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Alt 10.02.2012, 10:28
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AW: Berichte Bezirk Rastatt/Baden-Baden 2011/2012

Nachruf
Mayer ein „wandelndes Tischtennis-Lexikon“

Von Hartmut Metz

Das Volumen einer ganzen Brockhaus-Enzyklopädie hat er vielleicht nicht komplett über Tischtennis gefüllt – aber in einem ganzen Leben konnte man wohl kaum mehr über den Sport mit dem kleinen Zelluloidball schreiben als Gotthilf Mayer. Am 4. Februar starb das Baden-Badener Tischtennis-Urgestein im Alter von 87 Jahren.
„m“, dessen Kürzel nicht nur die zahllosen Artikel im Sportteil des Badischen Tagblatts (BT) schmückte, war auch ein sehr guter Leichtathlet. Doch wegen einer Kriegsverletzung widmete sich Mayer mit großer Passion einem neuen Sport: Zusammen mit Kurt Henn und anderen gründete er 1946 die Tischtennis-Abteilung des SC Baden-Baden. Sein rühriges Engagement fiel sofort auf – und führte dazu, dass der Kurstädter bereits 1948 Pressewart des Tischtennis-Bezirks Rastatt/Baden-Baden wurde. Mit seltener Akribie stürzte sich Mayer in die Aufgabe. „Während der Saison nahm er Samstag wie Sonntag telefonisch Spielberichte und Ergebnisse an. Fax oder gar E-Mail gab es ja damals noch nicht“, erinnert sich Sohn Stefan an den enormen Zeitaufwand. Zu den wohl rund zehn Stunden am Wochenende gesellten sich weitere Stunden an Werktagen, die für das Auswerten von per Post zugesandten Spielberichtsbögen investiert wurde – schließlich versorgte Mayer auch die Medien mit den Resultaten und Tabellen!
Nebenbei überzeugte der SC’ler auch selbst an der Platte: Mit seinen Vereinskameraden Heinz Siegele und Roderich Dietze (dem Erfinder des Paarkreuz-Systems im Tischtennis) eroberte er den südbadischen Pokal. 1954 wurde der SC sogar südbadischer Meister. Für die SWF-Sportreporter Rudi Michel, Hans-Reinhard Scheu und Volker Kottkamp stellte Mayer nebenberuflich die „Sportschau“-Fernsehbilder vom 1. FC Kaiserslautern zusammen.
Der eifrige Schreiber stieg – wenig überraschend – 1959 zum Pressewart des Südbadischen Tischtennisverbandes (STTV) auf. Zudem war Mayer Spielleiter der Oberliga Südbaden, Mitglied im Sportausschuss und stellvertretender Sportwart sowie Mitglied im Verbandsschiedsgericht und zeitweise dessen Vorsitzender. 37 Jahre lang schrieb „m“ aber vor allem über die Zelluloidkünstler der Region. Erst 1995, mit 71, gab er das Verbandsamt ab. Als Bezirkspressewart hörte „Gotth.“, wie er sich lieber rufen ließ, ebenso nach 47 Jahren auf. Das Badische Tagblatt verlieh seinem emsigsten Mitarbeiter bei der alljährlichen Sportlerwahl den BT-Ehrenpreis für das Lebenswerk. Der STTV würdigte den Multifunktionär, der selbst bis etwa 65 als Spieler aktiv blieb, mit Ehrenurkunde, bronzener, silberner und goldener Ehrennadel und zum Abschluss seiner Tätigkeit mit der Ehrenmitgliedschaft.
Mayers bitterster Moment folgte danach: Seine geliebte SC-Tischtennis-Abteilung wurde anno 2000 abgemeldet. Für seinen Lieblingssport interessierte er sich jedoch bis ans Lebensende.
„,Gotth.’ war immer sehr penibel bei seiner Arbeit. Er ist ein Vorbild als Pressewart, weil er unglaublich aktiv war“, erinnert sich der Bezirksvorsitzende und frühere Baden-Badener Klaus Wallner mit Blick auf seinen Vereinskameraden. Eine andere Legende des Tischtennis-Bezirks, Peter Herrmann, würdigt den Verstorbenen ebenso: „,Gotth.’ war ein nimmermüder Schreiber und ein wandelndes Tischtennis-Lexikon!“
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