Einzelnen Beitrag anzeigen
  #40  
Alt 25.06.2012, 20:51
Benutzerbild von Fozzi
Fozzi Fozzi ist offline
Wir schaffen das!
Foren-Urgestein - Master of discussion *****
 
Registriert seit: 11.12.2001
Ort: Bensem
Alter: 55
Beiträge: 17.680
Fozzi ist ein angenehmer und geschätzter Diskussionspartner (Renommeepunkte mindestens +150)Fozzi ist ein angenehmer und geschätzter Diskussionspartner (Renommeepunkte mindestens +150)
AW: Unsere EM: Mein Viertel – meine Halbzeit – mein Blog!

Zum Abschluss ENG-ITA in Kiev: Warum sich Ukrainer nicht anschnallen !?

Ich bin ja der Meinung, dass man gut daran tut, seine Erwartungen nicht zu hoch anzusetzen. Enttäuschte (zu hohe) Erwartungshaltung halte ich gerade in westlichen Ländern für einen wesentlichen Grund für Unzufriedenheit, eine Unzufriedenheit die Untersuchungen zu folge nicht die tatsächlichen Lebenswirklichkeit abbildet. Daher versuche ich, meine Erwartungen tendenziell eher niedrig anzusetzen. Ewige Liebe, der große Lottogewinn, der Meistertitel 2014 in Frankfurt - ich weiß nicht. Ich persönlich bin mit dieser Lebensstrategie, denke ich, bisher ganz gut gefahren.

Was erwartet man aber, wenn man mit tausenden von Fans in ein Viertelfinale der Fußballgiganten England und Italien pilgert?? Ein Spiel zwischen Weltmeistern, mit den feurigen Tifosi und den sing(trink)freudigen Briten – vor toller Kulisse. Man erwartet schlicht ein Fußballfest !!!

Es tut mir leid, ich wurde enttäuscht. Ich wundere mich über die guten Kritiken bezüglch des Spiels. Das Spiel war wirklich schlecht. Italien hatte einen recht guten Spielaufbau, aber ab dem Strafraum war doch schnell Schluß. England hatte dem gar nichts entgegen zu setzen. England spulte ein Fehlpaßfestival vom feinsten ab, hat im Prinzip versucht, jeden Ball auf Rooney zu schlagen, dem man technisch ansah, dass er der einzige Engländer war, der in der Lage gewesen wäre, mit den Italienern mitzuhalten. Aber die haben ihn gedoppelt, die Engländer früh gestört und da eh kaum ein Paß ankam, sind die Engländer eigentlich nur gerannt. Katastrophe.

Italien kann man zugestehen, dass man einen modernen Fußball gespielt hat, aber mit ein bisschen Tempo wäre es durchaus möglich gewesen, die hüftsteifen Rambotypen auszuspielen. Immer, wenn Italien mal wirklich schnell und direkt gespielt hat, sank die Paßquote schnell auch ins Bodenlose. Daher fing Italien früh an, sein Glück in Weitschüssen zu suchen. Kein Wunder, bei diesem Stürmer. Barotelli, oder so. Unterirdisch! Bei den Weitschüssen wurde die Kiste phasenweise meterweit verfehlt. Und dann höre ich zum Teil, dass dieses Spiel das bisher beste Spiel der EM gewesen sein?? Erstaunlich, unglaublich. Sollte ich mich so täuschen – eine Sinnestäuschung verursacht durch überzogene Erwartungshaltung?

Enttäuscht war ich auch vom italienischen Support. Haben die Italiener auf der Straße noch für farbenfrohe Stimmung gesorgt, war’s im Stadion vorbei. Dort hatten ganz klar die Inselaffen die Hosen an! Mächtiger Auftritt !!! Der gemeine Ukrainer hatte es aber eher mit den Blauen und so schwappte ab und an ein „Italia, Italia!“ durchs Stadion. Hübsch.

Apropos hübsch Dieses Spiel sollte also den Abschluss meines Ukraine-EM-Abenteuers sein. Nachdem ich zunächst in Lemberg von der Schönheit des Landes überrascht wurde ( ) wollte ich in der Hauptstadt nun tiefer vordringen ( *hüstel* ). In einer Woche kann man natürlich nur an der Oberfläche kratzen, aber ein gewisses Muster war schon erkennbar. Die Ukraine ist ein junges Land mit langer Geschichte, ein Land mit eigener Identität, aber keiner einheitlichen Sprache. Es gibt klare Tendenzen einer neuen Generation, ein neues Selbstbewusstsein in die Welt zu schreien, aber gleichzeitig auch den Wunsch, zurück in den sicheren Schoß der russischen Mutti zurückzukehren. Diese Zerrissenheit, diese junge Suche nach dem richtigen Weg, zieht sich nicht nur quer durch die Gesellschaft, es zeigt sich auch in den Gesprächen mit jedem Einzelnen. Die Bilder, die wir von der ukrainischen Politik kennen, zeigen diese scheue Abnablung von einer Mutter – aber zu einem hohen Preis. Ein wirklich spannender Prozeß, den ich ab jetzt bestimmt interessierter und bewegter verfolge.

Wußtet ihr, dass sich Ukrainer nicht anschnallen? Ich habe hier einige Fahrten hinter mich gebracht, einen angeschnallten Ukrainer habe ich nie gesehen. Ich habe mal dezent gefragt, warum sie das nicht tun. Naja, es würde halt nicht geahndet. Na prima, mit 150 mim neuen VW oder Mercedes statt Lada über die neue Autobahn, frei in alle Himmelsrichtungen, noch keine Richtung und das Abnabeln und die Neue Freiheit macht man fest am Ignorieren des Anschnallgurtes. Er noch viel lernen muss!

Spasiba Ukraina
Fozzi
__________________
Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.
Bertrand Russell
Mit Zitat antworten