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Alt 02.04.2012, 17:45
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AW: Fazit zur Leistung des Deutschen Herrenteams bei der WM 2012 mit Blick auf Olympi

Ganz gute Analyse, was das "Technische" angeht.

Meiner Meinung nach ist da allerdings nicht das Hauptproblem zu suchen.
Das liegt vielmehr im mentalen Bereich und in der Einstellung.
Gut zu sehen am Interview, das Boll nach dem Finale gegeben hat.
Er war - ich schrieb es bereits im WM-Thread - zwar sicherlich traurig über die Niederlage, aber wirklich mitgenommen hat ihn das offenbar nicht, dass man die (durchaus vorhandenen) Mini-Chancen nicht nutzen konnte, den Chinesen zumindest ein wenig Angst einzujagen.
Nach dem Motto:
War so erwartet worden, dass man verliert, ist auch so gekommen; also abhaken.
Die Chinesen sind ja eh stärker.

Da fehlt der letzte Biss.
Vielleicht ist man nach vielen Vize-Titeln auch zu satt.
Hat sich mit der Rolle des Zweiten abgefunden, mehr will man scheinbar gar nicht wirklich.
Best of the rest; das ist auch eine anerkennenswerte Leistung.
Nur: so wird das nichts mehr mit einem großen Titel, auch nicht was das Olympia-Einzel angeht.

Kritisierenswert ist dann auch noch die Körpersprache und das Verhalten von Baum, Ovtcharov, Steger und in einigen Phasen auch Boll:
Hängende Schultern sieht man bei den Chinesen nie, die kämpfen immer und glauben an den Sieg. Egal wie's steht. Die WOLLEN den Sieg, unbedingt.
Bei den Deutschen hingegen macht sich schnell mal Lethargie breit.
Ovtcharov führt gegen Ma Long 9:5, dann steht's plötzlich 9:9.
Wie das kommt? Klar, Ma Long hat 'nen Gang hochgeschaltet, aber Ovtcharov hat ihn quasi stark gemacht. Allein schon dadurch, dass die Körpersprache das ausdrückte, was Ovtcharov dachte: den Satz gewinn' ich nie. Verdammt, jetzt hat der olle Chinese schon zwei Punkte aufgeholt. Ich hab' doch irgendwie keine realistische Chance...

Besonders schlimm ist hier Baum:
Wirkt phasenweise - auch nach dem Finale - wie ein bockiges Kind, dem man gerade das Eis weggenommen hat. Null Selbstvertrauen.
Motto hier:
Och männo, nun muss ich schon wieder den Ball aufsammeln gehen; ich will nach Hause...
In anderen Phasen, wenn er 'nen guten Lauf hat, feuert er sich dann plötzlich selbst an und siehe da - spielt viel risikofreudiger. Das schwankt mitunter innerhalb eines einzigen Satzes enorm.

Nur um nicht missverstanden zu werden:
Die Chinesen sind spielerisch einfach 'ne gute Ecke besser.
Vom Mentalen her sind sie allerdings unseren Jungs Äonen voraus, da ligen wirklich Welten dazwischen. Spielerisch ist Boll nahe dran, mental weit entfernt.
Wenn man nun die mentalen Probleme abstellen könnte, heißt das nicht, dass Boll und co. die Chinesen demnächst aus der Halle fegen, keinesfalls.
Aber dann könnte man zumindest bei einem absoluten Sahnetag (und dem Publikum im Rücken) darauf hoffen, dass wirklich mal ein Titel herausspringt.
Eher allerdings ein Einzeltitel als ein Mannschaftstitel, denn als Mannschaft ist China kaum zu schlagen.
Zumindest würde man dann sehen - auch als Zuschauer - das die Jungs daran glauben, etwas reißen zu können, das Unglaubliche zu schaffen.

Bei der derzeitigen "Wir-sind-eigentlich-zufrieden-mit-dem-Erreichten"-Einstellung kann man - auch an einem perfekten Tag und mit noch so viel Unterstützung - keinen großen Titel holen...

Geändert von Obachecka (02.04.2012 um 18:38 Uhr)
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