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Alt 24.10.2010, 17:52
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Carstens_Brüderchen Carstens_Brüderchen ist offline
Isch hol glei mein Bruda!
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Zitat:
Zitat von Abwehrtitan Beitrag anzeigen
...Olaf, Du bist doch so ein richtig Schlauer, bitte klär mich auf, weshalb ist es der Allianz AG gestattet, Verluste die sie im Ausland hatte, ins Inland zu übertragen. Wo dann eigentlich anständig Steuern abzuführen wären, rechnet man sich bei dicken Gewinnen ins Minus, sauber !!! Wer also hat dem Michel sein Geld in jenem Falle ...
Nur die mit den Ferraris und den Yachten, Wolle.

Nein, so schlau bin ich übrigens nicht, Wolfgang. Mir entgeht auch die Logik, weshalb eine schwedische Möbelhauskette ähnliche Machenschaften durchziehen darf - reichlich Steuererlass bei Ansiedlung neuer Filialen in den betreffenden Städten, ordentliche Seilschaften, die sowohl Minimallöhne erlauben als auch die Umleitung der kompletten Gewinne (ohne Steuerzahlung!) auf seltsame Konten im Ausland, wobei sich der Eigentümer noch als großer Mäzen der Menschheit aufspielen darf...

Aber die Deutschen sind halt doof genug, täglich in gewaltigen Rudeln ihren Tand von solchen Betrügern zu kaufen. Machen kann da jeder was - ist irgendwie vergleichbar mit den Ökostromtarifen...aber das ist noch 'ne andere Baustelle...

Mein Beitrag bezog sich auf den einen Passus aus Lucius' Beitrag. Den habe ich einfach mal gedanklich volley genommen, weil hier ja schon mal ganz gerne sehr verkürzt (damit meine ich nicht Dich!) argumentiert wird, was die Logik der gesellschaftlichen Misere anbelangt. "Ferrari kann man nicht seriös erwirtschaftet haben - da haben Andere für geblutet und da wurden sie zu gezwungen - wer 'nen dickeren Karren fährt als 'ne Ente oder 'nen Käfer, MUSS ein Ausbeuter sein, der vom Proletariat geköpft gehört - dann geht's 'uns' besser" - dann kommen wieder fünf Mann aus dem betreffenden Lager und sagen:

"Genau"
"Stimmt"
"Der hat recht"
"Sehe ich auch so"
"Wollte ich auch gerade sagen"

Und schon hat man jeweils eindeutig dargelegt, dass man zu den unterjochten 'Guten' gehört. Das ist mir gerade mal wieder bei den Reaktionen der letzten Tage auf Lucius' Beiträge aufgefallen. Unreflektiertes Gestichel mit kollektiver Diskreditierung durch die 'alten Bekannten'...

Deswegen habe ich mal das Szenario der Enteignung mit anschließender Umverteilung der Güter beleuchtet, wie sich so einige Herrschaften das für diese Gesellschaft offensichtlich wünschen. Und bin dann zu dem Schluss gekommen, dass es wohl mit den Ferraris so laufen würde, wie dereinst nach dem Sturz des Zaren in Russland - da liefen dann die Säue der Bauern durch die ehemaligen Ballsäle, bis die 'hochherrschaftlichen' Statussymbole in kürzester Zeit zum sprichwörtlichen Saustall verkommen waren. Damit rede ich nicht dem Zarentum das Wort, äußere aber meine Zweifel, dass der übereignete Ferrari von Diddaa Bohlen beim 'Langzeitarbeitslosen von nebenan' in besseren Händen sei. Das Teil taugt nach zwei Jahren wohl nur noch als Regentonne...

Klar, dass die Gesellschaft in der Reduzierung auf's 'Wesentliche' keine Ferraris und keine Yachten zum Überleben braucht. Über diesen Punkt der Reduzierung auf's Wesentliche ist die Gesellschaft in Deutschland und anderen Teilen der Welt allerdings schon lange hinaus. Diese Gesellschaft lässt sich jedenfalls mit keiner Revolution der Welt innerhalb von zwei Jahren (auch nicht in zwanzig oder fünfzig) zu dem Idealbild formen, das die betreffenden Revoluzzer vor Augen haben, wenn sie vom Aufstand gegen den Imperialismus und gegen die Ausbeutung sprechen. Daher halte ich dieses Geschwafel für genau so wirklichkeitsfremd wie das von der Übereignung der Ferraris, Villen und Yachten, mit der eben auch nichts erreicht wird. Der Wohlstand der Gesellschaft ist in meinen Augen auch zu einem Großteil dem größeren Wohlstand Einzelner geschuldet.

Leider auch dem reduzierten Wohlstand Anderer, zugegeben. Um das sinnvoll zu ändern, erachte ich aber die rigorose Gleichmacherei von Oben nach Unten als nicht praktikabel. Der Bauer wird halt nicht zum Zaren, nur weil die Sau plötzlich aus der goldenen Badewanne fressen darf. Stichwort 'Fördern und Fordern'...
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"Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen." George Orwell (1903-50), eigtl. Eric Arthur Blair, engl. Schriftsteller.
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