Zunächst was Grundlegendes:
Es gibt Tendenzen (auf denen auch die von fozzi zitierten Aussagen basieren) immer früher mit der Sichtung und Förderung im Tischtennis zu beginnen. Das ist auch richtig, allerdings nur deshalb weil die wenigsten Kinder eine ausreichende "Basis" außerhalb der jeweiligen Sportart bekommen. Ein Kind, daß eine umfangreiche Körper- und Bewegungserfahrung (Koordinationsschulung) hat (rumtoben !!!) kann auch nocht mit 10 in den Spitzensport einsteigen, aber leider ist dies die große Ausnahme und auf Grund der oft gebotenen Rahmenbedingungen auch kaum realisierbar. Daher ist der frühere Einstieg nötig und dann auch richtig.
Zu Deinen Fragen:
Definiere Leistungstraining. Das was Du Dir gerade vorstellst ist nicht das, was nötig ist (vermute ich).
Zitat:
|
Andererseits mutet man so einem kleinen Wurm schon eine ganze Menge zu.
|
Nein!
Zitat:
|
Alternative 1) Das Kind betreibt einen Sport, der ihm Spaß macht. Er spielt in einem Verein, in dem das Menschliche im Vordergrund steht. Leistungsdenken spielt bei den Kids (3-5) und Eltern keine Rolle, alle werden gleich behandelt.
|
Habe ich bisher im Tischtennis noch
NIE erlebt, daß ein derartiger Verein langfristig eine wirklich erfolgreiche (viele Kinder) Nachwuchsarbeit gemacht hat, weil
"Leistungsdenken spielt bei den Kids"
das ist völlig widernatürlich und von außen aufoktruiert. Kinder wollen lernen, wollen besser werden. Das liegt in der Natur des Kindes. Die Motivation (bzw. der weit überwiegende Teil) der Kinder kommt aus dem "Lernerfolg" nicht aus dem Spaß. Spaß entsteht durch Erfolg, Erfolg erreicht man durch Leistung und Leistung erzielt man durch gutes Training (das heisst ja nicht, das es militärischer Drill ist).
Zitat:
|
Alternative 2) Das Kind bekommt von Anfang an einen Trainingsstiel beigebracht, der auf Schweiß und Gehorsam aufgebaut ist. Das Kind bekommt dabei von Anfang sowohl Technik als auch gezieltes Training beigebracht. Von Anfang an wird vermittelt, dass vor dem Erfolg der Schweiß steht.
|
Genau hier liegt Dein Denkfehler. Das ist nicht die Alternative (außer in China).
Die Alternative heisst ein leistungsorientiertes Training, bei dem sehr wohl auch Schweiß fliesst (und auch das gefällt den Kindern), in dem auch eine gewisse Disziplin nötig ist (auch das gefällt den Kindern, sie wollen eine "Leitlinie" an der sie sich orientieren können), in dem die Kinder von Anfang zielgerichtet trainieren (das heisst nicht zwangsläufig Technik, und auch das wollen die Kinder, weil sie
merken wollen, dass sie etwas lernen), in dem sie eine klare Struktur im Training kennen lernen (auch das finden die Kinder gut => Leitlinie).
Zitat:
|
obwohl die genannten Attribute Schweiß, Arbeit und Leistung sich eigentlich Kinderunwürdig anhören
|
warum? Kinder arbeiten wie die Wilden um zu lernen (Sprache, Laufen, usw.), sie bringen große Leistungen mit viel Freude. Mit Kinderunwürdig haben diese Worte nichts zu tun. Nur in
unserer Gesellschaft sind sie leider negativ belegt.
Zitat:
|
Aber ist es Kinderunwürdig, wenn die Kleinen dabei Spaß mit Erfolg kombinieren??
|
Jetzt hast Du es!
Viele Grüße
Joachim
Trainer (schon lange), Vater (3 Kinder, davon 2 die derzeit in der HTTV-Sichtung sind), früher Fußballspieler bei einem leistungsorientierten Nachwuchsverein (mit 6-10 Jahren)