Zitat:
|
Zitat von Danielson
Dass man dem geneigten Kritiker den Hang zur Show vorwirft,
ist verständlich. Aber die Show gehört dazu...
|
...wenn die Substanz denn einigermaßen stimmt, ist das ja okay.
Was bei RR leider selten der Fall ist. Ein paar wenige akzeptable
(nicht herausragende) Besprechungen in der Vergangenheit
bestätigen eher die Regel.
Und es gibt hierzulande wie gesagt durchaus einige verdiente
Kritikerkritiker, die sich die Mühe gemacht haben, RR's Rezen-
sionen über einen langen Zeitraum zurückzuverfolgen.
Eine Erkenntnis daraus: Die Anzahl bedeutender Autoren,
die RR 'entdeckt' oder zumindest als einer der Ersten ge-
bührend gewürdigt hatte, ist recht gering. Verglichen mit
jener Reihe von Luschen, die RR über Dekaden unverhält-
nismäßig lobte und pushte.
Zur näheren Untermauerung dieser These empfiehlt sich u.a.
die Lektüre entsprechender Abhandlungen über RR von Peter
Handke, Christian Linder, Wolfram Schütte, Eckhard Henscheid.
RR's regelmäßig wiederkehrende Leerformel bei vielen seiner
FAZ-Besprechungen in den vergangenen Jahrzehnten hat
Henscheid gut auf den Punkt gebracht ('Erledigte Fälle',
1986 ; 'Literaturkritik', 2007):
>> 1. Aufzählung dessen, was RR alles kennt.
2. Reihung von Schein-Paradoxa (Walter Jens nennt es 'Paralle-
lismus der Anthitesen') in immermüd-blindwütiger Endlosigkeit:
"Heiliger und Narr, Poeta Doctus und Bürgerschreck, Magister
ludens und Vagabund usw."
3. Die Kritik ex negativo, d.h. die sinnlose Aufzählung dessen,
was alles nicht in einem Buch steht. Damit füllen sich die FAZ-
Seiten....<<
Und wenn RR denn mal einen Autor zu Recht preist, dann
tut er es, laut Henscheid, oft aus den falschen Gründen -
wie z.B. beim oben erwähnten John Updike:
>>In ihm
(Updike) lobt RR, wohl stellvertretend für seine eigenen
Altherrenphantasien, vornehmlich den Großerotiker.
Wo doch gerade diese Partien die misslungeneren bei
diesem Autor sind...<< [/I]
Ich selbst habe vor einiger Zeit eine alte RR-Kritik aus den
frühen Sechziger Jahren, damals erschienen in 'Die Welt',
zu Bölls "Billard um halbzehn" studiert, auch da lag der
Meister ziemlich daneben...
PS: Zu Th. Mann und Heine heute nix. Nur soviel:
Beide gehören nicht zu meinen Lieblingsautoren.
PS II: Okay, doch noch was zu Heine:
Ich empfehle Karl Kraus: 'Heine und die Folgen' (1908) und
Friedrich Gundolfs Einlassungen zu H. aus dem Jahre 1930...
´
________________________________________________________