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Alt 22.03.2011, 10:04
Bekmes Bekmes ist offline
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AW: Verbesserung der Psyche von Spielern unter Stress (Wettkampf)

Es geht dabei ja darum, den Druck zu nehmen und sich gleichzeitig möglichst gut auf den nächsten Ballwechsel konzentrieren zu können. Das ist halt nur oft genug einfacher gesagt als getan.
Bei mir funktionierte es mit dem bloßen Vorsatz "ich spiele von Ball zu Ball" so lange gut, bis ich einige Spiele verloren hatte, in der Bilanz negativ stand und von meinem eigenen Ehrgeiz getrieben unbedingt meine Bilanz wieder ausgeleichen wollte. - Das habe ich dann nicht mehr so einfach aus dem Kopf bekommen.

Ich denke, bei diesem Thema ist jeder Einzelne unterschiedlich empfänglich für die verschiedenen Ansätze.
Wenn ich merke, dass ich nevös werde, versuche mich zu beruhigen indem ich zwischen den Ballwechseln mir lustige oder schöne Erinnerungen der vergangenen Tage oder Wochen ins Bewusstsein rufe. - Das kann den Nachteil haben, dass der Fokus verloren geht und einige Bälle des Spiels "vorbei fliegen".
Eine weitere Strategie ist das Einführen von Ritualen - auch um das Spiel zu verlangsamen: Hand am Tisch in der Nähe des Netzes abwischen, Ball auf dem Schläger 4-5 mal auftippen lassen, Ball auf den Boden prellen, ...
Ich habe auch schon vor jedem Ballwechsel zu mir gesagt "es steht 0:0" - aus genau dem oben genannten Grund. - Das habe ich mir aber nach 2-3 Spielen selbst nicht mehr geglaubt und irgendwie fehlte mir auch die Belohnung für gewonnene Punkte... ;-)
Die Kampfschreie und das sich-selber-anfeuern birgt bei mir die Gefahr, dass ich nach einem guten Ball über dessen Gewinn ich mich gefreut habe, das Gefühl habe "jetzt habe ich es geschafft". - Oft habe ich danach 2-3 Bälle verloren, weil "die Systeme herunter gefahren wurden", wie ein Vereinskollege (zurecht) zu mir gesagt hat.
Schon in der Jugendzeit habe ich gerne die Punkte heruntergezählt - vor allem, wenn ich im 5ten Satz 6-10 hinten lag (bzw. damals 16:20), habe ich gerne 4-3-2-1 gezählt. Danach meistens aber in der Verlängerung verloren (aus dem selben Grund: Das Ziel wurde ja erreicht... ;-))

In letzter Zeit gewöhne ich mir das herunterzählen wieder an, diesmal aber so leise, dass mein Gegner es nicht hört und gleichzeitig zähle ich auf den Siegpunkt herunter. Vor dem ersten Aufschlag sage ich mir also "noch 11"... - Bisher ist das ganz effektiv.
Durch das Zählen bin ich mental genug beschäftigt um nicht über Bilanzwerte, etc. nachzudenken. Gleichzeitig ist es egal, ob ich 5:8 hinten liege, oder 5:1 führe. - Ich konzentriere mich darauf, mein Ziel zu erreichen, die 11 Punkte und die 3 Sätze zusammen zu bekommen. Gleichzeitig macht es auch keinen Unterschied, ob ich einen hart umkämpften Ball gewonnen habe, der Gegenr einen Netz-Kanten Ball hatte oder einen Fehlaufschlag spielte. Jede Ball bringt mich maximal einen Zähler näher an mein Ziel - oder der Abstand zum Ziel verändert sich eben nicht. Das ist eigentlich total trivial, es beruhigt und fokussiert mich aber sehr, wenn ich es mir ins Bewusstsein rufe.
- Ich hoffe, dass ich mich daran nicht auch irgendwann so sehr gewöhne, dass meine Gedanken wieder beginnen abzuschweifen.

Die Arbeit an der eigenen Nervosität ist auf jeden Fall eine der schwierigsten Trainingseinheiten.

Geändert von Bekmes (22.03.2011 um 10:09 Uhr)
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