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Zitat von stefan.s
...Eigentlich komisch, aber nur auf den ersten Blick, nicht wahr? ...
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Ist mir auch recht frühzeitig aufgefallen, Stefan. Das Argument der 'Besitzstandswahrung' hatte ich von Dir daher schon früher erwartet - was kein Angriff und noch nicht mal Kritik sein soll, denn eins ist klar: Eigentlich wollen die meisten Menschen einfach nur 'in Frieden leben' - 'n sicherer Job, 'ne gesunde Familie, 'n Einkommen, mit dem man auch mal ins Kino gehen kann oder mit der Family zu Mäckes, am Abend noch ein, zwei Bierchen vor der Flimmerkiste oder an der Playstation, am Wochenende Fußball schauen (zu Hause oder im Stadion) oder Eiskunstlauf-WM oder Dart...ein halbwegs fluffiges Auto und einmal pro Jahr in Urlaub, ob an die See oder in die Berge oder nach Malle. Für jeden Geschmack ist ja was dabei...
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Zitat von stefan.s
...Ist nämlich scheiße, wenn es einem ans Leder, oder, weit vorher, ans Portemonnaie, gehen soll, ...
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Das Portemonnaie ist ja meistens auch aus Leder...
Aber Du hast natürlich recht! Solange es der Masse im entsprechenden Rahmen 'gut geht' bzw. dies von der Masse noch 'mit Abstrichen' so bezeichnet wird, 'funktioniert' ein System. Weil es genügend Menschen gibt, die sagen "Okay, war zwar schon mal besser, aber sooo schlimm isses ja auch nich'."
Dass der Prozess des 'Ans-Leder-Gehen' schleichend fortschreitet, fällt der Masse dann über einen langen Zeitraum gar nicht so recht auf. Das erinnert an das Beispiel mit dem Frosch, der in einen Topf mit kaltem Wasser gesetzt wird, welches man langsam zum Kochen bringt...der Bursche bekommt angeblich gar nicht mit, dass er irgendwann tot ist. Dass das Beispiel so nicht stimmt (der Frosch fängt nämlich sehr wohl an, irgendwann mehr und mehr zu paddeln, bis er an Hitzestress stirbt), sei nur am Rande erwähnt. Denn das Ergebnis bleibt das Gleiche - der Frosch ist gar. Wer sich dann noch drüber freut, wird wohl Liebhaber der 'Haute Cuisine' sein, die ja bekanntlich nicht die billigste ist...womit der Vergleich schon skurrile Züge annimmt...
Ich bin allerdings im Moment ziemlich ratlos, wie man jetzt gegensteuern kann, damit die Gefahr des Ausblutens ganzer Gesellschaftsteile auf Dauer verhindert werden kann. So ein, zwei kleine Ansätze habe ich ja weiter oben geschildert. Die werden aber bei Weitem nicht ausreichen, diese Gesellschaft innerhalb einer absehbaren Spanne zu einem 'friedlichen Hort des Miteinanders und des Wohlstands' zu formen, in dem alle vor Glück heulen, dass es ihnen so gut geht.
Vor einigen Wochen hatte ich ja mal vorgerechnet, dass der reale Lohnverlust der 'unteren 10%' ja nur etwa 0,69 Prozent des Lohnzuwachses der 'oberen 10%' entspricht. Vielleicht sollte man da den Hebel ansetzen. Freiwillig sind 'die Reichen' in Deutschland ja offensichtlich nicht bereit, einen Teil ihrer Kohle abzugeben. Die Beispiele aus den USA werden ja eher kommentiert mit
"Wieso soll ICH? Wenn alle dazu bereit sind, dann würde ich vielleicht darüber nachdenken, aber so..."
Also erscheint mir eine höhere Besteuerung von hohen Einkommen durchaus gangbar - zumal eine solche "im moderaten Rahmen" von vielen Besserverdienern als "völlig in Ordnung" betrachtet wird. Die wollen nur nicht, dass ihnen gleich alles oder ein 'Riesenbatzen' weggenommen wird. Was ich auch verstehen kann, ohne dass ich auch nur im Entferntesten in solchen Steuerklassen anzutreffen wäre...