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Zitat von Carstens_Brüderchen
Damit sind wir dann wieder bei der Frage, ob Du hier in diesem, unserem Staate 'blutrünstige Diktatoren' an der Macht siehst und - wenn ja - bei wem Du konkret ein 'Abschlachten' oder 'Wegbomben' als 'dringend erforderlich', zumindest aber als 'legitim' angeraten siehst ...?
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Wir sollten doch wohl über den tellerrand schauen, sowohl geographisch als auch zeitlich. Mir ging es um die grundsätzliche Frage ob Gewalt gegen ein bestehendes System immer abzulehnen ist.
Dahinter steht nicht, dass ich aktuell gerne losschlagen möchte und auf die Freigabe warte, sondern der Versuch, klar zu machen, dass unterschiedliche Beurteilungen des Systems bei uns auch unterschiedliche Sichtweisen hinsichtlich Notwendigkeit von Widerstand und / oder Gewalt verursachen. Für manche ist halt die Grenze des Erträglichen überschritten, wenn andere, vor allem wegen gänzlich anderer Lebensumstände, sich gerade richtig wohlfühlen.
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Zitat von Carstens_Brüderchen
Was für mich Terror bedeutet, habe ich schon in meinem ersten Beitrag zum Thema ziemlich klar formuliert. Und ich denke, dass ich meine Betrachtung zum Begriff im Zuge weiterer Stellungnahmen noch weiter konkretisiert habe.
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Nein, Du weichst aus.
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Zitat von Carstens_Brüderchen
Das will ich aber gar nicht, sondern frage mal umgekehrt, wer denn die RAF jemals 'richtig' darzustellen in der Lage war oder ist...?
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Da hast Du sicher Recht, zumal es sich um keine homogene Gruppe handelte, sondern um eine Gruppierung mit hoher Fluktuation und sehr unterschiedlichen Charakteren.
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Zitat von Carstens_Brüderchen
Ich bin mir ziemlich sicher, dass es das wohl hatte. Vielleicht nicht 'nur', wohl aber 'auch'.
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Sebstjustiz im Sinne von Handeln gegen so empfundene Ungerechtigkeit ja, im Sinne von Bestrafung der Nazi-Verbrecher aber sicher nicht. Nazis in Amt und Würden befeuerte zwar das Ganze, letztlich ging es aber nicht um diese "Persönlichkeiten".
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Zitat von Carstens_Brüderchen
Und dieses 'ganze' System, den Vietnamkrieg und den Imperialismus bekommt man in den Griff, indem man einen Generalbundesanwalt, ein paar Banker, einen Arbeitgeberpräsidenten und noch ein paar Menschen nebst 'Kollateralschäden' tötet...?
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Zumindest war dies die Hoffnung. Ziel war es, durch solche Taten eine Bewegung zu entfachen. Genauso könntest Du fragen, ob man nur dadurch, dass man sich Montags auf einem großen Platz trifft einen Staat in Schwierigkeiten bringen kann. Die geschichte hat gezeigt, dass man da schon was bewegen kann.
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Zitat von Carstens_Brüderchen
Am Rande: Mal überlegt, ob die hohen Gehälter der Banker und Manager auch sowas wie 'n 'Risikozuschlag' sein könnten, weil die gerne im Fadenkreuz von Terroristen stehen...?
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Dann müssten nach der Selbstauflösung der RAF diese Zuschläge ja eigentlich wieder wegfallen, oder ?
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Zitat von Carstens_Brüderchen
Glaubst Du ernsthaft, dass Du diese Systeme durch Terrorismus in die Knie zwingen könntest...?
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Du scheinst mir eher ziemlich aufgewühlt mit einer Mischung aus Hilflosigkeit 'dem System' gegenüber und einer ideologisch geprägten Ursachensuche, die m.E. mehr von Wut als von Vernunft getrieben ist.
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Du bist offensichtlich nicht in der Lage zwischen einer Person und einer Ansicht zu unterscheiden. Wenn ich schreibe, dass ich dieses oder jenes nachvollziehen kann, heißt das noch nicht, dass ich die gleichen Konsequenzen daraus ziehen würde.
Ich habe Verständnis für die Wut, die viele aufgrund ihrer Lebenssituation haben und ich habe Verständnis dafür, dass manche aufgrund der tatsächlichen Hilflosigkeit, mit der sie der Willkür anderer ausgesetzt sind nicht zurecht kommen und versuchen, sich dagegen zu wehren.
Du solltest nur Empathie nicht mit innerer Einstellung verwechseln.
Du solltest Dich von der Vorstellung trennen, dass ich direkt Betroffener sei.
Ja auch ich habe manchmal gewaltige Wut auf solche Schweine wie der von Abwehrtitan genannte Sack und solche Beiträge von ihm sprechen mir aus der Seele, aber auch bei mir funktioniert diese von Kindheit an gelernte Perversion des Verdrängens ganz hervorragend. Auch ich lasse dieses ganze Elend und diese ganze Scheisse der Menschheit, die ich sehe, wenn ich darüber nachdenke im normalen Leben nicht an mich heran. Dieses Wissen in Verbindung mit einem stark ausgeprägten Realismus sorgt dann dafür, dass ich auf dem teppich bleibe und nicht versuche die welt zu verbessern. Nicht, weil es nicht nötig wäre, sondern weil ich weiß, dass es mir nicht möglich ist. Das Einzige, was ich tun kann, ist mich so zu verhalten, dass ich dem Ganzen Dreck nicht noch Vorschub leiste und versuche andere für bestehende Probleme zu sensibilisieren, die dieses zumeist bekannt aber eben auch oft egal sind.