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Alt 18.01.2012, 23:57
Frank Schmidt Frank Schmidt ist offline
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AW: TTBL | 1.Bundesliga Herren 2011/2012

Zitat:
Zitat von mithardemb Beitrag anzeigen
Bedeutet, das nicht mit anderen Worten, dass du auch den Einfluss des Aufschlags und der Attraktivität der Ballwechsel auf die Zuschauerzahlen als zumindest recht begrenzt ansiehst?
Darüber, was die Zuschauer anlockt und was nicht, machen sich ganz viele Leute seit ganz vielen Jahren meistens vergeblich Gedanken - seien es größere Bälle, 3er Mannschaften usw.

Rudi hat das Beispiel gebracht, dass früher in den Spielen die Ballwechsel deutlich länger gedauert haben. Wenn ich mir 20 Jahre alte Spiele von Waldner anschaue, gefallen die mir teilweise besser als die heutigen Spiele in der TTBL - eben genau deswegen.
Aber das ist meine persönliche Meinung, andere finden es toll, dass die Ballwechsel kürzer sind und bewundern das hohe Tempo.

Bei Damenspielen ist es beispielsweise so, dass die Ballwechsel länger sind, da die Kraft eine deutlich geringere Rolle spielt. Das ist für mich der Hauptgrund, warum ich mir gerne Damenspiele anschaue und auch der Grund, warum es im Damenbereich in der Bundesliga 7 Abwehrspielerinnen gibt, davon mindestens 4 auf absolutem Weltklasseniveau.
Mich für persönlich ist die Länge der Ballwechsel ein relativ wichtiges Maß für die Qualität eines Spiels - wohlgemerkt kombiniert mit einer gewissen Grundtechnik und nicht stundenlanges Rumgekonter wie beim Einspielen - viele andere im Forum hier brauchen weniger als 2 Sekunden um auf einen Beitrag, dass ich ein Damenspiel gut finde zu antworten: bäääääh, was für ne Kacke, die spielen viel zu langsam und können eh nix. Für die Leute ist offenbar Tempo ein wichtigeres Qualitätskriterium.

Das ist halt bei jedem unterschiedlich und es gibt wohl keine allgemeingültige Formel, was ein Spiel zu einem guten Spiel macht. Was Zuschauer anlockt ist noch komplizierter. Nimmt man beispielsweise das Champions League Spiel von Bastian Steger gegen Werner Schlager. Da sag ich persönlich: von den Ballwechseln her war das jetzt nicht das tollste Spiel der Saison, dennoch fand ich der Verlauf sehr interessant und die taktischen Umstellungen im Spiel nach den einzelnen Sätzen. Jemand, der zum ersten Mal Tischtennis sieht, sieht das komplett anders und denkt wahrscheinlich: was is'n da los, warum kriegen die den Ball trotz zweimal Training am Tag nicht 3 mal übers Netz.
Tischtennis ist eine sehr komplexe Sportart und hat viele Qualitätsfaktoren, die man je nach Gewichtung in ihrer Gesamtheit sehr unterschiedlich interpretieren kann. Dazu kommt noch, dass das Publikum gegebenenfalls sehr heterogen ist und nahezu jeder Zuschauer in der Halle einen unterschiedlichen Wissensstand hat, wie gut er ein Spiel interpretieren kann.
Wenn ich mir ein Tischtennisspiel anschaue, sehe ich persönlich das mit ganz anderen Augen als beispielsweise ein Fußballspiel. Klar gibt's im Fußball natürlich auch viele Kriterien, die ein Spiel zu einem guten Spiel machen aber dennoch lässt sich hier aus meiner Sicht eine relativ einfache Formel finden, wann ein Spiel ein gutes ist. Vereinfacht gesagt schau ich da, ob der Ball ganz nett hin- und herläuft, ob Tempo im Spiel ist und ob viele Tore fallen. Um das beurteilen zu können, muss ich von der Sportart an sich kaum etwas verstehen - anders beim Tischtennis.

So ist der Zuschauer neben mir vielleicht total begeistert weil jemand gute Aufschläge hat oder mit jedem zweiten Ball einen Punkt macht während ich auf dem Platz neben dran mir wünsche, ich wäre zuhause geblieben.
Im Übrigen finde ich es wichtig, dass man diese andere Meinung respektiert und nachvollziehen kann. Mich nervt es oft hier enorm, wenn manch einer beim Thema Damen-Tischtennis grundsätzlich wie auf Knopfdruck schreibt "Wer will den Sch... sehen?". Ich schaue mir regelmäßig Damen- und Herrenspiele an und kann beiden sehr viel abgewinnen - der Schwerpunkt liegt halt auf anderen Bereichen und man muss einfach offen an die Sache rangehen. Ich sehe bei den Herren auch gerne Topspinduelle aus der Halbdistanz aber genauso begeistern können mich auch längere Ballwechsel bei den Damen. Wir haben im Saarland seit 3 Jahren jeweils eine Damen- und eine Herrenmannschaft in der höchsten deutschen Spielklasse und nahezu jeder Zuschauer, der bereits beide Mannschaften schauen war, teilt diese Meinung.
Im Übrigen kenne ich auch einen Bundesligatrainer der Herren, der mir gegenüber mal geäußert hat, dass das beste Spiel, das er jemals gesehen hat, ein Damenspiel war und dass das um einiges besser war als 95% der Spiele der Herren-Bundesliga.

Lange Rede, kurzer Sinn: um deine Frage abschließend beantworten zu können, müsste ich wohl eine Doktorarbeit zu dem Thema verfassen.
Es gibt etliche Faktoren, die wichtig sind, um Zuschauer in die Halle zu locken und ich kenne kaum eine andere Sportart, bei der die Meinungen über die Gewichtung dieser Faktoren derart auseinander laufen wie beim Tischtennis. Mir persönlich ist wichtig, dass ich versuche, völlig wertfrei an jedes Spiel, das ich mir anschaue heranzugehen. Das Spiel gegen Grenzau war da auch wirklich schon eine Ausnahme, da ich dem wirklich absolut gar nichts abgewinnen konnte - es gab keine Ballwechsel, der Gegner schien in keiner Phase des Spiels auch nur halbwegs motiviert, es gab keine taktisch großartigen Leistungen, keine besonders spektakulären Aufschläge und auch sonst wirklich nichts, was mich hätte begeistern können.

Was ich mir aber abschließend auch für das Forum wünschen würde wäre einfach mehr Akzeptanz für die Meinung anderer wenn es darum geht was ein gutes Spiel ist - gerade wenn es um den Damen-Bereich geht ist die leider fast gar nicht vorhanden. Wenn man irgendwann vor 10 Jahren mal ein Damen-Bezirksligaspiel gesehen hat, das einem nicht gefallen hat, muss das übrigens auch nicht heißen, dass in der Weltspitze genauso gespielt wird. Hätte ich die Einstellung, dürfte ich nach dem Spiel Saarbrücken gegen Grenzau auch nie wieder ein Herren-Spiel anschauen.
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