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Backnanger Kreiszeitung vom 17.05.2003
Anmerkung: Plüderhausen ist ca. 25 km von Backnang entfernt
Jan-Ove Waldner gibt sein Ja-Wort
Tischtennis-Bundesligist SV Plüderhausen baut in der nächsten Saison auf einen Olympiasieger
Er gilt als der beste Tischtennis-Spieler aller Zeiten, wurde 1992 in Barcelona Einzel-Olympiasieger sowie insgesamt zweimal Weltcupsieger, sechsmal Weltmeister und elfmal Europameister: JanOve Waldner. Kaum zu glauben, aber wahr: Der 37-jährige Schwede geht in der kommenden Saison für den Bundesligisten SV Plüderhausen an die Platte.
VON STEFFEN GRÜN
Wer mit Ulrich Engele spricht, hört deutlich den Stolz in seiner Stimme. "Ein Genie an der Platte", schwärmt der Sportkoordinator des SV Plüderhausen von seiner neuen Nummer eins. "Der beste Techniker der Welt", ergänzt er und attestiert Waldner "das beste Händchen von allen". Kurz: eine lebende Tischtennis-Legende.
Warum verschlägt es den früheren Weltranglistenersten im Spätherbst seiner Karriere ins Remstal? Auf diese Frage gibt es eine einfache Antwort. Die Ausrüsterfirma Donic hat neben den Bundesligisten Ochsenhausen und Plüderhausen auch Waldner unter Vertrag. Deshalb bestand das Interesse, den Schweden in der Bundesliga unterzubringen. "Wir haben es am Anfang für einen Witz gehalten", schildert Engele die Reaktion der Verantwortlichen, als ihnen die Möglichkeit zur Verpflichtung des 37-Jährigen signalisiert wurde. Der SVP nahm die Gespräche trotzdem auf und siehe da, der vermeintliche Witz entpuppte sich beileibe nicht als Rohrkrepierer.
Obwohl Waldner in China oder Japan eine Menge Geld hätte scheffeln können, gab er den Plüderhausenern sein Ja-Wort. Selbst für einen streng leistungsbezogenen Vertrag war sich der Rechtshänder, der zuletzt beim schwedischen Verein Kalmar gespielt hatte und mit einem gebrochenen Fuß sieben Monate pausieren musste, nicht zu schade. Sollte Waldner den Erwartungen nicht gerecht werden und an Position eins eine negative Bilanz abliefern, würde er fast leer ausgehen. Wird der Schwede den Vorschlusslorbeeren gerecht und avanciert zum zuverlässigen Punktelieferanten, "dann wirds teuer" (Engele). Finanziert sei das Gehalt des Weltklasse-Cracks auch dann, versichert der Sportkoordinator wenn auch "mit Hängen und Würgen".
Außerdem eröffnet der Überraschungs-Coup den Remstalern in mancherlei Hinsicht ja ganz neue Dimensionen. "Von der Marketing-Seite her ist es ein Traum", hofft Engele, die Popularität Waldners nutzen zu können. In erster Linie erwartet der Bundesligist in der kommenden Runde einen größeren Besucherandrang bei den Heimspielen. "200 bis 300 Zuschauer mehr pro Partie", nennt Engele eine Hausnummer. Ihnen soll auch etwas geboten werden: Ein Play-off-Platz wird beim SVP bereits ungeniert angepeilt.
"Wir gehen davon aus, dass Waldner in guter Form zu uns kommt", ist der SVPSportkoordinator zuversichtlich. Nach seiner Verletzungspause startet der Schwede ab Montag bei der WM in Paris. Dass er die Zügel schleifen lässt, ist aber ohnehin nicht zu erwarten: Schließlich sind die Olympischen Spiele 2004 und die WM 2005 seine beiden letzten großen Ziele.
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