Zitat:
Zitat von Volkmar
Das hat damit nichts zu tun. Das ist ein bundesweites Phänomen. Strafgesetzgebung ist Bundesgesetzgebung. Die StA ist zwar weisungsgebunden, aber es ist ziemlich allgemeiner Konsens in der Jugendgerichtsbarkeit, dass gerade nicht mit dem großen Knüppel draufgehauen und nicht sofort weggesperrt werden soll. Das ist noch nicht einmal verkehrt. Schließlich steht bei Jugendlichen und Heranwachsenden der Erziehungsgedanke im Vordergrund, und das ist auch gut so. So ziemlich jeder Jugendliche baut mal Mist, und wenn es nur ein Ladendiebstahl oder eine Schwarzfahrt ist.
Das eigentliche Problem ist die lange Verfahrensdauer. Es ist allgemein pädagogisch gesicherte Erkenntnis, dass die Wirkung einer Sanktion umso größer ist, je schneller sie der Tat folgt. Ein Verfahren ein paar Monate nach der Tat, da wissen weder Täter noch Zeugen mehr so richtig, warum sie jetzt vor dem Richter stehen. Leider ist es dann oft auch noch so, dass die verhängten Strafen nicht mit der Schwere des Delikts korrelieren.
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Und genau das ist es, was ich nicht verstehe. Da schlägt einer im Suff einen anderen halb tot, weil er in aggressiver Stimmung war. Nur durch das beherzte Eingreifen eines Zeugen wird wohl der Tod des Opfers verhindert. Und dann sagt der Gesetzgeber, da haun wir aus pädagogischen Gründen nicht mit dem großen Knüppel drauf. Da lassen wir den jungen Mann erstmal in aller Ruhe ausnüchtern und im Kreise seiner Lieben zur Besinnung kommen...
Was ist daran pädagogisch wertvoll?
"Mist bauen" ist eine Sache, halb tot prügeln eine andere, aber da sind wir uns ja hoffentlich einig. umso schlimmer die von Dir zu Recht zitierten langen Zeiträume zwischen Tat und Strafe. DAS ist sicherlich auch alles andere als pädagogisch sinnvoll.
WAS spricht also dagegen, den jungen Mann erstmal ein paar Tage hinter Gittern zur Besinnung kommen zu lassen? Er muss nicht bei Wasser und Brot darben, er hat voraussichtlich Farb-TV, aber was entscheidend ist: Er kann sich in aller Ruhe Gedanken über die Tragweite seiner Handlung machen und die strafrechtlichen Konsequenzen schon mal beschnuppern.
So aber kehrt er zurück in sein heimeliges Nest, lässt sich auf die Schulter klopfen, oder bekommt TV-Entzug oder ne Tracht Prügel, was weiß ich. Aber das alles kennt er ja zur Genüge, insofern isses sicher nix Neues für ihn und bewegt ihn sicher nicht zum Nachdenken.