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Alt 28.01.2011, 00:45
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AW: Thesen von H.W. Gäb

Apropos "Aufschlag-Rückschlag"-Problematik, Herr Gäb meint folgendes:

Zitat:
Das Aufschlag-Debakel

Unabhängig von den gutgemeinten Regelmodifikationen der letzten Jahre ist der Aufschlag immer noch ein entscheidendes Element unseres Sports. Ein zerstörerisches Element.

Es ist ein Schlag, der auch bei Weltranglistenspielern zu primitiv aussehenden Fehlern führt. Die Fülle der vermeintlich leichten Fehler nach dem Aufschlag...

Er verhindert Ballwechsel. ...

In der interessanten Fachzeitschrift Tischtennis-Lehre lässt sich nachlesen, dass im Halbfinale der WM in Yokohama zwischen Ma Long und Wang Hao ein glattes Drittel aller Punkte nach nur zwei (!) Ballberührungen beendet war. ...

Nur wenn wir die Regel so ändern, dass der Aufschlag seine spielzerstörende Bedeutung verliert und mehr der Eröffnung des Spiels und der Ballwechsel dient, werden wir Tischtennis nach vorn bringen.
Nun, weil ich den hohen Funktionären erstmal kein Wort glaube, habe ich mir dieses Spiel Ma Long vs Wang Hao angeschaut, und in der Tat, es stimmt gar nicht mit dem "ein glattes Drittel aller Punkte nach nur zwei (!) Ballberührungen beendet war"

In dem gesamten Spiel gab es 103 Punkte, davon hat Eurosport 1 Punkt wegen Werbung abgeschnitten, also es gab 102 Punkte auf Video.

Von diesen 102 Punkten gab es 2 Ballberührungen oder nur 1 Ballberührung insgesamt in 21 Punkten. Ein Drittel von 102 ist 34. Ich bezweifle es, dass man so einfach ein Drittel und ein Fünftel verwechselt.

Dazu kommt noch, dass von diesen 21 Punkten 2 Fehlaufschläge waren und 3 Punkte hat der Rückschläger gewonnen, also haben diese 5 Punkte mit der "Aufschlag-Rückschlag"-Problematik nichts zu tun. Dann bleiben nur 16 relevante Ballwechsel. Dass sind 16% - sehr weit von einem Drittel entfernt.

Jetzt stellt sich die Frage: waren diese 16 Ballwechsel "Fülle der vermeintlich leichten Fehler nach dem Aufschlag"? Von wegen. Von diesen 16 waren 13 Angriffsschläge und nur 3(!) waren Schupffehler.

Es gab also nur 3 Schupffehler bei der Aufschlagannahme im gesamten Spiel von 102 Ballwechseln, und das bringt Herr Gäb als Beispiel für "das Aufschlag-Debakel"!

Jetzt stellt sich die Frage: sind diese 13 offensive Rückschlagfehler zu viel? Nein, es gab in gesamten Spiel 60 offensive Rückschläge, also war Erfolgsquote beim offensivem Rückschlag 78%. Das ist eine sehr gute Quote.

Mein Fazit: in dem Spiel, mit dem Herr Gäb seine These über "Aufschlag-Debakel" untermauert, gab es keins. Herr Gäb sollte sich schämen.

Nebenbei noch ein paar interessante Statistiken von dem Spiel:

Es gab im Schnitt 4,9 Schläge pro Ballwechsel.

Punkte für Aufschläger = 61, Punkte für Rückschläger = 42, also nur geringe Dominanz des Aufschlägers.

Von 40 defensiven Rückschlägen waren 37 erfolgreich, nur 3 Fehler.

In 75% aller Ballwechsel hat der Rückschläger als erster angegriffen.

Nach einem erfolgreichen defensiven Rückschlag (37) hat der Rückschläger immerhin in 9 Ballwechseln als erster angegriffen.

Ich glaube, dieses Beispiel sollte uns allen eine Lehre sein. Wer hohen Funktionären noch glaubt, ist selber Schuld.
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