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Alt 15.08.2003, 12:32
Büffelschnitt Büffelschnitt ist offline
Noppenkillerkiller :)
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Büffelschnitt ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
Ich habe Mitte der 70er Jahre angefangen, im Verein zu spielen. Davor haben meine Brüder und ich schon recht lange bei uns im Keller mit blauen Brettchen gespielt.
Nach ersten Versuchen mit normalen, glatten Kaufhaus-Billig-Schlägern, war der erste halbwegs vernünftige Schläger ein Komplettschläger der Marke Joola mit zwei GX75-Belägen in rot.

Und etwas später war es dann soweit: der erste "individuell" zusammengestellte Schläger aus dem Katalog.
Mein Bruder und ich pilgerten kurz vor Weihnachten zu einer feierlichen Aussuch-Und-Bestell-Zeremonie zu unserem Schülertrainer.
Heraus kam dabei DER Standard "Übergangsschläger" in unserem Verein:
Holz: Banda 2010
Beläge: Joola Turbo Super, in orange und SELBSTVERSTÄNDLICH in 1,5 mm auf beiden Seiten.

Später kamen dann so ausgefallene Beläge wie der Sriver auf das Bandaholz, das übrigens auch bei uns immer am Griff abbrach.

Auch den Stratos spielte ich recht lange, in 1,5 erst auf der Vorhand und dann noch viel länger auf der Rückhand. Damit konnte man beim Schupfen einen herrlichen Unterschnitt hinzaubern.

Dann sah ich auf einem Turnier einen Spieler, der auf der VH den grünen Clipper spielte und auf der RH den rotbraunen Friendship. Von dieser Farbkombi war ich so angetan, dass ich mir zumindest den Friendship zulegte, der mir bis zur Einführung des 40er Balls stets ein treuer Begleiter war.
Selbstverständlich wurden zwischendurch immer mal wieder andere Sachen probiert:

- die gelben Beläge "Tornado" und "Joola Natur" auf nem Angriffsholz. (dieser Schläger fiel durch die gewöhnungsbedürftigen Farben und meine 8 m hinter die Platte gehauenen Schläge auf)

- Nittaku Milford, Gewo Sarajewo (kennt den noch jemand?), Banda Ladro und Quattro, Schöler&Micke "Delta Stick", Super Sriver.

- Backhand und Sriver Killer hab ich nie selbst gespielt, waren aber sehr interessante Störbeläge damals.

- Die ganz gewieften Abwehrspieler klebten ihre Noppen so auf, dass man den Namen des Belages nicht lesen konnte. Das fand ich unheimlich clever, zumal doch alle den Feint spielten... *grins*


Außer den Belägen und Hölzern gibt es aber auch noch andere seelige Materialerinnerungen:

- die richtig guten Bälle hatten damals noch einen roten Stempel und kosteten weniger als eine Mark pro Ball. Gelbe Bälle waren als Eier verpönt. Schildkrötbälle waren bei uns angesagt. Die einzige Alternative waren lange nur die Joolabälle.

- der Auf- und Abbau der guten, alten Joola 2000 S Tische war für uns Kinder unser erstes Kraftraining

- meine allererste Schlägerhülle benutze ich heute noch. Auf der Innenseite hat meine Mutter mit rotem Filzstift meinen Namen geschrieben. Kann man heute noch super lesen...

- Kleber: Der HAMMER-Kleber war von Butterfly (Fair chack?), den gab es auch in der großen Tube.
Ganz, ganz schlimm war ein roter Kleber, von dem ich die Marke nicht mehr weiß. Der war sowas von wüst, da hätte man die Beläge auch aufs Holz hämmern können. Man brauchte Stunden um die dicken Klebereste vom Holz zu entfernen. Genauso lange dauerte es die Beläge vom Holz zu ziehen, ohne Nagellackentferner lief da überhaupt nichts. Und selbst dann war es eine Herausforderung, den Belag in einem Stück vom Holz zu kriegen.
Als 15-jähriger war ich übrigens der Einzige im ganzen Dorfverein, der sich traute, seinen Schläger selbst zu belegen. Der anfängliche Segen wurde irgendwann zum Fluch, weil ich zum Kleber vom Dienst wurde...;-)
Zudem wusste ich damals noch nicht, wie einfach man mit einer Schere Beläge schneiden kann. Ich hantierte immer mit Rasierklingen (autsch).

- Abschließendes Schmankerl:
Für kurze Zeit wurde mein Heimatverein von einem neuen Vorstand beglückt. Dieser beschloss irgendwann die Anschaffung von Roll-o-mat Platten. Leider hatte er dabei nicht bedacht, dass samtliche Türen (auch die des Geräteraums!) in alten Schulturnhallen nicht hoch genug sind....
Ich bin mir nicht sicher, ob diese Plattenleichen nicht noch irgendwo als Mahnmal für unüberlegte Anschaffungen in einer dunklen Ecke rumliegen.




Nostalgische Grüße, Uli
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Auer und Hude. Mehr braucht es eigentlich nicht im Leben eines TT-Spielers.
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