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AW: "Mentales" Training
Muss mal etwas weiter ausholen.
Falsche und echte "Zaubersprüche":
"Hab keine Angst"
"Sei nicht so nervös"
"Spiel wie im Training"
"Konzentriere dich"
"Nimm ihn ernst"
"Pass´ besser auf"
"Streng dich mehr an"
"Hör auf zu jammenrn (heulen)"
"Beweg dich"
(beliebig fortsetzbar)
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Was haben diese Anweisungen gemeinsam?
Diese Sprüche ermutigen und beruhigen. Den Betreuer. Und (auch hier) den wohlmeinenden Ratgeber. Er hat das Gefühl, etwas getan zu haben. Sehr oft aber erhöhen sie den Druck auf den Spieler, den man eigentlich reduzieren wollte (den Druck, nicht den Spieler!). Je enger die persönliche oder emotionale Beziehung ist (Vater), um so mehr.
Sind sie deswegen sinnlos oder kontraproduktiv?
Nein, nicht unbedingt. Sie geben dem Schützling das Gefühl: "Da draußen steht einer, der zu mir hält, der mich beschützt und "Schmiere steht".
Die Worte selbst dringen oft gar nicht bis ins Bewusstsein des Spielers vor. Deswegen passiert es auch so oft, das einfache Anweisungen ("spiele ihm mehr in die Rückhand") nicht befolgt werden.
Die Diagnose (z.B. "er hat Angst" ist schwer, weil der "Patient" diese verschleiern, verstecken will. Sie gelingt um so eher, je besser das Vertrauensverhältnis ist. Erkennt man immer, ob der Spieler zu faul ist, sich zu bewegen oder einfach nur Angst hat (Angststarre)?
Natürlich gibt es Therapien, mentales Training ist eine sehr gute, aber, richtig gemacht, am Anfang sehr aufwändig. Geht gut bei einem einzelnen Spieler, schon sehr viel schwerer bei einer Trainingsgruppe. Der Erfolg stellt sich oft erst später ein, aber immerhin.
NLP kann in der passenden Situation helfen, vor allem auch in der Satzpause.
Dieses ganze Thema ist aber viel zu komplex, um es hier in wenigen Beiträgen abzuhandeln. Es wurde ja auch schon viel dazu geschrieben.
Trotzdem mal zwei "Pillen"als Beispiel:
1. Im Wettkampf wie im Training zu spielen, kann man nicht im Training üben; das geht nur im Wettkampf. Auch wenn man halt ein paar Spiele verliert. Schwimmen lernt man nicht auf dem Trockenen, Rad fahren nicht am Simulator.
2. Angst hat man, oder man hat sie nicht. Bekämpfen kann man sie kaum, aber man kann lernen, damit umzugehen, sie als Teil von sich zu akzeptieren. Wenn man weiß, dass die Angst immer im 5. Satz kommt, kann man sich das bewusst machen und zum Beispiel die Taktik rechtzeitig umstellen. Die Angst kann dein Freund sein, nutze sie!
3., 4., 5. .....
Tischtennis ist ein sehr emotionales Spiel; nicht alles lässt sich einfach erlernen. Hormone (z.B. Adrenalin) spielen eine wichtige Rolle; in einer bestimmten Phase des Lebens (wichtig für junge Sportler) übernehmen sie auch schon mal die Steuerung und Emotionen schlagen so schnell um wie die Stimme.
Bei kleineren Kindern: "Trainer hat gesagt, also mache ich das!"
in der Pubertät: "Trainer hat gesagt, also mache ich das nicht"
Erwachsener: "Trainer hat mir geraten, ich probiere das jetzt mal und wenn es klappt, mache ich das"
Die Kunst des Trainers ist es, die schleichenden und manchmal stolpernden Übergänge zu erkennen und zu respektieren.
Mist, jetzt ist es doch ein viel zu langer Beitrag (3 Tassen Kaffee) geworden ...
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Große Leuchten (Sonnen) brennen schnell und sehr hell, aber meist nicht sehr lange (ein paar mio Jahre). Zum Glück bin ich nur ein kleines Licht
Geändert von klugscheisser (16.09.2010 um 06:25 Uhr)
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