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Alt 22.05.2012, 12:09
pibach pibach ist offline
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AW: Butterfly Keyshot Light

Zitat:
Zitat von tougel Beitrag anzeigen
In wiefern wird hier denn etwas "bewegt"? Es wird verformt! Dem Impulskraft des Balles erzeugt einen Druck auf der Holzoberfläche. Wie sehr dieser Druck das Material verformt hängt NUR von der Druckfestigkeit ab! Was meinst du, wie diese bestimmt wird?
Die Biegefestigkeit spielt keine Rolle. Denn, wie du vorhin ja schon festgestellt hast, das KSL ist sehr steif.
Erstmal wird durch die Verformung auch Material bewegt. In den statischen Drucktest wird die Massenträgheit nicht berücksichtigt. Bei Dynamik, also der hohen Geschwindigkeit des Balles, darf man das aber wohl nicht vernachlässigen. Auch wenn dieser Effekt im Vergleich zur Biegefestigkeit wohl recht gering ist.

Dann hat das Holz als Faserstoff eine recht hohe Biegefestigkeit und ist elastisch (geringer Energieverlust durch die Verformung). Im Gegensatz z.B. zu einer Gelmasse (ggf. auch elastisch vom "Flummy" bis "Kaugummi" aber kaum biegefest). Theoretisch könnte man eine Gelmasse mit gleicher Druckfestigkeit wie Holz aufbauen, das hätte aber völlig andere Biegefestigkeit und Spieleigenschaften, ich denke das ist klar.

Die Biegefestigkeit spiel in sofern eine Rolle, als dass sich lokal eine Delle um den Ball herum ergibt, die kann unterschiedlichen "Radius" haben bzw. ohne Biegefestigkeit (bei der Gelmasse) würde die Delle genau um den Ball herum liegen. Je größer der Radius, desto geringer die Eindringtiefe (bei gleicher Druckfestigkeit), kürzere Berührzeit und energieähnlicher Wiederaustritt (messbar durch Absprunghöhe) und auch geringere Streuung und Schnittentwicklung.

Insbesondere die Zugfestigkeit und auch Dehnbarkeit (E-Modul) spielt hier eine Rolle - die Gegenseite der Delle wird auf Zug belastet, daher nimmt man ja Arylat als Sperrschicht, aber auch innerhalb der Kernfurniere ergibt sich Stauchung und Dehnung. Diese lokale Einbuchtung um den Ball herum entsteht, auch wenn der Holzaufbau, wie hier das Keyshot, insgesamt sehr biegefest ist. Würde man das im Queerschnitt betrachten, hätte man auf der Ballauftreffseite eine Delle, die andere Seite bleibt wegen der zugfesten Arylatschicht aber naherzu gerade. Allerdings hat durch die sehr zugfeste Arylatschicht die "Delle" wohl einen vergleichsweise großen Radius. Dadurch wird dann aber eben auch bei gleicher Tiefe mehr Material bewegt.

Ich denke hier spielt die Scherfestigkeit des Kerns (bzw. auch des Aussenfurniers) eine Rolle, wie stark die Sperrschicht bei solch einer Verformung gedehnt wird. Und natürlich die Dehnbarkeit der Sperrschicht. Carbonanteile verändern wohl auch die Dehnbarkeit der Sperrschicht.

Jedenfalls sind die Eigenschaften solcher Verbundstoffe recht komplex, insbesondere ihr dynamisches Verhalten. Das lässt sich nicht nur auf die Druckfestigkeit des Kerns reduzieren. Genaue Erkennnis brächte dann nur eine experimentelle Vermessung und Hochgeschwindigkeitsanalyse.

Geändert von pibach (22.05.2012 um 12:52 Uhr)
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