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Alt 25.06.2000, 21:28
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Mephisto Mephisto ist offline
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Meiner Meinung nach befinden wir uns hier in einem Grenzbereich.

Speziell im Spitzensport gehört anfeuern und ein bewußtes Einsetzen solcher Gesten direkt und indirekt dazu ( mir ist kein Kaderspieler bekannt, der nicht mit solchen Mitteln arbeitet). Indirekt, um dem Kontrahenten eigene Stärke zu vermitteln und ein Selbstvertrauen zu dokumentieren. Direkt, um sich selber hochzupushen und evtl. einen vermeintlich stärkeren Gegner zu besiegen. Problem ist die BEWUSSTE Anwendung dessen. Viele Kinder haben solche Verhaltensweisen aufgesetzt oder abgeschaut, ohne die Intention begriffen zu haben. Sie nutzen diese dann lediglich zur Konfrontation. In diesem Fall sind sie dann nicht mehr zielgesteuert und somit auch weniger effektiv. Folge bei Nichterreichen des Ziels, sprich Niederlage, steht dann oft Enttäuschung. Diese entläd sich speziell bei den jüngeren Jahrgängen dann in Tränen.

Ich denke mal, hier sind die Trainer gefragt. Den Kindern muß ggf. bewußt sein, welche taktischen und psychologischen Mittel sie einsetzen und warum. Dafür gibt es kein allgemeingültiges Erfolgsrezept; auf jeden Fall muß viel geredet werden, um ein Kind für so ein Thema zu sensibilisieren. Hilfestellung kann auch der Besuch von Spitzensportveranstaltungen sein, bei denen die Kinder den schmalen Grat zwischen leistungsförderden anfeuern und unfairen Verhaltenweisen recht gut beobachten können. Sollte man sich so eine trainingsbegleitende Maßnahme nicht zutrauen, sollte man auf solche Mittel wohl besser gänzlich verzichten.

Natürlich ist das auch charakterabhängig. Und als Trainer muß man leider manchmal erkennen, daß man in 4-8 Stunden wöchentlich nicht eine verpatztte Erziehung und ein schlechtes Umfeld ausgleichen kann. Außerdem sind schlechte Vorbilder bei den Erwachsenen auch oft kontraproduktiv.

Generell bleibt die Frage: Ab welchen Alter sollte man solche Mittel überhaupt einsetzen?

Das Problem wird sein, daß es einfach von oben suggeriert wird und es auf das eigene Verhalten übertragen wird.

Trainer und Eltern spielen in diesem Zusammenhang auch eine entscheidende Rolle bei den Wettkämpfen. Druck aufbauen und pushen können alle - hinterher nach einem Negativerlebnis sind die wenigsten da.

Nun nochmal konkret zu Rykers Beispiel: War eigentlich kein Schiri in der Halle? Bei dem beschriebenen Verhalten hätten beide Spieler nicht schadlos bleiben dürfen. Durch die Tolerierung, speziell im Endspiel, wird sich dieses Verhalten zum Teil auf zuschauende Kinder multiplizieren.

In Hessen gibt es einen Schüler, der Heulen sogar als taktisches Mittel einsetzt, um den Gegner mit Spielunterbrechungen aus dem Konzept zu bringen. Er war schon auf südwestdeutscher Ebene "vorbestraft", hatte aber in den vergangenen Monaten wiederholt durch solche Szenarien, gepaart mit Tischtritten und Schlägerwürfen, gehandelt. Bei den letzten Ranglisten hat er durch rote Karte und Turnierausschluß die Quittung bekommen. Natürlich steht da auch ein persönliches Schicksal dahinter, aber ein konsequenter Umgang in jungen Jahren ist erforderlich und wegweisend.

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Carpe diem

Mephisto
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