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Alt 04.01.2011, 11:22
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Hallo Abwehrtitan,

Zitat:
Zitat von Abwehrtitan Beitrag anzeigen
Nun, da sind die Ärzte wohl einen Schritt weiter als Du, sie sehen auch die jeweiligen Erkrankungen die Du als Laie weder erkennen kannst, als Ignorant auch nicht akzeptierst als solche.
Das ist ein Stück weit richtig, solange wir über leichtere Erkrankungen reden, die von Leuten wie mir gerne mal ignoriert werden. Aber bei den leichteren Erkrankungen besteht auch nicht unbedingt ein gesteigertes Interesse beim Arzt, den Patienten vor sich selbst zu schützen.

Zitat:
Zitat von Abwehrtitan Beitrag anzeigen
Denn die Arbeitswelt, und die kann ich nun auf jeden Fall ebenso gut beurteilen wie Du, hat sich verändert, der Druck hat, unter dem Deckmäntelchen der "Globalisierung" deutlich zugenommen. Papi ging früher in den Wirtschaftswunderzeiten um 7 zur Arbeit um 16 Uhr nach Hause, wenn er länger arbeiten mußte (durfte), wurde er mit Überstundenzuschlägen dafür ent(be)lohnt. Heute sind 10 - 12 Stunden Tage "normal" als wärs nie anders gewesen, Überstunden "selbstverständlich".
Ich war bis jetzt in 4 Firmen. Meine Frau war in 3 Firmen. Überstunden wurden nirgends vorausgesetzt. Im Gegenteil: Bei manchen Firmen musste man sich für die geleisteten Überstunden sogar rechtfertigen. Denn: Überstunden - sofern sie irgendwie vergütet werden - sind Verbindlichkeiten der Firma gegenüber der Mitarbeiter. Übrigens auch Urlaub. Und bei einer funktionierenden Arbeitnehmervertretung wird auch darauf geachtet, dass niemand im 6-Wochen-Schnitt mehr als 48 Stunden arbeitet.

Ich z.B. bin Führungskraft und arbeite ca. 40-42 Stunden pro Woche. Meine Frau ist auch Führungskraft und arbeitet auch nicht länger. Bei den Führungskräften, die ich kennengelernt habe, war das sehr typabhängig. Es gibt halt oft die Manager, die nicht delegieren können und meinen, alles selbst tun zu müssen. Wenn die dann mit ihren Stunden nicht klar kommen, ist das deren Problem. Ich habe noch keinen kennengelernt, der buckelt wie ein Pferd, weil er es muss. Die tun das alle Aufgrund persönlicher Defizite.

Aber ja, es gibt Firmen, in denen das, was Du über die komplette Arbeitswelt bügelst, zutrifft. Peugeot war ein prominentes Beispiel, bekannt geworden durch die Selbstmordwelle. Auch andere Firmen - bzw. deren verantwortlichen Chefs schinden ihre Mitarbeiter. Aber auch das ist personenabhängig und keineswegs deutschlandweite Kultur.

Zitat:
Zitat von Abwehrtitan Beitrag anzeigen
Früher waren die Arbeitskräfte knapp, wenn Papi sagte "Chef, ich bekomme ab nächsten Monat 200 Mark mehr sonst arbeite ich für den "X", dann war das so.
Das sag mal heute.
Das ist bedingt richtig. Aber hör Dich mal um. Überall wird von Fachkräftemangel gesprochen.

Zitat:
Zitat von Abwehrtitan Beitrag anzeigen
Viele Bürger sind diesen Verhältnissen nicht gewachsen, und werden "krank", halten das nicht aus, gut könnte man sagen sind Weicheier, Sache der Perspektive. Den Ärzten aber zu unterstellen sie wären notorische Krankschreiber, Peter, das ist schon dreist.
In dem Bildbeispiel wurden wahrscheinlich 300 Ärzte aufgesucht, und ein paar schwarze Schafe sollen nun repräsentativ sein für den ganzen Berufsstand ??? Nicht Dein Ernst ... kann da nur den Kopf schütteln, ob solcher Ignoranz.
Um diejenigen, die den neuen Verhältnissen nicht gewachsen sind, ging es bei dem BILD- Artikel gar nicht, sondern um diejenigen, die "mit Hilfe" der Ärzte blau machen. Wobei der BILD- Artikel natürlich unterste Schublade ist. Da wird den Ärzten die Schuld dafür in die Schuhe geschoben, dass die Leute blau machen. Aber dazu schrieb ich oben schon.

Zitat:
Zitat von Abwehrtitan Beitrag anzeigen
Übrigens, Dein Arzt wird vermutlich auf Dich als Rechungsadresse verzichten können, Kranke gibts zuhauf. Wir sind eben nicht die gesündeste Gesellschaft aller Zeiten. Die psychischen Erkrankungenb hatten nie einen solchen "Pegel" wie heute, alles auch wenn man will nachlesbar. Warum ist das wohl so ? Remember Robert Enke um stellvertretend für viele Leidende ein prominentes Beispiel zu setzen. Die "Leistungsgesellschaft" zerrüttet Familien, vernichtet ganze Existenzen. Darüber mal auch nachdenken, und nicht ganz so "blind" reindreschen.
Bei den psychischen Erkrankungen wäre ich vorsichtig. Die gab es auch früher schon. Was meinst Du wohl, wieviele traumatisierte Arbeitnehmer die Kriegsgeneration gestellt hat? Das, was sich verändert hat, ist das Bewusstsein dafür. Und die Akzeptanz. Burn Out ist als Begriff gar nicht so alt. Dabei ist Burn Out nix anderes als eine Depression, aber mit dem Beruf als anerkannter Auslöser. Heisst das, dass Burn Out eine neue Krankheit ist? Nein, die gab´s schon immer, sie hatte halt nur keinen Namen. Bore Out. Auch das gibt es. Kennen viele immer noch nicht. Aber auch diese Krankheit gibt es schon lange und es gibt viele, die daran erkrankt sind und trotzdem arbeiten gegangen sind. Jetzt werden sie ernst genommen, haben eine Möglichkeit, sich von dem Leiden zu befreien und nutzen sie hoffentlich auch.

Aber diese psychischen Erkrankungen sind auch beliebte Varianten, um blau zu machen. Der Arzt kann es nicht wirklich diagnostizieren und man wird direkt mal locker 2-4 Wochen krank geschrieben.

crycorner