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Alt 28.02.2001, 14:10
Old Schmetterhand Old Schmetterhand ist offline
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Zitat:
Original erstellt von Freddie
Ich schlage vor, daß wir hier mal Ideen sammeln für Änderungen. Damit zeigen wir den Funktionären nicht nur, daß wir kritisieren können, sondern auch eigene Ideen entwickeln.
Zuerst mal möchte ich sagen, daß ich Freddies Idee super finde, denn das Forum bietet zum einen einen repräsentativen Querschnitt aller Aktiven von der Kreisklasse bis zur Bundesliga/Weltspitze und hat zum zweiten mittlerweile sicher auch genug Mitglieder und damit Bedeutung um bei den Funktionären Beachtung zu finden. Deshalb sollten wir unsere Chance unbedingt nutzen konstruktive Vorschläge zu unterbreiten, wie man unseren Sport attraktiver machen kann.

So, jetzt zum Thema:

Das Hauptproblem mangelnder Attraktivität liegt m.E. nicht im Regelwerk begründet, sondern im Image, das Tischtennis in der Öffentlichkeit hat. Ich habe an anderer Stelle schon mal geschrieben, daß wohl fast jeder(!) schon mal einen Schläger in der Hand gehabt hat und im Freibad oder sonstwo auf einer Steinplatte mit Stahlnetz Rundlauf oder Pingpong unter Anwendung der seltsamsten Regeln gespielt hat. Über mangelnde Popularität an sich können wir uns also gar nicht beklagen. Das Problem liegt vielmehr darin, daß TT nicht als Sportart, sondern vielmehr als Freizeitbeschäftigung angesehen wird und sich damit niemand dafür interessiert.

Auch ich gehe im Sommer manchmal in ein Freibad und nachdem dort immer auch andere TT-Spieler sind (von der Kreisklasse bis zur Oberliga) wird dort auch regelmäßig gespielt. Und jetzt kommt das Interessante: Wenn wir spielen, bleiben die anderen Leute auf einmal stehen und schauen eine Zeitlang zu, weil sie sehen, daß das etwas mit Sport zu tun hat, daß man sich dabei bewegt, das Spiel schnell und interessant sein kann, auch wenn man keine Ahnung von den technischen Feinheiten oder Regeldetails hat. Übrigens: Der lange Zeit erfolgreichste Jugendtrainer Münchens hat seine Talente meistens aus den jungen Hobbyspielern der Freibäder und Parks rekrutiert, wenn er entsprechendes Talent erkannt hat.

Unsere Bemühungen sollten also dahin gehen, am Image unseres Sports in der Öffentlichkeit zu arbeiten. Ich bin nicht grundsätzlich gegen Veränderungen, aber was nutzt ein größerer Ball, ein höheres Netz, veränderte Aufschlagregeln, kürzere Sätze etc., wenn das gar keiner außerhalb der relativ kleinen Gemeinde der Aktiven mitbekommt? Zur Steigerung der Popularität trägt das m.E. nicht bei, zumindest nicht alleine und vor allem nicht ursächlich.

Freddie, Du hast die Problematik mal mit der Wirtschaft verglichen, wo Neuerungen (auch unpopuläre) notwendig sind um etwas zu bewegen und zu verbessern. Richtig! Laß mich dieses Bild kurz aufgreifen: Wir sind eine Firma, die ein Produkt vertreibt, das an sich schon ganz gut ist und wir bemühen uns ständig das Produkt weiter zu verbessern. Eine Neuerung jagt die nächste, eine ist gut, die andere ist vielleicht mal nicht so gut, unsere Zulieferer verdienen sich an uns dumm und dämlich, aber leider stagnieren unsere Verkaufszahlen trotzdem oder sind sogar rückläufig. Wir haben nämlich bei allen Bemühungen eines vergessen: das Marketing! Keiner weiß eigentlich, daß wir dieses Produkt vertreiben. Na gut, wir haben unsere Stammkunden, aber da geht auch mal der eine oder andere zur Konkurrenz und neue Kunden kommen einfach nicht dazu.

Deshalb mein konkreter Vorschlag: Öffentlichkeitsarbeit an der Basis, also bei den Jugendlichen.
Wir müssen Präsenz zeigen, wann immer es geht und versuchen das zu vermitteln, was unseren Sport so attraktiv macht, nämlich die schnellste Ballsportart zu sein. Dies könnte z.B. durch Schaukämpfe als ergänzendes Rahmenprogramm bei irgendwelchen Jugendveranstaltungen geschehen, die Vereine könnten in ihrem Einzugsgebiet kleine Feste organisieren, wo unter anderem eine TT-Darbietung gezeigt wird, Turniere für Nicht-Vereins-Spieler könnten organisiert werden u.v.m., was sicherlich auch schon praktiziert wird, aber eben zu wenig und zu unkoordiniert (hier kommen die Verbände ins Spiel).

Mir ist klar, daß solche Maßnahmen Geld kosten, das nicht gerade reichlich vorhanden ist und zudem viel Engagement einzelner Leute erfordern. Aber wie in der Wirtschaft können wir nur dann Gewinne erzielen, wenn wir vorher investiert haben. Wenn wir zu „geizig“ sind unser Produkt zu bewerben, dann wird es auch niemand kaufen, weil keiner informiert ist, daß wir es überhaupt vertreiben. Da können wir noch so viel verbessern, es wird niemand bemerken.
Wir haben ein riesiges Potential an Interessenten (sicherlich deutlich mehr als z.B. Skispringen, aber uns fehlt halt noch der Überflieger, der TT für weitere Sponsoren interessant macht), aber wir müssen Kunden daraus machen!

Der Erfolg stellt sich dann irgendwann von alleine ein. Wenn wir eine größere Popularität Akzeptanz bei der breiten Masse erreichen, werden auch unsere Investitionen wieder zurückfließen, wenn TT im Fernsehen gewünscht würde, dann würde es auch übertragen werden. Damit wäre es dann auch für Werbeträger interessant und somit lukrativ. Mehr Mitglieder ermöglichen den Vereinen eine bessere Jugendarbeit, die Chance international herausragende Erfolge zu erzielen würde steigen.
Die Taktik nur durch Regeländerungen mehr Attraktivität zu erreichen, ist der Versuch die eierlegende Wollmilchsau zu erfinden, das werden auch die Herren vom DTTB oder vom ITTF nicht schaffen.
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