Zitat:
Zitat von Obachecka
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Ich gehe davon aus, dass seeehr viele Dissertationen, Diplom-, Master- oder Bachelorarbeiten nur so vor Plagiaten strotzen. Wenn man denn genau hinschaut...
Damit will ich zu Guttenberg nicht in Schutz nehmen, sondern eher in Frage stellen, welchen Stellenwert Titel heutzutage vielfach tatsächlich haben. Gerade im geisteswissenschaftlichen Bereich werden häufig Fakten zusammengetragen, die schon lange bekannt sind, um daraus neue Betrachtungen zu formulieren. Dass diese Betrachtungen nicht zwingend 'neu' sind, sondern lediglich umformulierte Ergüsse Anderer, die am Ende der Arbeit in ein Fazit münden, das möglichst einen 'neuen Denkansatz' widerspiegelt, reicht vielen Doktorvätern schon.
In diesem Zusammenhang muss ich an den Medizin-Nobelpreis von Watson & Crick denken, die seinerzeit auf einem einzigen Blatt die Struktur der DNA vorgestellt haben. Streng betrachtet war das nichts anderes als das Zusammenklauben der Ergebnisse anderer Forscher, die unter Hochdruck daran arbeiteten, das Mysterium zu knacken. Dabei scheuten Watson & Crick nicht davor zurück, sich teilweise hinterlistig diverse Informationen von ihren Kollegen regelrecht zu erschleichen. Hierzu gehörte u.a. das Fachwissen über chemische Gegebenheiten, das beide schlichtweg gar nicht hatten, z.B. bzgl. der Ladung der Phosphat-Reste, die eine zunächst vermutete Positionierung im Zentrum der Doppelhelix unmöglich machte, weil das DNA-Modell sonst quasi auseinandergesprengt würde.
Die eigentliche Leistung von Watson & Crick bestand darin, vorhandenes Wissen, das von einzelnen Spitzenwissenschaftlern der Zeit mühsam entwickelt und entsprechend gehütet wurde, aus diesen herauszukitzeln und das Puzzle dann folgerichtig zusammenzusetzen. Ob die Verleihung des Nobelpreises an Watson & Crick gerecht war, wird seitdem häufig diskutiert. Viel wichtiger ist meines Erachtens, dass es den beiden auf diesem Wege gelungen ist, ihren Kollegen die Augen zu öffnen, was die Bedeutung interdisziplinären Wissensaustauschs anbelangt.