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Alt 23.02.2011, 09:44
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crycorner crycorner ist offline
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AW: Bürgerwehr ... oder was hilft gegen Prügelkids

Also ich bin da ganz beim Abwehrtitanen...
Man kann doch nicht so tun, als würden die Täter automatisch zu Opfern werden, wenn man sich ihnen entgegenstellt. Also bitte! Wenn auf mich 3 Jugendliche zukommen und mich rumschubsen, werde ich definitiv als Erster zuschlagen. Und zwar so stark ich kann. Und ich versuche, damit den Anführer auszuknocken. Und ich habe grundsätzlich nichts mit Gewalt am Hut. Aber wir alle kennen die Berichte und auf dem U-Bahnsteig reduziert sich die ganze Zivilcouragen-, Täter/Opfer- und sonstige Diskussionen auf ganz einfachen Darvinismus. Entweder die oder ich! Ganz einfach. Von Hilfen von aussen kann und darf ich nicht ausgehen.

Und übrigens: Wenn man sich selbst wehrt, bzw. wenn man aktiv gegen solche Aggressoren vorgeht und Anderen hilft, erteilt man den Jugendlichen durchaus auch eine wertvolle Lehre: Nämlich: "Du kannst Dir nicht alles erlauben!" Oder: "Wer Austeilt, muss damit rechnen, auch einstecken zu müssen." Oder: "Wer scheisse baut, dem wird in den Arsch getreten".

Und mit verständnisvollen Gequatsche bekommt man als Feedback höchstens eine Klinge zwischen die Rippen. Wer die Schwelle zur Gewalt bereits übertreten hat, lässt sich nicht mehr bequatschen. Der will Knochen knacken hören und Blut spritzen sehen. Das ist die traurige Wahrheit. Und das ist auch das Problem, warum es keine Zivilcourage gibt. Man ist nicht darauf vorbereitet und hat tierisch Angst. Man sieht: Die sind bereit, deutlich weiter zu gehen, als ich es tun würde. Also wendet man sich ab. Wenn es aber eine Gruppe von Leuten gibt, die mit dem Bewusstsein bereits "auf Streife" gehen, bei Gewalt auch körperlich einzuschreiten, ändert sich das Machtverhältnis ganz schnell und die Täter werden vorsichtiger. Denn dann werden sie in ihre Schranken verwiesen. Ihnen werden Grenzen aufgezeigt, die sie verstehen. Denn der Umkehrschluss ist: Grenzen werden immer weiter nach aussen verschoben. Am Anfang bekommt mal ein Passant eine aufs Maul. Zum Schluss wird ein Passant auch gerne mal in die Intensivstation eingeliefert. Die Gewalt-Handy-Videos müssen ja auch irgendwie länger werden und coolere Szenen liefern (mal so als kleines, perverses aber realistisches Motivationsbeispiel).

crycorner
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