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Alt 18.01.2011, 12:42
Krulemuck Krulemuck ist offline
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AW: Thesen von H.W. Gäb

Herr Gäb macht zwei große Fehler:

1.
Der erste Fehler, und damit ist er nicht allein, ist seine Einschätzung der Wichtigkeit der medialen Präsenz des Tischtennis Sports. (Ich unterstelle hier dass mit "Die Medien" beinahe ausschließlich "Das (öffentlich rechtliche) Fernsehen" gemeint ist.

Tischtennis muss sich von der Illusion trennen das es gut, wichtig, oder richtig für den Sport ist ins Fernsehen zu kommen. Das Fernsehen ist ein Massenmedium. Tischtennis begeistert aber keine Massen an Sportfans. Tischtennis als Zuschauersport begeistert noch nicht einmal Tischtennisfans! Ich kenne niemanden, der aktiv Tischtennis spielt, der die Ergebnisse der DTTL aktiv verfolgt.

Man muss sich hier endlich mit den Realitäten auseinandersetzen, und das tun was möglich ist, anstelle sich ständig über das, was nicht möglich ist zu beklagen! Tischtennis gehört auf nationaler Ebene, und auf Vereinsebene nicht ins Fernsehen. Das Interesse ist nicht groß genug. Punkt. Wichtig wäre es eine gewisse mediale Präsenz aller internationalen Ergebnisse deutscher Spieler zu erreichen, das bedeutet beispielsweise das die Pro- Tour Ergebnisse der deutschen Spieler zumindest in 30 Sekunden Sport aus Aller Welt Nachrichtenblöcken kurz auftauchen. Ausschließlich Weltmeisterschaften und Olympische Spiele gehören ins Fernsehen, idealerweise also genau ein Spitzenklasse- Ereignis pro Jahr. Dann aber live und in voller Länge! (Und bereits diese Ziele halte ich für ambitioniert, aber machbar!)

Noch wichtiger wäre es, die sogenannte "Basis", also alle Menschen die in irgendeiner Weise selbst regelmäßig Tischtennis spielen vom Spitzensport zu begeistern. Ich versuche das Problem einmal zu illustrieren: Es kann nicht sein, das an einem Abend, an dem Bayern in der Champions- League gegen Mailand Fußball spielt kein Spieler einer Bezirksliga- Tischtennis Mannschaft ins Training kommt, aber an einem Abend, an dem Deutschland gegen Frankreich ein Tischtennis- Europameisterschaftsspiel bestreitet alle diese Spieler im Training sind - und keiner weiß das ein Länderspiel (das auf Eurosport live und in voller Länge übertragen wurde) stattfindet!

Das Problem sind nicht "die Medien", das Problem sind "Wir" und "die da Oben". Die Da Oben müssen dafür sorgen das "Wir" uns für unsere Stars und unsere Topereignisse begeistern. Wenn das geschafft ist, können wir anfangen darüber nachzudenken Fans anderer Sportarten zu adressieren. Geht doch mal mit einem "Michael Ballack" Trikot im Verein Tischtennis spielen. Niemand wird sich daran stören. Dann macht dasselbe eine Woche Später mit einem "Timo Boll" Trikot. Niemand, aber absolut Niemand wird euch ansprechen "geiles Trikot, wo hast du das her, wo kann ich das kaufen?". Ihr werdet dafür 72 blöde Kommentare hören die in Etwa so lauten "meinst damit spielst du besser?" (Die Antwort ist übrigens Ja.)

2.
Der zweite Fehler ist die Vielzahl an Themen die Herr Gäb gleichzeitig anspricht. Von Materialspiel bis Mannschaftsspielsysteme bis zu Emotionen. Jedes dieser Themen ist diskussionswürdig, keines konsensfähig. Wenn man Fortschritte erzielen will muss man eine Politik der kleinen Schritte machen, denn ein großes Reformpaket führt nur dazu dass wirklich jeder irgendeinen Teil in diesem Paket findet, den er aus tiefster Überzeugung ablehnt. (z.B. Zeitspiel? Was für ein Spinner ist dieser Gäb eigentlich?). An der Stelle hören die Leute auf zu lesen! Sinnvoll wäre es erst die Dinge zu reformieren, die mit dem eigentlichen Spiel an sich nur indirekt zu tun haben, und nach jedem Schritt zu prüfen in wie weit sich die Voraussetzungen für weitere Reformen dadurch verändert haben.


Zum Thema Emotionen:

Das sind gleich zwei Themen, die Emotionen der Spieler am Tisch, und die Emotionen der Zuschauer. Da muss man einfach mal völlig offen und ohne Denkverbote diskutieren! Macht es Sinn einem Spieler zu erlauben seinen Schläger in die Ecke zu feuern? Es gibt gute Gründe das nicht zu erlauben, die ziemlich pragmatisch sind. Spontan fällt mir die Vorbildwirkung ein, es mag cool sein zu sehen wie Christian Süß bei einem Länderspiel aus tickt und seinen Schläger zertrümmert, ob es auch noch cool ist wenn zukünftige Kreisliga Tischtennis- Jungenmannschaften ähnlich viele Schläger verbrauchen wie Eishockeyspieler wage ich zu bezweifeln. Dann besteht auch eine gewisse Verletzungsgefahr. Ich denke also ein Ermessensspielraum für die Schiedsrichter wäre angebracht, denn ein Schlägerwurf der auf den Gegenspieler zielt ist doch nochmal etwas anderes als wenn das Sportgerät in die Bande geschleudert wird. Was die Emotionen bei den Zuschauern angeht, benötigen wir nichts anderes als eine Kulturrevolution. Es gehört in der Wettspielordnung verankert das bei absolut jedem Punkt, auch und besonders bei Auf- und Rückschlagfehlern, Netz und Kantenbällen und sogenannten einfachen Fehlern geklatscht werden darf, solange für einen der beteiligten Spieler geklatscht wird, und nicht gegen einen Spieler. Verbale Botschaften hingegen sollten bezüglich ihres Fair Play Faktors hinterfragt werden. ("Danke" nach einem Aufschlagfehler empfinde ich als unfair. "Tschooo!" oder Klatschen von der Bank dagegen überhaupt nicht, schon gar nicht bei engen Spielständen. Ob es bei 10:0 wirklich nötig ist, sei dahingestellt, chinesische Fans würden diese Frage zweifellos mit "Ja" beantworten...) Im Klartext ein Kantenball nach 27 Gegentopspins der dazu führt das das Klatschen für die Zuschauer verboten wird, ist ein absoluter Witz. Wenn aber jemand einen Fehler macht, und von der Bank kommt "Sauber! Der kann doch nix, der Trottel!" dann sollte das auch in der Kreisliga sanktioniert werden - mit Punktabzug für den Spieler.

Geändert von Krulemuck (18.01.2011 um 12:48 Uhr)
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