Hab' mir nicht die Mühe gemacht, gefühlte 712 Seiten dieses Threads durchzulesen. Überschneidungen mit bereits kundgetanen Äußerungen möge man mir nicht übelnehmen...
Alllllllso, hier mein Senf (nicht nur) bezogen auf's Finale:
Boll und Ovtcharov in schlagtechnisch recht guter Verfassung. Allerdings nicht in taktischer. FTurner hat's bereits erwähnt; was da in sehr wichtigen Situationen für Aufschäge fabriziert wurden, tat weh. Gerade dann, wenn man mitgelitten hat. Das taktische 1 x 1 wurde phasenweise ignoriert. Halblange Aufschläge waren alles andere als 'ne Seltenheit. GEGEN CHINESEN! ALLES, was nicht offensiv mit 300 km/h und max. Spin gegen die Jungs auf deren Tischhälfte aufkommt, wird von denen gnadenlos attackiert. Mit 'ner Erfolgsquote, die in Richtung 90% geht. Und was passierte Boll ab und an und Ovtcharov sogar recht häufig? Und zwar in spielstandtechnisch verdammt wichtigen Situationen? Halblange Aufschläge bzw., im weiteren Verlauf der Ballwechsel, langweilige Blockbälle. So kann man gegen die Jungs nicht bestehen. Höheres Risiko hätte bei eigenen Bällen gegangen werden müssen. Und das IMMER mit max. Spin und, dem Winkel der jeweiligen Spiel-Situation angemessen, max. Tempo. Spielt man anders, kann man nicht gewinnen. Gegen den Rest der Welt schon. Aber eben nicht gegen die Chinesen.
Guckt Euch doch mal an, was bspw. Ovtcharov ab dem 9:4 im 2. Satz gespielt hat. Und vergleicht das mit dem, was er im 2. bis 9:4 gespielt hat. Aufschlag bei 9:5 = lang. Und zwar nicht überraschend in die tiefe Rückhand. Rückhand Top Spin bei 9:6 = wech (kann natürlich passieren) = unmittelbare Reaktion = hängende Schulter, Blick nach unten. Was nichts anderes heißt, als = oh scheiße, ich führe zwar 9:7, glaub' aber im Leben nicht an den Satzgewinn. Dann Fehler zum 9:8, frustrierte Gang nach hinten. An nix glaubend. Fehler zum 9:9, Körpersprache wird immer lethargischer. Schlechter Return bei 9:9 von Ma Long (viel zu hoch und weit), aber Ovtcharov steht viel zu tischmittig und kann dann zum Rückhandball nur schlecht stehen. Geht kaum anders. Hätte er sich nach seinem Aufschlag weiter in die Rückhand gestellt, hätte er die Rückhand vor'm Körper spielen können. So aber war der Ball viel zu weit links von ihm. Anschl. Reaktion = hadern mit sich unter der Welt. Bei 9:10! Gegen einen Chinesen! Heißt nix anderes als = Haken! Beim anschl. Ballwechsel dann Ma Long mit dem Selbstvertrauen eines Akteurs, der aus einem 4:9 ein 10:9 gemacht hat. Aber warum hat er das machen können? Hatte AUCH WAS mit eigener Stärker zu tun. Aber vor allem mit Ovtcharovs Schwäche, die Ma Long einfach nur gnadenlos ausgenutzt hat. Hab' beim gesamten Turnier kaum mal einen Chinesen gesehen, der sich über einen eigenen Fehler offensichtlich geärgert hat. Aber nach guten Punkten haben sie sich permanent gefreut. Warum machen die das wohl so?
Hab' das mal 'n büschen ausführlicher gemacht, weil's dann imho offensichtlicher und auch objektiver wird.
Was Ovtcharov dann im 3. teilweise für Aufschläge gemacht hat, war eine Beleidigung. Was er dann aber wieder gespielt hat, als das Ding schon fast wech war, war teilweise großartig.
Das ganze Endspiel lief fast durchgehend unter der Überschrift: "Was machen die Deutschen da in engen Spielsituationen?" Warum machen sie nicht das, was sie zuvor wirklich phasenweise toll gemacht haben? Gerade im taktischen Bereich haben sie in engen Spielsituationen versagt. Das fiel aber nur auf, weil sie in weniger engen Momenten wirklich klasse gespielt haben und es nur deshalb zu diesen engen Situationen gekommen ist. Aber wie häufig waren Boll und Ovtcharov dann der Meinung, dass ein langer Aufschlag in die Vorhand jetzt wohl genau das Richtige wäre?
Die Chinesen schlagen übrigens auch recht häufig lang auf. Das können sie allerdings aus taktischen Gründen auch. Dann wird's für die einfacher, in den eigenen Angriff zu kommen. Denn die (leider nur die...) sind derart schnell und technisch ausgereift, dass sie auf nahezu jede Reaktion auf einen langen Aufschlag selbst angreifen können. Und nicht denken, dass ein Blockball jetzt wohl genau das Richtige wäre. Denn wer kurz aufschlägt, provoziert einen kurzen Return. Wenn man aber schnell genug ist, auf alles Lange aggressiv zu reagieren, muss man keinen kurzen Return provozieren. Aber eben nur dann.
So, genug geärgert...
Ach ja, noch was: in der ARD-Sportschau ging es um Bayern München und deren Verhalten in den letzten Wochen. Und da meinte Gerhard Delling nur: "So geht Mannschaft". Recht hat er! Denn die Chinesen haben auch gezeigt, "wie Mannschaft geht". Keine Auszeit irgendeines Chinesen, in der nicht alle Chinesen aufgestanden sind und dem Akteur das Gefühl gegeben hätten, sie stünden hinter ihm. Zumindest in den Auszeiten, die ich gesehen habe. Ein Ma Lin hat sich hier besonders ausgezeichnet. Hier geht's nicht ums Inhaltliche. Hier geht's um Zeichen setzen.
Und bei den Deutschen? Boll hat sich gefühlt noch 3 Std. auf der Bank sitzend über seine Niederlage geärgert. Ovtcharov hat von Baums Spiel gefühlt überhaupt nix mitbekommen. Denn der hat sich gefühlte 9,5 Std. über sein Match geärgert.
SO geht MANNSCHAFT auf jeden Fall NICHT!
Die Chinesen waren nach außen hin auch noch das bessere TEAM. Und das hatte NIX mit Technik und Taktik zu tun. Das hatte etwas mit einem GEMEINSAMEN Ziel zu tun.
Das Schöne ist, dass das alles Punkte sind, die man innerhalb von 5 Minuten abstellen könnte. Da bedarf es keiner einzigen Trainingseinheit. Zumindest nicht am Tisch. Bin mir sicher, dass Rossi es machen wird.
Und deshalb wird Deutschland Olympiasieger!

DAMIT DAS KLAR IST!