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Re: Bei Verletzung/Krankheit antreten oder nicht
Es ist natürlich unmöglich, die Bedingungen nachzuempfinden, unter denen die Topstars der Szene TT betreiben. Meiner Auffassung nach sind es dort nur Nuancen, die den Unterschied auch zwischen einem Top-Tenspieler und jemandem, der "nur" zur erweiterten Spitze gehört, ausmachen.
Timo Boll war also sicher in einer Zwickmühle:
Tritt er gar nicht erst an, gilt er als "Memme", die bei jeder kleinsten "Haarwurzelreizung" aufgibt; er hat "keinen Biß".
Tritt er an in einer Verfassung wie bei den German Open und verliert dann gegen jemanden, der im übrigen danach auch noch Joo See Hyuk einen großen Kampf über sechs Sätze geliefert hat (also beileibe kein schlechter!) zerreissen sich die Leute auch das Maul.
Ich denke, Boll war in Bremen in einer Situation, in der er nichts gewinnen konnte. Welche Entscheidung auch immer er getroffen hätte, man hätte ihm ohnehin Vorwürfe gemacht, die Kritik wäre in jedem Fall negativ gewesen.
Ich finde es gut, dass er es dort versucht hat - gerade auch angesichts der vielen Kids dort, die erfahrungsgemäß sicher eine noch viel größere Affinität zu ihren local heroes haben als die meisten Erwachsenen.
Durch das Antreten dort hat er m.E. seine Verantwortung seinem Job und der Entwicklung/Öffentlichkeitswirksamkeit des TT-Sports in der BRD gegenüber wahrgenommen.
Wäre es nur eine banale Erkältung gewesen, hätte das ja mit Glück bis zum nächsten Einsatz noch besser werden können; zumindest gab es ja noch die Chance im Doppel zu glänzen ala Werner Schlager (der übrigens wie ich finde ganz stark vom Publikum unterstützt wurde).
Nun wars eine Virusinfektion und damit war dann alles hinfällig.
Ich scheue mich, meine eigene Situation mit der der Profis zu vergleichen, bemühe ich aber dennoch mal:
Ich habe schon Punktspiele gespielt, in denen ich mir vorher den Rücken derart verrenkt hatte, dass ein Mannschaftskamerad mir jeweils den Ball aufgehoben hat, weil ich nicht soweit runter kam. Erkältungen, Sehnenscheidenentzündungen am Handgelenk .... hat mich alles nicht davon abgehalten, mich an den Tisch zu stellen. Voraussetzung ist immer, dass das der Mannschaft hilft. Einzelturniere würde ich in solchem Zustand ganz sicher nicht spielen.
Gruß Tom
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