Jaaaaa ... lange hatte ich darauf gewartet, ein Exemplar von Gewo's "Weichwurst" unter den Chinesen testen zu können.
Schon in der Verpackung wird bei diesem Belag deutlich, dass zumindest ein Teil der Werbeprosa auch in (eben dann doch nicht so harte) Fakten umgesetzt wurde: Der Lappen ist ECHT WEICH für einen China-Belag.
Bei näherem Befummeln fällt auf, dass der Belag leicht klebrig ist (bestätigt sich dann auch beim "Ball an den Schläger Klebe-Test"!).
Also mit der neuen Errungenschaft fix ab nach Hause und auf ein Tachi Mittelblatt geleimt das gute Stück.
Und dann die derbe Enttäuschung: Die Konbi funktioniert GAR NICHT !
Der Belag spielt sich auf dem Rendler-Brett absolut saft- und kraftlos. Ich habe es wirklich eine halbe Stunde lang versucht, aber es stellte sich nicht der Hauch von Spielfreude ein. Nichtmal bei Aufschlägen konnte die Kombination in Sachen Schnittentwicklung wirklich überzeugen.
Und das obwohl ich beim Begrabbeln des Belags wirklich den Eindruck hatte, dass der Belag die gelungene "Vermählung" aus einem weichen Tensor und einem giftig griffigen Chinesen sein könnte (so als ob Nimbus-Soft-Mama und Friendship 729-Papa sich ganz doll lieb gehabt hätten ;-) ).
Also grübelte ich dem Training noch eine Weile darüber und kam zu den Schluss, dass es nur mit einem steiferen Holz klappen kann. Also: Tief in der Materialkiste gebuddelt und ein Yinhe Speer rausgekramt.
Diese Kombination spielte sich dann, als hätte ich einen komplett anderen Belag auf dem Holz:
Kontern: Sicher und kontrolliert ... ohne viel Kraftaufwand geht der Ball dahin, wo man ihn hinhaben möchte.
Topspin: Relativ hohe Flugkurve (aber nicht unangenehm hoch für mein Empfinden !), sehr spinnig, Bälle sind fast optimal zu setzen, bei Handgelenkeinsatz im letzten Moment kriegt man lecker gekrümmte Flugbahnen hin. Aufgrund des eher geringer ausgelegten Grundtempo des Belags ist der Belag sicher nichts für Leute, die gerne Schlagspins spielen. Ansonsten war ich wirklich angetan von der tollen (eher unchinesischen) Ballrückmeldung und langen Ballkontaktzeit durch den weichen Schwamm.
Aufschlagannahme/Kurz-Kurz: Wegen der extrem hohen Griffigkeit des Belages ist er natürlich auch etwas anfällig für ankommenden Spin, aber das lässt sich mit etwas Übung sicher locker in den Griff kriegen. Wenn man "giftig" zurück schupft, dann stellt JEDER Schupfbell den Gegner rotationstechnisch schon mal vor eine Herausforderung.
Schuss: Ein geschossener Ball mit dem TB2 geht dahin, wo man ihn hinspielen möchte, aber ein Endschlagmonster ist dieser Belag ganz sicher nicht. Hier muss man die Geschwindigkeit aus dem Arm holen, um den Ball tötlich zu versenken.
Lange Abwehr: Wegen des hohen Tempos des Yinhe Speer, war meine Testkombi hier nicht wirklich zu Hause (zumal ich den Belag in 2.1mm getestet habe). Es zeichnete sich aber deutlich ab, dass der Belag auch hier Potential hat. Bälle kommen sehr schnittig zurück. Wenn der geübte Abwehrer hier mit dünnerer Schwammstärke agiert, dann kann der Belag sich dabei wirklich zu einer Waffe entwickeln. Das könnte DIE ALTERNATIVE sein, für Leute, denen zum Beispiel ein Tackiness C zu wenig Dampf hat, die aber nicht den ganz großen Schritt in richtung Angriffsbeläge gehen wollen.
Fazit: Für 21,90 € ist dieser Belag wirklich eine gelungene Neuentwicklung. Wer diesen Belag auf ein eher steifes Holz klebt kann wirklich Freude damit haben und vom defensiv ausgerichteten Schnittspiel bis zur "kontrollierten Offensive" alles damit spielen. Freunde der weichen "Schnittmonster" sollten dem Belag mal eine Chance geben.