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AW: Die Mathematik hinter der 50 Punkte Regel
Die Joola Tischtennis Rangliste ist ein System das ein Rating aller Spieler ermöglicht, deren Daten von Click-TT erfasst werden. Erst das Filtern und Sortieren der Ratings nach bestimmten Kriterien (wie der Vereinszugehörigkeit, und dem Prinzip "Top to Bottom") erstellt ein Ranking. Rating bedeutet Bewertung oder Einstufung, Ranking bedeutet Rangordnung.
Es ist völlig korrekt zwei Ratings direkt miteinander zu vergleichen, wobei das höhere Rating als 100% definiert wird. Das resultierende prozentuale Ergebnis skaliert mit der Höhe der zugrundeliegenden Werte. So ist ein Spieler mit 150 Punkten um 50% besser bewertet als ein Spieler mit 100 Punkten. Ein Spieler mit 1.050 Punkten ist allerdings nur um 5% besser bewertet als ein Spieler mit 1.000 Punkten.
Die Darstellung an sich ist korrekt, jeder Diskussion darüber verweigere ich mich und unterstelle demjenigen der die Darstellung in Frage stellt ungenügende intellektuelle Fähigkeiten. Die Aussagekraft der Darstellung hingegen ist etwas, worüber sich trefflich streiten lässt.
Wenn Mann in die Betrachtung mit einbezieht wie Ratingpunkte erzielt werden, dann wird klar das eine Differenz von 50 Punkten auf jedem Gesamtpunkteniveau denselben (vom System angenommenen) Schwierigkeitsgrad bedeuten. Um 11 Punkte in einem Match zu erzielen, muss Mann ein Match gewinnen indem die eigene (vom System angenommene) Gewinnwahrscheinlichkeit lediglich 32% beträgt.
Nun ergeben sich zwei Ergebnisse dieser Analyse:
1. Unabhängig von seiner Gesamtpunktzahl hat ein um 50 Punkte niedriger bewerteter Spieler in einem Match gegen den höher bewerteten Spieler immer lediglich eine (vom System angenommene) Gewinnwahrscheinlichkeit von 32%.
2. Ein Unterschied von 50 Punkten skaliert, wenn er prozentual bemessen werden soll, mit der Gesamtpunkzahl der Spieler.
An der Stelle wird die Diskussion erst richtig interessant, stellt sich doch die Frage wie korrekt die "vom System angenommene" Gewinnwahrscheinlichkeit in der Realität tatsächlich ist. In einem Match zweier Spieler mit einer Gesamtpunktzahl von 100 bzw. 150 Punkten bedeutet ein prozentualer Spielstärkeunterschied von 50% einen Unterschied in der Gewinnwahrscheinlichkeit von 18%. In einem Match zweier Spieler mit 2.000 bzw. 2050 Punkten bedeutet ein prozentualer Spielstärkeunterschied von lediglich 2,5% denselben Unterschied in der Gewinnwahrscheinlichkeit, also 18%.
Ist das ein Wiederspruch in sich?
Nein!
Es ist vielmehr eine Art mathematischer Beweis für eine Bauernregel des Sportes, die da sagt, "Auf hohem Niveau entscheiden Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage". Angenommen der favorisierte Spieler spielt jeden Ball im gesamten Match tatsächlich mit 2,5% mehr Können, 2,5% mehr Qualität, und 2,5% mehr Glück des Tüchtigen, dann ist das in der Gesamtheit eben ein Unterschied die ihn befähigt seiner Favoritenrolle gerecht zu werden. Auf niedrigem Niveau ist es dagegen fraglich ob ein Spieler tatsächlich in der Lage ist alles um 10, 20, oder sogar 50% besser umzusetzen, und so sind auf niedrigem Niveau auch größere Abweichungen vom erwarteten Ergebnis häufiger möglich.
Im Klartext, je besser jemand ist, umso vorhersehbarer sind seine Ergebnisse.
Schauen wir uns einmal Timo Boll (2.703) und Bastian Steger (2.535) näher an. Timo ist lediglich etwa 6,6% besser als Bastian bewertet. Das System gibt Bastian aber nur eine 7% Gewinnchance. Obwohl Bastian also gegen Timo also nur eine sehr kleine Gewinnchance hat, sind beide trotzdem -im Bezug auf ihr gesamtes Können!- fast auf demselben Niveau. Wenn man mal einen kleinen Realitätscheck macht, deckt sich das mit der Beobachtung dass wir über zwei Nationalspieler reden.
Die prozentuale Darstellung eignet sich also tatsächlich viel eher für einen Vergleich der Gesamtspielstärke, da die Gewinnwahrscheinlichkeit im direkten Vergleich zweier Mannschaftskollegen nicht besonders relevant ist. In der Liga werden die beiden nicht gegeneinander antreten, und die Gewinnwahrscheinlichkeit eines konkreten Matchups der beiden entspricht mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht der eines hypothetischen Matchups gegen einen beliebigen Spieler mit entsprechender Punktedifferenz. (Es steht zu vermuten dass Bastian im direkten Vergleich mit Timo deutlich besser abschneidet als die vom System angenommenen 7%)
Die 50 Punkte Regel ist nun also de Facto eine 5% Regel auf relativ niedrigem (1.000 Punkte), und eine 2,5% Regel auf relativ hohem Niveau (2.000 Punkte). Und genau das ist sehr gut so. Denn damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass die Vorhersehbarkeit der Ergebnisse mit dem Niveau der Spieler steigt.
Es ist also wie mit fast allen Zahlen. Sie müssen richtig interpretiert werden.
Abschließend möchte ich nochmal zusammenfassen weshalb ich die 50 Punkte Regel für sehr gelungen halte:
-> 50 ist eine "griffige" Zahl.
-> 50 Punkte skalieren mit dem Niveau der Spieler, die Regel ist umso strenger, je höher das Niveau der Spieler ist.
-> Je niedriger das spielerische Niveau, desto weniger vorhersehbar sind die Ergebnisse, umso größer ist die Notwendigkeit einer Toleranz, und umso größer ist die Toleranz mit der 50 Punkte Regel auch tatsächlich.
-> 50 Punkte bedeuten im Bezug auf den direkten Vergleich zweier Spieler das ein Spieler leicht favorisiert, beinahe schon favorisiert aber definitiv nicht stark favorisiert oder völlig überlegen ist.
-> Die Regel ist transparent und nachvollziehbar.
-> Die Regel gilt für alle Mannschaften und Vereine gleich und es gibt weniger Ermessensentscheidungen die entsprechend hinterfragt werden.
Als allerletztes muss ich meine Kritik am Bayrischen Tischtennisverband zurücknehmen. Es war definitiv richtig die Basis nicht an den Entscheidungen zu beteiligen, denn die Diskussionen hier im Forum zeigen das das Resultat totaler Stillstand wäre. Allerdings müsste der BTTV dringend einen Community Manager anstellen der als Ansprechpartner für die Spieler agiert und verschiedene Dinge aufbereitet und kommuniziert.
Geändert von Krulemuck (29.11.2010 um 17:28 Uhr)
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