht dahingehend, dass Stasi-Spitzel heute die "Leidtragenden" sind, sondern dahingehend, dass Nazi-Profiteure damals nicht schon in angemessenem Maße für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen wurden.
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Ich gehe noch weiter.
Geld + Macht bestimmt, wer Gut und Böse ist.
Das war damals so, da hatten die Profiteure das Geld und die Macht und waren deshalb in der Lage, eine echte Aufarbeitung zu verhindern.
Das ist heute wieder so, nur dass Macht und Geld in diesem Fall je nach Person nach Aufklärung rufen bzw. noch nicht mal das, es reicht in aller Regel die Person in Verruf zu bringen.
Das Ganze hat aber nicht im Geringsten den Charakter einer lückenlosen Aufklärung und Aufarbeitung, denn es geht ja nur um die Beschädigung des politischen Gegners.
Dazu ist das hier interessant:
http://www.freitag.de/community/blog...schweriner-cdu
Wie erklärt sich, dass Bisky "aus Gründen der politischen Hygiene" untragbar ist, während Tillich fröhlich regieren darf ?
Wurde bei Althaus ernsthaft nachgeforscht ?
Meine persönliche Meinung dazu:
Es macht keinen Sinn, ein ganzes Volk bestrafen zu wollen. Das wäre aber notwendig, wenn man wirklich Gerechtigkeit herstellen wollte. Dazu haben zu viele aktiv oder als Mitläufer das jeweilige Regime unterstützt.
Deshalb sollte man sich auf die wichtigen Positionen beschränken, also prüfen, wer hatte wichtige Ämter im Regime, der hat jetzt Sendepause und wer möchte jetzt ein wichtiges Amt ausüben, der sollte ziemlich sauber sein. Das Ganze sollte aber dann nicht durch eine einseitig berichtende Presse und heuchlerische Politiker, sondern durch eine unabhängige Kommission geprüft und entschieden werden.
Aus meiner Sicht sind Waldheim, Kiesinger, Schleyer, Filbinger und bestimmt noch einige andere ein echter Skandal, weil sie einfach da weitermachen konnten, wo sie vorher aufgehört haben.
Eine "Tätigkeit" als IM ohne Nachweis, dass Informationen daraus schwerwiegende Konsequenzen hatten, halte ich hingegen gerade wegen unserer Geschichte und auch wegen der Anzahl der "Spitzel" als nicht verfolgungswürdig.
Man sollte auch nicht vergessen, dass, wenn man auch kleine Vergehen ahnden möchte, dadurch die großen Vergehen relativiert werden und man sicherstellen muss, dass die Informationen, auf denen eine Verfolgung beruht richtig und vollständig sind. Das würde ich bei den Stasi-Unterlagen in vielen Fällen bezweifeln.