Ich bin ja nun wirklich kein Bayern-Fan, aber die gestrige Leistung der Mannschaft hat mir tatsächlich gehörigen Respekt abgewonnen.
Man kann darüber philosophieren, ob Lyon so schwach war oder ob die Bayern den Franzosen einfach nur so wenig Spielraum ließen, dass ein Kampf auf Augenhöhe völlig unmöglich war...
Im Vorfeld hatte ich bereits angenommen, dass Robben wohl allerhöchstens ein Tor, vermutlich aber eher keins beisteuern würde. Auf dem Niveau eines Championsleague-Halbfinales wissen die Verteidiger zumindest halbwegs damit umzugehen, wenn jemand IMMER versucht, mit dem Ball nach links in oder vor den Strafraum zu ziehen, um dann den Linksschuss abzugeben. Umso verwunderlicher, dass er drei oder vier gute Gelegenheiten dieser Art bekam. Klar war jedoch, dass Robben intensiver bewacht werden würde als andere Spieler, welche damit neue Freiräume bekommen.
Ivica Olić gelang es auf sensationelle Art und Weise, diese Freiräume zu nutzen und sich auf europäischer Ebene den Titel eines Toptorjägers zu verdienen. Die innere Haltung eines Olić, absolut keinen Ball verloren zu geben, jedem noch so aussichtslosen Pass hinterher zu hecheln und selbst aus vermeintlich geklärten Situationen doch noch ein Tor zu zaubern, ist beispielhaft und sollte jedem Fußballtrainer der Welt als Anschauungsbeispiel für Motivation, Einsatz und Siegeswillen in Verbindung mit fußballerischem Vermögen dienen. DAS ist Fußball! Und davor ziehe ich meinen Hut.
Sollte Barca wider Erwarten noch das Finale erreichen, wird Bayern allerdings vermutlich vor einer ähnlichen Aufgabe stehen, die mit der gestrigen vergleichbar ist, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Messi wird vermutlich gedoppelt werden müssen, um ihn halbwegs aus dem Spiel zu nehmen (wenn das überhaupt irgendwie möglich ist). Da Barca sonst aber auch nicht nur Trantüten in der Mannschaft hat, könnten andere Spieler die entstehenden Freiräume entsprechend nutzen. Dennoch sind Robben und Olić (oder auch ein Müller) immer für ein Tor gut. Gomez (viel zu langsam - sowohl auf den Beinen als auch im Kopf, was die Antizipation von Spielsituationen anbelangt) und Klose sehe ich hingegen als Auslaufmodelle im Sturm, die auch in der Nationalmannschaft nichts mehr zu suchen haben, wobei Klose bislang immer noch in der Lage war, wenigstens bei großen Turnieren der Nationalmannschaft lichte Momente zu entwickeln, die seine Einsätze rechtfertigten.
Zu Ribéry: Bayern hat gestern gezeigt, dass Monsieur Ribéry nicht der entscheidende Mann auf dem Platz ist, ohne den nichts geht. Er ist sicher ein durchsetzungsstarker Spieler, der aber in den vergangenen Monaten stark an Wirkung verloren hat. Die immer wiederkehrenden kleinen Verletzungspausen (seltsamerweise kann er dann in der Meisterschaft nicht antreten, ist aber zur Championsleague wieder fit...

), muten an wie ein mehrfaches Fehlen wegen Mumps mit Entschuldigung der Mama und bestätigen zunehmend die Annahme, dass er mit seinen Gedanken bereits auf der Reise nach Madrid oder Barcelona ist. Sollte ihm ein solcher Absprung gelingen, ist allerdings fraglich, ob er nach fünf bis zehn Einsätzen überhaupt noch auf's Spielfeld kommt. Für mich eher ein Fall, der - wie so viele selbsterklärte Topspieler - dort auf der Bank versauern wird, bis er nach zwei Jahren an irgendeinen Club irgendwo in der Welt ausgeliehen wird. Dann wird wohl selbst der gallische Hahn nicht mehr nach ihm krähen.