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Alt 21.02.2001, 14:04
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Mephisto Mephisto ist offline
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Time Out: Im Gegensatz zu den zukünftigen Hirngespinsten eine gute Änderung

Insgesamt finde ich das Time Out sinnvoll, weil dadurch ein taktisches Mittel für den Spieler/Trainer dazukam. Bei nervenschwächeren (oft jüngeren) Spielern kann man mental und taktisch einwirken. Solche Phasen helfen ihnen, stabiler zu werden. Ziel sollte aber sein, dass die Spieler das TO selbst nehmen und nicht von einem außenstehenden abhängig sind.

Ich nehme mein Timeout immer selber und wende es mittlerweile auch in 75% meiner eigenen Spiele an. Bislang mit großem Erfolg. Fast alle knappen Spiele konnte ich für mich entscheiden.

Ganz am Anfang war eine Hemmschwelle da, das "T" anzuzeigen, aber mittlerweile ist es Routine. Allerdings bin ich auch innerhalb der Aktiven eine Ausnahme in unserem Vereine, viele würden eigentlich gerne, "trauen" sich aber nicht so richtig. Einige unserer Kids haben mittlerweile aber schon das Feeling, daß sie es selbständig nutzen.

Ich unterteile jetzt mal provokativ in fünf TimeOut-Typen:

1. Der (selbst)bewußte Psychologe:

Er weiß genau, in welchem Moment der ideale Augenblick ist, sich selbst zu finden oder eine Serie des Kontrahenten zu unterbrechen. Er ist selbstbewußt und überzeugt, daß ihm dieses taktische Mittel zum Sieg verhilft und dementsprechend tritt er auf. Im Extremfall nimmt er das TO, um den verdutzten Gegner zur Beratung zum Mannschaftskameraden laufen zu lassen, um ihm dann mitzuteilen, daß TO vorbei ist und das Spiel fortgeführt wird.

2. Der spontane, ungesteuerte Zweckoptimist:

Es gibt TO, also nutzt er es auch. Er weiß zwar nicht, wann der richtige Augenblick ist, egal, Hauptsache anwenden. Er hat es bei anderen gesehen und versucht es zu kopieren. Ihm geht es mehr um das Timeout selber, als um Zeitpunkt und dem davon abgeleiteten Nutzen. In der Angewöhnungsphase okay, da man ja auch das Feeling bekommen muss, als Dauerzustand planlos.

3. Der (noch) schüchterne Befürworter:

Er würde gerne, weiß aber nicht recht wann, wie und warum. Um keinen Fehler zu machen, verzichtet er lieber auf das TO, obwohl er es innerlich gerne anwenden würde. Er schafft es oft nicht seine Hemmschwelle zu überwinden. Er glaubt zwar grundsätzlich an einen positiven Impuls durch das TO, ist aber nicht 100% davon überzeugt. Zumeist überwindet er diese Schwelle nicht, um dann hinterher zu behaupten, er brauche es ja eigentlich gar nicht. So jemand sollte das mal im Trainingswettkampf üben. Andere Möglichkeit: Ihm im Spiel ein vorher besprochenes Zeichen geben, wann er den TO nehmen soll (nicht ganz regelkonform). Die größte Hemmschwelle ist erstmal überschritten, wenn er das "T" erstmal selbst angezeigt hat. Dann berät man ihn ggf. und er ist auf dem besten Weg, das irgendwann selbständig hinzubekommen.

4. Der Skeptiker und Besserwisser

Dieser Typ ist, speziell in unteren Spielklassen, noch am verbreitetsten. Einerseits ist alles Neue grundsätzlich Mist, schließlich spielt man ja schon immer ohne TO. Andererseits ist man ja viel zu cool, um sich auf einen solchen Schnickschnack einzulassen. Selbst wenn man insgeheim mal kurz ins Zweifeln kommt, ob doch was dran ist, wird dieser Gedanke schnell wieder verdrängt und sein Unmut über diese unsinnige Spinnerei in die Runde geworfen. Wenn er das Spiel dann verliert, ist entweder der böse TO'ler schuld oder er macht die eigene Unzulänglichkeit verantwortlich und belächelt den Gegner trotz Niederlage. Er macht sich andere taktische Mittel wie Unterbrechung, falsche Handtuchpause oder Gelaber zu Nutze, während es das legale taktische Mittel ablehnt.

5. Der Konservative

Diese Spezie hat die Grundmerkmale wie der "Skeptiker", geht damit allerdings positiv um und ist gegen das TO, akzeptiert es aber als Bestandteil des TT, ohne überheblich oder abwertend darauf zu reagieren. Er kann und will lediglich für seine Person damit nichts anfangen.

Bemerkung: Ich würde mich Kategorie 1 zuordnen, obwohl sowas wohl eher andere beurteilen sollten. Was interessant ist, wenn zweimal Kat. 1 oder 1 auf 4 aufeinandertreffen. Das verspricht Brisanz. Ich kann eigentlich mit allen Typen außer einer Extremausprägung von Typ 4 leben. Dort ist dann allerdings der Reiz da, diesem Spieler speziell seine Grenzen zu zeígen. Kat. 2 und 3 sind auf dem richtigen Weg zu 1 - die Frage ist, ob sie jemals dort ankommen werden (oder überhaupt wollen).

TT ist und bleibt halt die schönste Denksportart der Welt.

Was denkt Ihr dazu?
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Nichts bleibt wie es wird!
Mephisto
TSG Oberrad

Geändert von Mephisto (21.02.2001 um 14:13 Uhr)
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