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Alt 25.02.2010, 18:59
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crycorner crycorner ist offline
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Zitat:
Zitat von Jaskula Beitrag anzeigen
Wenn ich solche Aussagen lesen muss kommt mir die Galle hoch.
Denn:
Nur dass das nicht nur gelten sollte, wenn man einen Ausbeuter mit dem anderen vergleicht, sondern diesen Vergleich sollte man zur Erlangung von gerechtigkeit auch einmal machen, wenn es um die kleinen Leute geht.

Wie rechtfertigt man ein Gehalt von 130.000 Euro im Jahr gegenüber der Krankenschwester, dem Altenpfleger der Briefträgerin oder dem Mitarbeiter der Müllentsorgung, die sich mit ca. 15 % dieser Summe begnügen müssen.
Gerecht ?
Von deutlich darüber liegenden "Einkünften" (ich würde eher von Aneignungen sprechen) ganz zu schweigen.

Jetzt stelle sich einer der Autoren solcher Sätze oben noch den Diplom-Ingenieur vor, der nach erfolgreichem Studium einen guten Job gemacht und gut verdient hat, dann aber mit Anfang 50 diesen verloren hat (z.B. weil wildgewordene Banker seinen Betrieb in den Ruin getrieben haben). Nach einem Jahr völliger, unverschuldeter Chancenlosigkeit an einem nahezu nicht mehr vorhandenen Arbeitsmarkt, fällt er nun in Hartz 4. Sein Jahreseinkommen beträgt dann knapp 5000.- Euro im Jahr.
Gerecht ?
Selbst schuld ?
Verantwortung ?

Oder eben doch pervers ?
Na hör mal, ich habe doch nirgends geschrieben, dass alle Menschen in allen Berufen genau das bekommen, was ihnen zusteht...
Aber man sollte bei aller Sympathie für diejenigen, die für ihre Leistung tatsächlich unterbezahlt sind - wie z.B. die Krankenpfleger(innen) - auch ein bisschen realistisch bleiben. Schau Dir doch die entsprechenden Gehaltstabellen an. Glaubst Du, die Gewerkschaften würfeln ihre Vorschläge aus? Da wird ganz klar zwischen den Verantwortungsbereichen und der der Stelle vorausgesetzten Ausbildung abgegrenzt. Und ein Sachbearbeiter, der seinen Job nach einer kurzen Anlernphase ausüben kann, verdient halt nicht so viel, wie ein Angestellter mit kaufmännischer Ausbildung. Und der wiederum verdient halt nicht so viel wie ein Abteilungsleiter, der dafür Sorge zu tragen hat, dass seine Abteilung bestimmte Ziele erreicht.
Als Abteilungsleiter im kleinen Mittelstand bist Du ruckzuck bei Gehältern zwischen 50 und 80 Tausend, je nach genauem Verantwortungsbereich. Gerne auch mal mehr. Das sind Standardgehälter.
Auch die Größenordnung 120 Tausend ist nicht selten zu finden. Die Top-3 Aussendienstler einer mittelgroßen Firma verdienen diese Beträge relativ oft.

Der Markt macht die Preise. Bei einigen Branchen, wie z.B. in der Alten- und Krankenpflege ist der Markt halt ein Schlechter. Und das ist doof und muss den unterbezahlten Menschen zuliebe korrigiert werden. Dafür kämpfen die Gewerkschaften. Aber aus diesen Gründen anderen Menschen ihr Gehalt abzusprechen und sogar von Aneignung zu sprechen, ist Neid und Missgunst.

Ich bin Abteilungsleiter. Willst Du mein Gehalt? Wahrscheinlich schon. Willst Du auch meine Aufgaben und meine Ziele?

LG, crycorner
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