Zitat:
Zitat von Jaskula
@Bretti
Im Gegensatz zur Integration der von Dir als Beispiel gelungener Integration angeführten Gastarbeiter haben wir heute eine etwas andere Situation
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Von Integration hatte ich nichts geschrieben. Ich hab' auf das friedliche Miteinander hingewiesen.
Meine Kindheit habe ich Ende der 60er und Anfang der 70er im Ruhrgebiet verbracht. Nicht nur das Wort Integration spielte damals keine Rolle. Über religiöse Riten hat man sich allenfalls gewundert, aber als Gefahr wurde die fremde islamische Religion nie wahrgenommen und auch nicht bezeichnet. Es wurde von "Gastarbeitern" gesprochen und nicht von Migranten.
So fing es jedenfalls mal an. Wie sich das "weiterentwickelt" hat, ist bekannt. Die heutigen "Probleme" haben damals angefangen. Bis hier politisch erkannt wurde, dass "Gastarbeiter" hier Familien gründen und deren Kinder hier aufwachsen, zur Schule gehen und somit hier ihre Heimat haben, sind (zu) viele Jahre ins Land gegangen. Darauf fußende Integrationskonzepte, den "Gastarbeitern" hier eine Heimat zu bieten, in der sie mit ihren Familien gleichberechtigt leben können, hat es leider damals nicht gegeben. Es gab immer wichtigere Probleme.
Mit dem Sterben der Zechen und der Montanindustrie wurden die Arbeitsplätze rar. Eine wirtschaftliche Krise jagte die nächste. Mit zu den leidtragendsten gehörten immer die Gastarbeiter und ihre Familien. Sie haben sich auch großartig nie beschwert über ihre Situation. Hätte eh nicht viel gebracht, da sie keine Lobby hatten. Ende der 70er Anfang der 80er war die Gettoisierung - grad der Gatarbeiter mit anderem religösen Hintergrund - im vollen Gange. Es entstanden regelrechte - vor allem - türkische Viertel. Sie übernahmen dort vielfach kleinere Läden, die für die ehemals deutschen Betreiber nicht mehr rentabel genug waren, da sie gegen die großen Supermarktketten keine Chance hatten. Innerhalb dieser Gettos ist eine Subkultur entstanden. Kein Mensch interessierte sich zunächst dafür. Die Gastarbeiter zogen sich immer weiter zurück und wirtschaftlich ging es ihnen nicht gut. Arbeitsplätze waren rar. Die Zeiten wo man auch mit körperlicher Arbeit gutes Geld verdienen konnte waren vorbei. Arbeitsplätze gab es nur noch für qualifizierte Menschen. Kinder von Gastarbeitern hatten es schwer entsprechende Ausbildungsplätze zu kriegen. Diesbezügliche Integrationsbemühungen gab es nicht wirklich. Zu dieser Zeit fing es auch an, dass unter den Muslimen (meist Türken) Religion wieder einen hohen Stellenwert gekriegt hat. Hier wollte man sie nicht wirklich. In ihrer Heimat waren sie auch Fremde geworden. Grad in schweren Zeiten ist für viele Menschen die Religion eine Zuflucht.
Ende der 80er kam dann der Zusammenbruch des Ostens. In Deutschland hatte man von da an wieder andere Probleme um die man sich kümmern musste. Die DDR gab es plötzlich nicht mehr und Deutschland war wiedervereint. Ein gewaltiges Problem, das gestemmt werden musste. Das nahm die volle Aufmerksamkeit über die gesamten 90er in Anspruch. Unsere ehemaligen Gastarbeiter und ihre Familien - mittlerweile in der 3. Generation - hatten zu der Zeit integrationsmäßig keine Priorität. Dazu wurden in den 90ern aus der eher lockeren EG die EU. Europaweit vielen die Grenzkontrollen weg. Dann kam der 11. September 2001 und alles wurde anders. Das Feindbild der westlichen Welt - was ehemals der Kommunismus war, der aber mit dem Zusammenbruch der UDSSR zahnlos geworden ist - waren nun die Islamisten. Man sprach von der Achse des Bösen. Seit etwa der Zeit ist hier die Integrationsdebatte entfacht. Alles was einen muslimischen Hintergrund hat, wird seit der Zeit besonders kritisch betrachtet. Es wird angefangen im Koran und in der Scharia zu stöbern und siehe da, dort finden sich doch tatsächlich die Wurzeln des Übel.
Sorry, aber mir will es einfach nicht gelingen, mich in die Schlage der Mahner einzureihen und ich habe auch gar keine Lust dazu das Integrationsproblem auf die islamische Religion zu lenken. Das ist für mich Augenwischerei. Vergehen gegen geltendes Gesetz soll und muss nachgegangen werden. Egal ob in einem katholischen Kinderheim Kinder von Pfarrern misshandelt werden, oder ob Muslime Mädchen zwangsverheiraten. Macht für mich keinen unterschied. Bevor ich was verurteile, muss es eine Tat gegeben haben. Wegen Vergehen Einzelner kann man auch nur den Einzelnen verurteilen und nicht darauf schließen, dass die Wurzel des Übels in der Religionszugehörigkeit begründet liegt. Ist zwar einfach, hat aber bis heute nie auch nur ansatzweise den eigentlichen Grund einer Greueltat entsprochen. Ein Osama bin Laden ist kein sonderlich religiöser Mensch. Er hat es nur verstanden die Religion zu missbrauchen um willige Gefolgsleute zu finden.
Gleich welche Religion du nimmst, alle haben sie eins gemeinsam, sie eignen sich prima als Rechtfertigung für so ziemlich jede Aggression anderen gegenüber. Menschen müssen nur dumm oder verzweifelt genug sein, um einem angeglichen Religionsführer oder sonstigen Lichtgestalten die bessere Zeiten versprechen zu folgen. Die Geschichtsbücher sind voll davon.
Mein Sohn geht in die 6. Klasse und kam die Tage mit der Geschichte nach Hause, dass sein evangelischer Religionslehrer erzählt hat, dass Gott auch Adolf Hitler vergeben würde. Als ich nachfragte worum es denn in der Religionsstunde ging, erfuhr ich das es die Antwort auf die Frage: "Ob Gott wirklich jede Sünde vergeben würde", war.