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Alt 03.05.2011, 09:39
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Das System hat ja fraglos auch gewisse Schwächen, die so einfach nicht wegzudiskutieren sind. Ich möchte hier ein paar persönliche Fälle schildern, die ich nicht dramatisch finde, aber ein paar konkrete Schwierigkeiten aufzeigen.

So macht das System zB verschiedene Landesverbände mit einander vergleichbar. Soll es zumindest. Bei meinem letzten Turnier habe ich gegen einen Gegner gespielt und verloren, der fast 200 Punkte weniger hatte als ich. Dieser Spieler war gut, hatte eine ähnliche Spielstärke wie ich und hat das Turnier letztendlich gewonnen. Meine Leistung war gegen ihn durchaus meiner Spielstärke entsprechend. Warum er so einen miesen TTR-Wert hatte, kann ich nur vermuten. Scheinbar ist sein Landesverband in TTR nicht erfasst, jedenfalls war sein letztes Rundenergebnis aus 2007, obwohl er nachweislich seit dem regelmäßig erfolgreich (tt-info) gespielt hat. Im letzten Jahr wurde er bei gleichem Turnier Zweiter und war daher auch bei diesem Turnier an Eins gesetzt. Bei einer GW von 0,94 habe ich für dieses Spiel, natürlich zu unrecht, viele Minuspunkte bekommen. Für mich kein Problem, mein TTR ist mir egal. Ich will nur damit aufzeigen, dass es gerade in der Anfangszeit und bei vergleichen verschiedener Landesverbände zu Ungereimtheiten kommen wird. Wenn solche Ungereimtheiten dann natürlich zu Veränderungen der Aufstellung führen, kanns schon mal zu Härtefällen kommen.

Ein zweites Beispiel betrifft zwei geschenkte Spiele, ich aufgrund einer im Doppel erlittenen Verletzung nicht/kaum antreten konnte. „Früher“ bekam man da in der Bilanz –2 abgezogen, Das war ja ok (ab 8 Punkten musste umgestellt werden). Jetzt kann es aber sein, das der Gegner, vielleicht sogar ein JES mit sehr niedrigem TTR, einem mit so einer Spielaufgabe –40 Punkte einschenkt. Diese Punkte sind ja offensichtlich keine Veränderung in der Spielstärke. Trotzdem schlagen sie massiv (bei 30 Punkten muss umgestellt werden) und deutlich mehr als in der Vergangenheit zu buche.

Ein weiteres Beispiel betrifft die angesprochenen Turniere. Natürlich ist es so, dass mehr Spiele generell ein klareres Bild der Spieler geben, im Fall von wenigen Turnieren spielt dann aber die Tagesform eine maßgebliche Rolle. Ein mir bekannter guter Spieler hat bei einem Turnier einfach einen gebrauchten Tag erwischt. Er hat von 13 Spielen 8 verloren, davon 3 sehr überraschend und eines falsch eingegeben (!). Dieses in der Tat nicht gute Turnier hat diesen Spieler fast 120 Punkte gekostet. Gut an diesem System ist, dass dieser „Fehler“ durch entsprechend hohe Punkte in den Wochen danach schnell (2-3 Monate) wieder ausgeglichen war. Aber gerade bei Ranglistenturnieren, wo die Tagesform eine große Rolle spielt und man an gebrauchten Tagen nicht einfach ausscheidet, sondern schön eine Niederlage nach der anderen kassiert bzw an einem tollen Tag eben einen Sieg nach dem anderen. Bitter nur, wenn ein solcher „Ausreißer“ dann eventuell dazu führt, dass entsprechender Spieler dadurch in eine Mannschaft muss, in die er nicht gehört. Man muss dann leider auf den Klassenleiter hoffen ...

Das vorerst letzte Beispiel betrifft einen jungen Nachwuchsspieler, der zZ einen enormen Ehrgeiz hat und im Training zeigt, das sein Potential sich demnächst auch zunehmend in Ergebnissen ausdrücken wird. Sein TTR steigt auch, aber nicht entsprechend seinen vielversprechenden Steigerungen (Technik, Spielübersicht, Schlaghärte, Dynamik) im Training. Den Spieler würden wir, absolut zu recht und gerade als Jugendförderung gerne aus der Kreis- in die Bezirksebene ziehen, was seinem Potential entspricht, aber der TTR nicht hergibt. Was macht man jetzt mit so einem jungen Mann, dem man keine Knüppel in die Beine werfen will. Bonus bekommt er nicht mehr, TTR reicht nicht, weil halt wie überall ein paar Alte noch ihren regelmäßigen Trinkgewohnheiten nachgehen. Im Grunde kann man auch da nur hoffen, dass der Klassenleiter die Fälle ähnlich einschätzt – und das ist dann wieder sehr subjektiv. Wäre es nicht schade, wenn so ein Spieler an dementsprechend Spaß und Ehrgeiz verliert?

Ich bin der Meinung, dass man für eine Übergangszeit höhere Puffer einrichtet oder besser, den Klassenleitern KLARE Anweisungen gibt, gut begründete Härtefälle äußerst Wohlwollend zu betrachten!! Das System ist nach meinem dafürhalten ein Fortschritt und eine Verbessung. Das heißt nicht, dass alles gut ist. Die Einteilungen in meiner direkten Umgebung (Verein, Klasse) passen sehr gut, über dem Tellerrand (andere Verbände, übergang Schüler/Herren, Nord/Süd-Gefälle ) gibt es noch ein paar Macken. Es wird auch nicht möglich sein, alle Probleme abzuschaffen. Aber ich denke, dass unter anderem auch die Diskussionen hier zu einer Verbesserung des Systems beitragen wird.
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Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.
Bertrand Russell

Geändert von Fozzi (03.05.2011 um 09:43 Uhr)
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