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Alt 22.06.2012, 10:42
User 17544 User 17544 ist offline
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Zitat:
Zitat von Jaskula Beitrag anzeigen

Hast Du meinen Treuhand-Link mal etwas nach unten gescollt.
Da wird genug über Betrug und Korruption gesprochen.


Sich das Ergebnis anschaun, grob drüberblicken und dann ein Urteil fällen ist m.E. zu einfach.

Die Kapriolen gibt es auch bei uns zuhauf.

Nicht nur im Falle Griechenlands ist es einfach notwendig, sich das Ganze in Ruhe aus der Nähe anzuschaun und dort zu handeln, wo es sinnvoll ist. Vor allem auf der Einnahmenseite. Nicht aber totsparen.

Urteilst Du in ein paar Monaten dann über Spanien genauso, wenn dieses erlegt ist ? Dann über Italien ebenso ? Und Portugal, Irland ...

"Die Märkte" machen Jagd und die Politik lässt sie gewähren, ja tut sogar was diese von ihr verlangen.
Du verstrickst dich mMn zu sehr in Details.

Ich urteile jedenfalls nicht über die Menschen, sondern beurteile die Sachlage. Die ist in griechenland nun mal so, dass der griechische Staat pleite ist. Daran ist nun mal ein völlig überzogen großer Staatsapparat und ebenso ein Militär, Korruption in einem Ausmaß, das wir hier nun mal zum Glück nicht kennen, die Unfähigkeit die fälligen Steuern einzutreiben und völlige Konzeptlosigkeit, dass in den Griff zu kriegen schuld.

Glaub mal nicht, dass es mir gefällt, dass vor allen anderen die ärmere Bevölkerung Griechenlands am meisten leiden wird. Nur habe ich kein Patentrezept in der Tasche, dass das verhindern könnte. Ich fürchte du auch nicht. Ideologische Phrasendrescherei wird den Griechen nun auch mal nicht Helfen können.

Der erste Schritt muss einfach der sein, dass sie ihren monströsen Staatsappart auf ein angemessenens und von den gGriechen selbst zufinanzierendes Maß zurückfahren. Dann müssen sie dringenst ihr Steuersystem überarbeiten, so dass alle Griechen ihre Steurn zahlen. Und damit die Steuern nicht unnötig erhöht werden müssen, ist es halt dringend nötig, dass sie ihren Staatsappart incl. Militär gründlich zurückfahren.

Dann müssen Konzepte her, die dir griechische Wirtschaft beleben können. Da ist Hilfe selbstverständlich innerhalb einer Gemeinschaft wie der EU angesagt und nötig. Einfach ist das aber trotzdem nicht. Denn wenn selbst die Milliadäre Griechenlands, die es nun mal gibt, nicht bereit sind, Investitionen zu tätigen, wird es schwer ausländische Investoren zu finden, denen im Übrigen dann eh nachgesagt wird, dass sie als Ausbeuter ins Land kommen, nur weil sie selbstverständlich auch was dabei verdienen wollen und nicht nur reinbuttern.

Aber ich höre mir gern konkrete Vorschläge von dir an, wie es denn in Griechenland und anderswo funktionieren könnte. Nur bitte keine Allgemeinplätze aller: "Einnahmen erhöhen", "nicht sparen, sondern investieren" und so ideologisch geprägtes Zeugs... Ganz konkret bitte.

BTW: Ich hoffe, dass dir klar ist, dass ich grundsätzlich ganz bei dir bin
Kann nur mit all zu viel Theorie nicht viel anfangen, die keine konkrete praktische Lösung beinhaltet.

Mit dem Banken und Finanzmärkten ist es ähnlich. Die sind mir selbstverständlich auch ein Dorn im Auge. Nur habe ich dafür auch keine Lösung in der Tasche. Ich weiß nur, dass nationale Alleingänge kritisch betrachtet werden müssen. Dann zieht die Karawane halt weiter, was uns selbst in Bedrängnis bringen kann. Internationale Lösungen sind deshalb wesentlich erstrebenswerter. Ja ich weiß, das geht dir alles nicht schnell genug, aber ich kann's nun mal auch nicht ändern und bin daran auch nicht schuld

BTW: Ich lebe hier im Ruhrgebiet, einer Region die einen sogenannten Strukturwandeln hinter sich hat. Ich persönlich kenne so viele Menschen, die dabei auf der Strecke geblieben sind. Gewiss keine angenehmen Erfahrungen. Bitte sehe es mir nach, dass sich mein Mitleid mit der griechischen Misere in Grenzen hält. Nicht etwa aus Schadenfreude oder Häme. Einfach aus der regionalen Erfahrung heraus, die mir gezeigt hat, dass nur eine gehörige Portion Eigenverantwortung und der Wille der Menschen wieder auf die Beine zu kommen zu wollen hilfreich ist.

Schau dir die Situation bei den Bochumer Opelwerken an. Da geht es dem Ende zu. Ohne Wenn und Aber. Kannst ja mal mit den Opelanern hier reden und dir erzählen lassen, was die in den letzten Jahren an Gehaltseinbußen haben hinnehmen müssen. Es wird auch wohl noch weiter an der Gehaltsschraube gedreht. Jedes halbe Jahr künstliche Verlängerung wird die Kollegen einiges kosten. Kannst ja mal die Gehälter eines Arbeiter bei VW in Wolfsburg mit dem eines Kollegen bei Opel in Bochum vergleichen. Da klaffen Welten zwischen. Dann frag dich mal, was mit den Opelanern in Bochum wird, die bei der Schließung so um die 50 sind.

Sorry, aber geh' mir weg mit dem Gejammer über die armen griechischen Staatsangestellten, die angeblich nix für ihre Misere können, deren Pensionsansprüche noch bis in den zweiten Verwandtschaftsgrad vererbt werden...