Zitat:
Zitat von ruedi5
Breaker, du stützt dich bei deiner Argumentation immer voll auf die Bibel. Aber woher willst du wissen, dass das alles wahr ist, was da steht. Vielleicht ham sich das ganze damals auch einfach nur ein paar kreative Freunde ausgedacht. So lange es keinen wissenschaftlichen Beweis gibt, dass alles was in der Bibel steht wahr ist, kann ich mein Leben nicht darauf stützen.
Außerdem sehn wirs mal unterm Strich, hat die Bibel in all der Zeit wirklich ihren Zweck erfüllt, z.B. zu Frieden auf der Welt geführt? Weiß man nicht. Was man aber weiß ist, dass sie schon zu vielen Kriegen geführt hat.
|
Interessant und die typische Argumentationlinie in deinem Alter, ich kenne das...

.
Nur: einen 'wissenschaftlichen Beweis', also im Sinne einer Verifizierung, gibt es nicht mal systemimmanent.
Wir hangeln und vos einer Hypothese zur Nächsten, wir leben mit 'Annahmen' von und über Welt und nicht mit 'Wahrheiten'. Das ist allen Naturwissenschaftlern bekannt.
Man nennt sowas auch 'Immunisierung'. Die Untersuchungssettings der empirischen Wissenschaften werden so lange angepasst und 'sterilisiert', alle störenden Einflüsse ausgeschaltet, bis 'es passt'

.
Wenn wir nun über Glauben und/oder die Bibel sprechen, begeben wir uns auf ganz anderes Terrain. Wir sind hier jenseits jeglicher (wissenschaftlicher) Rationalität.
Oder anders: man kann die Bibel - was vielfach geschehen ist - natürlich wissenschaftlich 'beleuchten'.
Aber das berührt in keinster Weise das, was Gläubige darin sehen: eine nicht diskutable WAHRHEIT!
Und, das ist seit Jahrhunderten ein Kardinalproblem aller großen Denker: das Theodizeeproblem und mithin ein aktiver Gottesbeweis ist letztlich unlösbar.
(Ganz gut hierzu, wenn auch kurz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Theodizee)
Die 'letzten' Fragen, darauf will ich hinaus, sind von Menschen nicht zu beantworten - und das ist allen Denkern seit Jahrtausenden bewußt. Daran ändert die moderne Naturwissenschaft einen Schiß.
Genau deshalb sind viele Denker, die Zeit ihres Lebens nach der Beantwortung dieser Fragen gesucht haben, spät zum Glauben gekommen.
Insofern, man verzeihe mir

, ein negativer Gottesbeweis.
Wir kommen letztlich nicht umhin, irgendwas 'Externes' anzunehmen, denn es ist das ewige Dilemma, dass der Geist (das Gehirn) sich nicht selbst erklären kann.
So sind wir nicht gestrickt.
Die meisten Leute blenden diese Fragen aus, und damit lebt man ja auch ganz gut. Aber sie bleiben immanent da, und eigentlich jeder wird dann und wann mit ihnen konfrontiert.
Und an diesem Punkt wird es wirklich spannend: ich sagte, wir 'müssen etwas annehmen'. Dieses ist dann aber kein aktiver 'Akt', sondern etwas, das 'passiert'.
Die aufklärerische Vorstellung, man könne prinzipiell ALLES wissen, wenn man nur genug Informationen und Zeit habe, ist der letzte und größte Versuch gewesen, den Menschen zu emanzipieren.
Nur z.T. ging und geht es da um reale Lebensbedingungen. Es ging um Emanzipation von 'höheren Mächten', nicht nur vom absolutistischen Staat, sondern auch von der Allmacht der Kirche und damit von Gott.
Nun hat sich aber (spätestens) mit Nietzsche, Darwin, Freud erwiesen, dass die Allwissenheitsthese Phantasie ist, und genau da sticht Nietzsches 'Gott ist tot' hinein.
Es ist - und das wurde oft mißverstanden - eine BEDAUERNDE Analyse, die das Verschwinden von Selbstverständlichem thematisiert.
„Wohin ist Gott? rief er, ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet, – ihr und ich! Wir alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir dies gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? […] Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder?“
Er 'wußte' offensichtlich, dass es 'Ihn' gibt, wie auch Hegel, Schopenhauer, Spinoza, Leibniz, Habermas, Rousseau, Pestalozzi, selbst Kant, Goethe, Schiller, Hesse, auch die Herren 'Naturwissenschaftler'/Empiristen Locke, Newton, Pascal, Hume, Laplace usw. usf.
Oder, falls es jemand kennt: Kohlberg, Stufen der Moralentwicklung.
6 Stufen hat er semiempirisch extrahiert, ein halbes Leben damit verbracht, und irgendwann, im Alter, kam Stufe 7 hinzu. Er, der Rationalist, nahm an, dass es Transzendentalität geben müsse.
Wie auch immer man nun das für sich ausbaldovert, irgendwas 'IST', so schwer es auch für Manche zu akzeptieren sein mag.