Auffällig ist, dass die Osteuropäer im Damenbereich schon lange europäische Spitze sind, sei es Russland, Ungarn oder Rumänien. Das sind übrigens auch die Länder, in den der Trainer notfalls auch handgreiflich wird wenn eine Spielerin nicht spurt. Auch bestimmt dort ausschließlich der Trainer was gemacht wird und was nicht - sei es im sportlichen Bereich aber auch wenn es darum geht, ob jemand trotz Verletzung und Schmerzen weiterspielen muss oder auch banale Dinge wie beispielsweise wie lange die Haare einer Spielerin sein dürfen. Wenn der Trainer sagt: lange Haare ab, dann werden sie abgeschnitten - Ende der Diskussion. Dagegen ist die Mentalität deutscher Trainer und unsere Trainingsmethoden eine Wellness Oase in einem Luxus-Tempel.
Ich will damit nicht sagen, dass man die Spielerinnen schlagen sollte aber ich habe doch von dem was man sieht und hört den Eindruck, dass die Bereitschaft sich zu quälen in diesen Ländern deutlich stärker ausgeprägt ist als in Deutschland - mal ganz wertfrei als Einschätzung meinerseits in den Raum gestellt. Bevor in Rumänien der Trainer abgesägt wird springen erst mal 50 Spielerinnen über die Klinge. In China ist das ganze dann noch deutlich extremer.
Ich glaube auch nicht, dass wir ein Problem haben was die Talente angeht, wir haben nur ein Problem was die Einstellung vieler Spieler angeht. Wenn man sich damit zufrieden gibt, auch die nächsten Jahre zweitklassig zu sein, ist das vollkommen legitim, wenn man hingegen den Anspruch hat, zumindest in Europa in die Spitze vorzudringen, muss da deutlich mehr kommen.
Gut finde ich es beispielsweise von Sabine Winter, die unbedingt weiter im vorderen Paarkreuz der Bundesliga spielen wollte. In anderen Vereinen hätte sie im hinteren Paarkreuz deutlich mehr verdient und eine ruhige Kugel schieben können. Sie hat aber den Ehrgeiz, sich vorne mit Spielerinnen zu messen, die wenn sie noch international aktiv wären mit Sicherheit in den Top 20 oder Top 10 der Welt stehen würden. Kurzfristig wird sie da öfter auf die Ohren kriegen, mittelfristig sich aber dadurch, dass sie Woche für Woche stark gefordert ist, deutlich verbessern.
Es gibt halt immer zwei Wege: entweder man gibt sich zufrieden mit dem was man hat und wie gut man ist oder man steckt sich ehrgeizige Ziele und ist bereit, dafür viel zu investieren und einen schweren und teilweise sehr steinigen Weg hinter sich zu bringen.
Perspektivlosigkeit sehe ich da nicht als das große Problem. Beispielsweise kann man sich als erstes Etappenziel setzen, im vorderen Paarkreuz der Bundesliga ordentlich mithalten zu können. Wenn das erreicht ist, spielt man auch international eine gute Rolle und verdient ganz nebenbei auch doppelt so viel Geld wie hinten - das sollte Ansporn genug sein.
EDIT: Hier noch ein Nachtrag vom Europameister im Einbürgern:
http://kurier.at/sport/sportmix/4484...ia-tickets.php
Scheinbar hat Österreich überhaupt gar keinen eigenen Nachwuchs, dass sie jetzt auch Elena Waggermeyer in die Nationalmannschaft berufen. Dann spielen die demnächst mit zwei Chinesinnen, einer Deutschen und einer Russin - herzlichen Glückwunsch! Ein schlimmeres Armutszeugnis für die eigene Jugendarbeit kann man sich wohl nicht mehr ausstellen!