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Alt 19.05.2011, 11:21
User 17544 User 17544 ist offline
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AW: Die Einzel-WM in Rotterdam bei Eurosport (8.-15. Mai 2011)

Zitat:
Zitat von Obachecka Beitrag anzeigen
Wenn der Tischtennisprofi aber 5 gegnerische Aufschläge in Folge ins Netz semmelt, dann ist das wohl für den Laien etwas merkwürdiger.
Na ja, fünf am Stück zu versemmeln, kommt ja nicht wirklich oft vor. Ich glaube auch nicht, dass der Laie nicht versteht, dass der Aufschlag nicht so einfach anzunehmen ist. Das wird zwar immer und gern behauptet, aber für so blöd sollte man Laien nicht halten. Was Laien allerdings wirklich nervt, ist der Kult den Spieler oft treiben bis überhaupt der nächste Ballwechsel gespielt wird. Ellenlange Konzentrationsphasen, bis es überhaupt zum Aufschlag kommt, nerven Laien halt viel mehr. Schon dadurch wird dem Laien verständlich, dass der Aufschlag was "besonderes" und entscheidendes ist.

TT krankt aber sicher auch an anderen Dingen, die für Zuschauer, die nicht selbst TT spielen sowas von seltsam sind, so das sie den Sport für leicht bis mittelschwer bekloppt halten. Erklär mal einem Laien die Aufschlagregel und was der Schiedsrichter vor jedem Spiel an den Schlägern der Spieler rumhandtiert. Dann erklär ihm mal wie und warum ein Schläger nur so beschaffen sein muss/darf, wie es nun mal in unserem Sport ist. Dann erklär ihm mal warum der Schiedsrichter einen bestimmten Aufschlag weggezählt hat, aber den anderen nicht. Spätestens wenn du ihm von VOC und Boostern erzählst hört er nicht mehr zu und denkt sich: Was ein bekloppter Sport.

Außerdem neigt der deutsche sportinteressierte Zuschauer dazu, sich nur für Sportarten zu interessieren in denen deutsche Sportler das Maß der Dinge sind. Vom Fußball mal abgesehen. Die Formel 1 lebte von Schumacher und lebt jetzt von Vetel. Tennis lebte von Boris und Steffi usw. Im TT ist es nun mal so, dass ein Timo Boll zwar Weltranglistenerster bzw- Zweiter sein kann, aber alle Welt davon spricht, dass er gegen eine handvoll Chinesen - deren Namen kein Schwein außerhalb der TT-Szene interessieren - trotzdem bei einer WM oder Olympia als Außenseiter gehandelt wird. Erklär das mal einem Laien, wie es sein kann, dass einer in der Weltrangliste ganz oben steht, aber im direkten Vergleich mit tiefer Platzierten nur eine Außenseiterrolle einnimmt.

Wenn dir gelungen ist das einem Laien begreiflich zu machen, erklär ihm mal TTR-Werte bzw Q-TTR-Werte, die in allen Klassen außer der DTTL - der höchsten deutschen Spielklasse - für Aufstellungen im gewissen Rahmen bindend sind. Falls er dann immer noch nicht die Nase voll hat, läuft dir bestimmt ein selbst spielender TT-Fan aus der Kreisklasse über den Weg, der so ein tolles T-Shirt anhat, auf dem zu lesen steht:“Fußball ist Arbeit, Tennis ist Handwerk, Tischtennis ist Kunst!”

Und wenn ihm das dann noch immer nicht den Glauben an die Attraktivität des TT-Sports für alle Zuschauer genommen hat, erzählst du ihm davon, dass es Bestrebungen gibt, den TT-Sport durch Regeländerungen, die dazu führen sollen, dass Aufschläge "entschärft" und das Spiel im gesamten langsamer werden soll, damit längere Ballwechsel zustande kommen. Spätestens dann wird er meinen, dass beim TT alle leicht bis mittelschwer bekloppt sind. Denn das was er an dem Sport interessant finden könnte, die unglaublich schnellen Reaktionen und atemberaubenden Ballwechsel, will man nun auch noch trotz dem ganzen anderen schwer vermittelbaren Mist, zu seinem Besten kaputt machen.

Prima Idee wird der sich denken und den Tipp abgeben, dass man dann mal in den immer voller werdenden Altersheimen versuchen sollte Zuschauer zu gewinnen. Die stehen vielleicht nicht so auf high speed-Ballwechsel und haben es lieber, wenn möglichst lange und auch mit leichten Sehschwächen verfolgbare Ballwechsel zustande kommen. Die stets korrekt gekleideten Schiedsrichter finden sie sicher auch ganz toll. Er selbst wird es aber sicher weiter vorziehen sich Fußball oder sonst eine nicht ganz so bekloppte und für den Laien auch nachvollziehbare Sportart anzuschauen.
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