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Re: Timo Boll ausgeschieden
@ Magic Backhand
Niemand - am wenigsten ich - stellt Timo Bolls Fähigkeiten als TT-Spieler in Frage. Er ist derzeit der beste, den das deutsche TT hat, und wird das wohl noch eine lange Zeit bleiben. Niemand schmälert seine Leistungen, die sich allerdings an anderen großen Namen des TT messen lassen müssen. Das spricht dann für sich selbst. Timo Boll ist ein herausragender Spieler, der das Potential hat, noch besser zu werden. Im Augenblick - und das kann sich ändern - sieht es allerdings mehr danach aus, daß es sich bei ihm so verhalten könnte wie bei vielen anderen Spielern auch: Zwar überragendes Talent, aber Defizite in anderen Bereichen, die ihn hindern, über einen längeren Zeitraum sein ganzes Potential auszuschöpfen.
Das ist die eine Seite der Medaille.
Die andere Seite ist die: Wer als herausragender Vertreter des deutschen Spitzen-TT im Licht der Öffentlichkeit steht, kann sich Äußerungen wie "Tischtenniskasper" nicht erlauben. Es steht Timo Boll wie jedem anderen auch frei, Frank Müller und sein Spiel nicht zu mögen, aber auch Timo Boll schuldet Frank Müller den Respekt, den Boll für sich selbst reklamiert. Ich kann mich nicht erinnern, daß Frank Müller in der Öffentlichkeit Timo Boll ähnlich abqualifiziert hat.
Die sportliche Leistungsfähigkeit von Timo Boll steht außer Frage. Die charakterlichen Eigenschaften, die man von einem Spitzenspieler und Repräsentanten des deutschen TT erwarten kann und muß, läßt er mit solchen Äußerungen vermissen. Das deutlich auszusprechen hat nichts mit mangelndem Respekt zu tun. Bolls Leistungen als Sportler waren respektabel, diese Äußerung war es nicht. Jugendliches Alter ist dafür keine Entschuldigung.
Es ist seine Sache, das Etikett des "Weicheis", das ihm mittlerweile in der Öffentlichkeit anhaftet, zu korrigieren. Aber das geht nicht durch larmoyante Äußerungen wie "Ich war krank" oder "Der andere hat auf einmal meine Topspins alle gekriegt", sondern nur durch Leistung, Leistung, Leistung. Morpheus hat sehr zutreffend darauf hingewiesen, was andere Spieler bereits in Bolls Alter geleistet habe.
Nehmen wir Waldner, den Senior. Der kann bald Senioren über 40 spielen. Der hätte es nicht nötig gehabt, sich nach seinem Fußbruch wieder zurück zu quälen. Auch die Art und Weise, wie Waldner mit seinen eigenen Problemen - Stichwort: Spielsucht - in der Öffentlichkeit umgeht - ist beispielhaft. Da wird nicht gejammert, sondern zu seinen Fehlern und Problemen gestanden und nicht nach Entschuldigungen gesucht. Das nenne ich Sportsgeist und Profitum.
Gruß, Volkmar
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