|
AW: DER Thread für politisch Interessierte
So, nachdem ich mich jetzt durch die letzten 5 (!) Seiten durchbeissen musste, bei denen ich ehrlich gesagt nur maximal 30% der Beiträge für diskussionsbeitragend halte, möchte ich gerne auch noch einen Punkt hervorheben.
Wir reden hier immer über Umverteilung von "Reichtümern" aber ich denke, was viele stört ist die Zurückhaltung vieler Regierungen, nicht nur der derzeitigen, das System einfach nur ein kleines bisschen zu nivellieren, um damit viel zu bewirken. Wie Olaf schon mit der Umfrage gezeigt hat, mangelt es nicht unbedingt an der Bereitschaft, auf einen Teil seines Wohlstands zu verzichten, wenn man damit helfen kann. Das Problem in meinen Augen ist einfach die Art und Weise wie agiert wird und vor allem, wie es kommuniziert und umgesetzt wird.
Wenn wir uns noch einmal in den Einkommensbereichen bewegen, die bis zum Maximalsteuersatz gehen, dann frage ich mich, ob jemand, der in diesen Gehaltsklassen rangiert, wirklich ein ernstes Problem mit den Abgaben hat, das ist nämlich höchst fraglich und für alle über dieser Grenze gilt das erst recht. Sicher ist die Abgabenlast nicht schön, mehr ist immer gut, aber wirklich schmerzhaft ist sie auch nicht. Jedem, der im Jahr mit rund 60000 Brutto nach Hause geht, fehlt es doch an relativ wenig im Leben. Was ich mich allerdings frage, ist dann, warum jede, aber wirklich jede politische Seite immer an dem Spitzensteuersatz herumfuhrwerkt.
Ich denke mir so oft, dass eine Steuerersparnis und damit mehr Netto am Monatsende vor allem denen hilft, die am unteren Ende der Skala liegen. Oder einfach formuliert: Wenn ich jemandem mit 1000 Euro Netto plötzlich 1200 Netto zur Verfügung stellen kann, dann investiert er das auch in eine Steigerung seines Lebensstandards, sprich er verkonsumiert das Geld und hält es damit im Kreislauf. Mache ich das Gleiche in den oberen Einkommensregionen, so behaupte ich mal, dass ab einem gewissen Betrag ein zusätzliches Plus nur noch in kapitalfinanzierte Anlagen oder schlicht in die Sparbüchse läuft. Jedenfalls ist der Anteil daran, der wieder in die Realwirtschaft zurückgeführt wird, eher gering. Und daraus wird dann auch der Schuh, dass sich die Vermögen in den oberen 10% so drastisch vermehren. Hier greifen einfach deutlich mehr Zins- und Zinseszinseffekte. Jemand, der nichts zur Bank bringen kann, kann auch nicht davon profitieren. Und wenn ich lese, dass in den unteren Einkommensklassen rund 10% weniger Vermögen zur Verfügung steht, dann wundert mich das nicht. Rechnet man das gegen mit Inflaton und Realeinkommensentwicklung, dann kommt das gut hin. Das jetzt nur mal als kleines Gedankenexperiment meinerseits. Jedenfalls kann ich mir gut vorstellen, dass man eben genau die Umfrageergebnisse so auslegen und auch umsetzen könnte, denn letztendlich bietet ein kleiner Steueraufschlag ganz oben, wie wir ja gelesen haben rund 0,6%, für die Einkommen am unteren Ende eine deutliche Entlastung und das wäre doch zumindest einmal einen Versuch wert. Wenn es dann nicht klappt, hat man wenigstens etwas daraus gelernt, aber eine Regierung müsste sich dann nicht anhören, sie würde Klientelpolitik betreiben und "am Volk vorbei regieren". Etwas Mut und Rückgrat ist da gefragt.
Das leitet mich aber auch wieder über zum Punkt Kommunikation und Umsetzung. Ich denke, was vielen Arbeitnehmern ein sehr grosser Dorn im Auge ist, sind die KK-Beiträge bzw. die KKs ansich. Dieses Durcheinander ist doch einfach nur noch eine Farce. Wie viel Geld könnte man sparen, wenn man die Zahl der Krankenkassen deutlich reduzierte, wenn man die MwSt. einfach nach skandinavischem Modell anheben würde und die gesetzliche KV daraus für die Grundversorgung finanzieren würde ? Auch die private KV gehört da meiner Meinung nach schon auf den Prüfstand. Stattdessen wird über Kopfpauschalen und Gesetze zur Preisfixierung nachgedacht, was alles in allem einfach nicht effektiv ist.
Das sollen jetzt nur mal wenige Beispiele sein, die mich z.B. sehr beschäftigen und bei denen ich Ansatzpunkte sehe, einiges zu ändern und damit vielleicht der Gesellschaft als Ganzes etwas mehr Spielraum zu geben und die Gemüter auch wieder zu beruhigen.
EDIT: Eines noch. Dass es leider zu viele Menschen gibt, die unverschuldet in die Hartz IV-Falle laufen, dagegen spricht ja niemand, aber man muss auch zugestehen, dass es in diesem Zusammenhang auch wieder ZU viele gibt, die sich im Rahmen des legal möglichen auch eine Art "Sch***egal"-Haltung leisten. Klar, bedingt durch Hoffnungslosigkeit und fehlende Perspektiven, aber da muss man auch sagen, dass es hier meiner Meinung nach auch eine Frage der Selbstverantwortung und des Anstandes ist, sich nicht auf Kosten der Allgemeinheit versorgen zu lassen. Und leider gibt es dafür eben doch zu viele Beispiele, als dass man sie einfach als "Minderheit" ignorieren könnte.
__________________
ACHTUNG Linkshänder !
Neue Testphase:Genius Opt. 2,0 (VH) bleibt - Waldner Senso Carbon - Aurus Sound 2,1 (RH)
Geändert von JarodRussell (19.08.2010 um 08:33 Uhr)
|