Na gut, ich versuche mal mein bestes, ich bin aber weder Optiker noch Neurologe oder so etwas, habe aber (leider) eigene und auch Trainingserfahrung damit
Grob gesehen, sind die Augen Teile des Gehirns. Was sie (als optische Sensoren) aufnehmen, muss über die Sehnerven zur "Zentraleinheit" weitergeleitet und dort verarbeitet werden. Die Gesamteinheit "optische Wahrnehmung" ist weitgehend festgelegt und lässt sich nicht so leicht trainieren, wie Bewegungsabläufe. Du kannst beim Neurologen die Qualität und Geschwindigkeit der Sehnerven messen lassen; das wird aber am Ergebnis nichts ändern.
Das optimal scharfe Sehen ist beim TT nicht mal besonders wichtig. Man muss ja nicht unbedingt lesen können, was auf dem Ball steht.
Wichtiger ist eine gute (schnelle) hell/dunkel-Anpassung, ein weites Sehfeld von etwa 180 Grad. Am Rand werden dabei keine Details mehr erfasst, aber Bewegungen (Ballflug) noch recht gut.
Wichtig ist das räumliche Sehen, vor allem wenn der Ball auf dich zukommt, die seitliche Bewegung kaum wahrgenommen werden kann.
Sind die Augen etwas unterschiedlich, muss das Gehirn mehr arbeiten, um die Flugbahn berechnen zu können; es dauert etwas länger und man ermüdet schneller.
Antizipation bedeutet aber weit mehr; neben den optischen spielen auch die akustischen und taktilen Faktoren eine große Rolle sowie der sofort automatisch abrufbare Erfahrungsschatz.
Wie gesagt, ich bin weder Optiker noch Arzt, aber weil keine andere Antwort kam ....
Wie lasse ich solche Sachen üben, wenn ich einen Mangel erkannt habe:
- klären, ob gesundheitliche Probleme (z.B. Diabetis,Tabletten usw) eine Rolle spielen
- möglichst ausgeruht spielen/trainieren
- Brillenträger versuchsweise ohne Brille spielen lassen. Der Ball macht regelrecht einen scheinbaren Sprung, wenn er aus dem Sichtfeld der Brille herauskommt. Abhilfe: eine Sportbrille, die dicht am Auge sitzt und den Kopf in Richtung Ball mitdrehen, damit dieser nicht "springt". Je stärker die Brille und je schlechter die Antizipation, um wichtiger kann das sein. Dann wird auch das räumliche Sehen besser, weil beide Augen zum Einsatz kommen
- möglichst gegen unterschiedliche Spieler trainieren, damit sich kein "Muster" einschleift.
Man neigt dazu, die am leichtesten zu sehende Aktion (die Schlagbewegung des Gegners) als einziges Signal zur Flugbahnberechnung zu nehmen. Beispiel: Du trainierst oft/immer mit jemand, der mit VH und RH gern und viel US erzeugt. Damit verbindet sich dann die Erfahrung "Schläger kommt von oben" mit starkem US und langsamer Geschwindigkeit. Ein anderer Spieler fintiert aber mit der ähnlichen Bewegung und der Ball kommt leer, schnell und lang. Du wirst dich "verschätzen".
Man sollte also versuchen, alle Einzelheiten des gegnerischen Schlages (Körpersprache, Material, Klang, erster Aufsetzpunkt, Flugbahn und Ballgeschwindigkeit usw) schnell zu erkennen und zu verwerten. Das dauert aber ..
Auch dein eigener Schlag vorher spielt ja eine große Rolle.
Auch der Magnus-Effekt ist wichtig; sollte man sich mal in Ruhe aneignen.
US-Bälle werden oft erstaunlich kurz, dann muss der eigene Schlag entsprechend früher erfolgen oder weiter nach oben gezogen werden.
Während RH- Bälle meist vor dem Körper gespielt werden, ist das Problem mit dem peripheren Sehen nicht so groß. Anders mit der VH, wo der Ball ja manchmal doch neben dem Körper gespielt wird (alte Schule). Da hilft es, BET "blind" zu machen, d.h der Trainer spielt die Bälle unterschiedlich lang/hoch und unterschiedlich schnell in die weite VH und du reagierst mit Spinblock,
ohne den Ball mit den Augen zu verfolgen. Du musst den Fokus auf dem Schläger des Trainers lassen. Anfangs wirst du oft verfehlen, aber das bessert sich mit jedem Schlag. Wenn die Trefferquote wieder schlechter wird, Übung abbrechen und Pause.
Wenn du das regelmäßig machst, wird es was bringen. Idealerweise spielt der Trainer die Bälle mit völlig unterschiedlichen Schlägern ein.
So, das war erstmal eine viel zu lange Antwort, und Mediziner mögen mir verzeihen und mich korrigieren
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