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Alt 25.07.2003, 15:27
User 1878 User 1878 ist offline
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Dann probier ichs einfach nochmal mit dem eigentlichen Thema:

Eine wesentliche Problematik bei der Verpflichtung von Ausländern (abgesehen von den wirklichen TT-Profis im absoluten Spitzenbereich) scheint mir zu sein, dass zum einen aufgrund wirtschaftlicher Not Möglichkeiten gegeben sind, hochklassige TT-Spieler für im Regelfall deutlich niedrigeres Salär zu verpflichten als ähnlich reputiertes deutsches Personal kostete.
Dies macht den "TT-Legionär" zunächst einmal grundsätzlich erpressbar aufgrund der Tatsache, dass es oft genug andere z.B. (Ost-) europäer gibt, die ihren persönlichen Preis noch niedriger ansetzen.
Meiner Einschätzung nach ist durch den Zusammenbruch des Ostblocks hier ein Markt entstanden bei dem das Angebot (Spieler) größer ist als die Nachfrage (Vereine). Hinzu kommt hier noch die sportbezogene Ausländerregelung, die die Nachfragesituation zusätzlich abflauen läßt.
Nach meinem Verständnis von Marktwirtschaft drückt dies in der Folge unweigerlich den Preis.
Verführe man mit Ausländern gleich wie mit deutschen Spielern, bekämen sie für gleiche Arbeitsqualität (Punktspielergebnis) gleiche Entlohnung. Bekanntermaßen ist dies aber häufig nicht der Fall.
Oft genug wird dann über die höhere Wertigkeit des Euro in den Herkunftsländern fabuliert, die es einem Tschechen eben ermögliche, auch mit 5-6 Tausend € einen vergleichbar hohen Lebensstandard zu führen. Mag durchaus richtig sein, fair ist diese Behandlung dem Grunde nach m.E. nicht.

Das zweite Problem sehe ich in dem unwidersprechbaren Reiz, den ein Angebot im Westen für eine 25jährige Nr. 80 der tschechischen Rangliste bietet:
Vermutlich wird er über 10-15 Jahre einen hohen Lebensstandard in seinem Heimatland genießen können, u.U. ein höheres Einkommen erzielen, als ein leitender Mitarbeiter eines Wirtschaftsunternehmens mit abgeschlossenem Universitätsstudium (s. polnische Erntehelfer in Spargelfeldern der norddeutschen Tiefebene). Aber im Unterschied zu den Erntehelfern, die außerhalb ihres Jahresurlaubes eingebunden sind in Arbeitszusammenhänge in ihrem Heimatland, spielt unser TT-Spieler vielleicht bis er denn die 40 erreicht hat nunmehr wirklich nur noch TT.
Hier liegt m.E. die riesengroße Gefahr:
Jungen Menschen, tw. gerade am Ende der Adoleszenz, wird suggeriert, dass ihre unwidersprochenen sportlichen Fähigkeiten ausreichten, damit dauerhaft ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Sie begeben sich damit in eine unglaublich große Abhängigkeit zu ihren westeuropäischen Arbeitgebern.
Nur: Was passiert bei einer Verletzung, Krankheit, Leistungstief...?
Seinen Lebensplan auf so dünnem Eis zu bauen kann nach meinem Empfinden dauerhaft nur in den seltensten Fällen gutgehen.

Dieser Verantwortung muß man sich stellen, wenn man als Verein so verfährt und unterklassig Legionäre verpflichtet. Gerade, wenn wie so oft, die Spieler wirklich nur zu den Spielen anreisen, gibt es nun kaum Möglichkeiten, auf die Gefahren hinzuweisen.

"Menschenhandel" ist das nicht, aber deutsche Vereine befördern m.E. hier eine Entwicklung, die für die Betroffenen kurzfristig vorteilhaft scheinen mag aber in der späteren Lebensretrospektive des "Legionärs" leicht unter "vertane Zeit - verpasste Chance" subsumiert werden kann.

Vielleicht ist das ja mal ein neuer Diskussionsansatz. Zumindest habe ich mich um Themenzentrierung bemüht.

@Alle:
Ich weiß 100%, dass zumindest Peter I. hier ganz klar auf meiner Wellenlänge funkt und der Vorwurf des Rechtsextremismus an seine Adresse ist wirklich nur absurd. Auch die Postings von MagicBackhand kann ich keinesfalls in diese Ecke packen.
Wie Felix schon ausgeführt hat, muß es doch mittlerweile möglich sein, auch Ausländern Fehler zuschreiben zu können (persönlich, nicht als gesamte Gruppe), ohne hier in eine üble Ecke gestellt zu werden.
Ein Beispiel:
Ich selbst habe 1,5 Jahre lang in einer JVA gearbeitet und dort Ausländeranteile von bis zu 80% erlebt. Das ist ein schlichter Fakt. Ich erläutere jetzt gleich warum das m.E. so ist, aber grundsätzlich muß doch ein solcher Satz möglich sein, ohne dahinter gleich eine politische Wertung zu vermuten.
Hier die Erläuterung: In Knästen sitzen so unverhältnismäßig viele Ausländer, weil viele eben genau deshalb den Weg in den Westen suchen, weil sie schon im Herkunftsland aus verschiedensten Gründen die waren, die (z.B. aufgrund von mangelhafter Bildung, kein erlernter Beruf) diejenigen ohne Chancen waren.

Soviel zunächst.

Gruß Tom
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