Hallo, TTR-Interessenten,
ich melde mich aus dem Fegefeuer, in das ich durch mein Papier geraten bin und freue mich, dass hier viele Argumente ernst angebracht werden.
Natürlich bin ich sicher, dass speziell die recht kleine Gruppe hier im Forum sich intensiv mit TTR beschäftigt hat. Ich wollte diese mit meinem "TTR-Prozess"-Modell nicht abwerten. Ich meinte die große Menge der hier als Zuschauer beteiligen TT-Spieler.
Manchmal habe ich allerdings das Gefühl, dass hier auch nur eine Meinung vertreten wird, die sich im Laufe der Zeit mangels fundiertem Widerspruch als "
mehrheitsfähig" erwiesen hat, auch wenn die Argumente nicht immer ganz schlüssig sind und fast gebetsmühlenartig wiederholt werden.
Ich gebe natürlich nicht auf ! Da ich nicht auf jedes Argument eingehen kann und sich vieles auch wiederholt, möchte ich wesentliche Punkte aufgreifen.
Das Vielspieler-Problem
Ich habe nie behauptet, dass ein Vielspieler grundsätzlich Vorteile hat, er kann sogar Nachteile haben. Ich sage, dass ein Vielspieler dann Vorteile in einem Jahr hat,
wenn er viel gewinnt, z.B. als Turnier-Sieger und Ranglisten-Gewinner. Und das speziell in dem Jahr, in dem er diese Siege holt. Er hat diese Vorteile gegenüber einem gleich guten Spieler,
der genau diese Turniere nicht spielt. So sind meine Excel-Beispiel aufgebaut.
Dass dies nicht nur Theorie ist, kann ich an drei Beispielen aus meinem Verein belegen:
Fall 1:
Da gewinnt ein Jugendspieler gegen gleichstarke
Jugendliche an einem Wochenende alle 11 Spiele und holt damit 91 Punkte. Punkte, die ein gleich guter Spieler nicht holen konnte, weil er diese Rangliste nicht spielen konnte. In diesem Fall profitierte der Spieler noch von
zwei weiteren TTR-Schwachstellen: Er holte als Jugendspieler wegen
höherer Jugend-Änderungs-Konstante (die ja in Wirklichkeit in TTR z.Zt. variabel ist) weitere Zusatz-Punkte. Und er profitierte davon,
dass während des Turniers (und auch nicht nachträglich bei der TTR-Berechnung) nach einem Sieg sein
TTR-Wert hätte erhöht werden müssen, dies aber unterblieb.
Natürlich konvergiert TTR nach ein bis zwei Jahren wieder, wenn solche Turniere die Ausnahme bleiben - aber in diesem Turnier-Jahr ...
Im Übrigen: Das gebrachte Argument, dass mit 100 Siegpunkten auch 100 Minus-Punkte (im großen TTR-Meer natürlich) anfallen, kann hier nicht angeführt werden, da die
100 Sieg-Punkte ja bei einem Spieler bleiben, die 100 Minuspunkte sich aber verteilen.
Fall 2
Normalfall: Ein Spieler spielt erfolgreich diese halboffiziellen F-B-Klassen-Meisterschaften bis auf Hessen-Ebene. Da er
erfolgreich spielt, holt er Punkte, die ihn an die
Spitze seiner Mannschaft bringen. Nach der Meisterschafts-Runde lag er
nur auf Platz 3 in seiner Mannschaft - alles nach TTR-Punkten.
Fall 3
Der Spitzenspieler unserer 2. Mannschaft macht nur in der Mannschafts-Runde ca.
16 Spiele pro Jahr mehr, als die Spieler der erfolgreichen 1. Mannschaft, die viele Spiele 9:0 und 9:1 gewonnen hat. Nur
dadurch holt er mehr Punkte als viele Spieler der 1. Mannschaft, die zwei Klassen höher nur jeweils 3-4 Spieler verloren haben.
Nochmals: Wenn alle in den nächsten Jahren gegen die gleichen Gegner mit gleichem Ergebnis spielen, dann gleicht sich alles aus,
aber in diesem Jahr und wenn ... und wonach werden die Mannschaften gestellt !?
Da ich mittlerweile erfahren habe, dass Turnier-Ergebnisse nur mit Mühe und optional in TTR einfließen, lautet
mein Motto eindeutiger denn je:
Turniere bitte nicht in TTR einfließen lassen. Ranglisten-Spiele erledigen sich eigentlich von selbst oder ?
Mein weiterer Vorschlag: Mit Durchschnittswerten alle Spieler auf eine einheitliche Basis von 20 Spielen pro Jahr bringen - der Vorteil bleibt, baer wesentlich geringer !
Das Startwert-Problem
ist
gar kein Problem, und von mir auch nicht als solches benannt. Ich habe es nur aufgegriffen, weil hier
im Forum abenteuerliche Prozentwerte herum geistern. Ich habe nie vom Wirken des Startwertes gesprochen, sondern nur vom
Prozent-Wert im aktuellen TTR-Wert. Und das bleibt natürlich so, denn wenn der Startwert nicht
diese Prozent-Wucht hätte, wäre eine Bundesliga-Spieler nicht besser als ein Kreisklassenspieler. Wenn nämlich beide nur gegen gleichstarke Gegner ausgeglichen spielen, holen
Bundesliga- und Kreisklassen-Spieler gleiche -20 bis + 20 Punkte pro Jahr. Gottseidank macht der
Startwert dann immer noch 80-100 % vom aktuellen TTR-Wert aus und das
muss bei der TTR-Konstruktion sein ! Also - kein Problem bei mir - bei anderen ??
Ein
Problem ist für mich das Fehlen einer verbindlichen Tabelle der möglichen Startwerte.
Das Problem mit der Änderungs-Konstanten
die bei TTR variabel ist - warum das so sein muss,
hat hier niemand belegt. Natürlich kenne ich die vorgebrachten Begründungen, die sich allerdings mit der allgemeinen Meinung "
TTR glättet schon" nicht vereinbaren lassen.
Meine Beispiele der
"ungerechten" Punktvergabe sagen eigentlich alles. Wenn A und B mit identischem TTR-Wert gegen C gewinnen, warum soll A 50 % mehr Punkte bekommen, nur weil er etwas jünger ist !?
Die Änderungskonstante muss wirklich konstant werden:
Immer 16 !
Wie war es im Mittelalter, als sich Kopernikus mit seiner Theorie, die Erde sei rund, gegen die Weltanschauung der Kirche auflehnte, denn "
die Erde ist doch eine Scheibe" !
Es ist schon spät - vielleicht komme auch die übrigen Punkte demnächst dran ...
TTR ist grundsätzlich richtig - deshalb:
Letzter Vorschlag zur Güte: Alle behalten ihre Punkte,
TTR wird mäßig angepasst und
stabilisiert sich in wenigen Jahren - bis dahin nur eine "
Kann-Option" zur Mannschaftsaufstellung. Dies gilt für die TTR-Verbände - ich weiß tatsächlich nicht, wie viele und ob alle ?
MfG
Gerd Bukow