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AW: Joola Timeless
Ich konnte auf einem Leihschläger den Belag "Joola Timeless" einem gründlichen Test über vier Trainingseinheiten hinweg unterziehen. Die Ergebnisse sind tentativ, da der Vorhandbelag des entliehenen Schlägers, ein defensiver Butterfly Tackiness, meiner eher auf Angriffstischtennis orientierten Spielweise wenig entgegenkommt. Dennoch erscheinen sie mir bereits jetzt angesichts der in dieser und ähnlichen Diskussionsrunden geführten Diskurse berichtenswert.
Zur Vorgeschichte:
Ich habe beruflich meine Ziele soweit erreicht, daß ich mich seit zwei Jahren wieder vermehrt auf den Tischtennissport zu konzentrieren und wesentlich intensiver zu trainieren in der Lage bin. Ich konnte dadurch eine längst vergessene Stärke (wieder) erreichen bzw. sogar übertreffen und spiele nunmehr Landesliga (hinten). Jetzt scheint aber eine gewisse Grenze des Zugewinns erreicht zu sein, meine Entwicklung stagniert. Somit ist es wohl an der Zeit, über Verbesserungen auf der Materialseite nachzudenken. Ich spiele bisher Butterfly Tenergy 05 fx sowie Joola Toni Hold auf einem Nittaku Combi Wood Attack. Das Holz ist mir bei meiner Trainingsintensität in Angesicht meines doch nicht mehr ganz taufrischen Alters zu schwer geworden, also war auch hier eine Neuorientierung angesagt.
Zur Belagwahl:
Da ich seit langer, langer Zeit (ein und denselben) Joola Toni Hold spiele, war für mich evident, dass ich bei der Schiene: Anti-Topspin-Belag bleiben sollte. Da ich bisher den Anti-Topspin-Belag im Wesentlichen für sichere Wechsel der Geschwindigkeit und für exakte Platzierungen, nicht aber für den Angriff einsetze, suchte ich v.a. nach sicheren Lösungen, die ähnliche Spieltechniken wie der bisherige Belag ermöglichen, jedoch zusätzlich mit der Option der Schnittweiterleitung durch einen Block bei gegnerischem Über- oder Unterschnitt aufwarten. Nach Internet-Recherchen kamen dafür drei Beläge in die engere Wahl: Dr. Neubauer ABS, Der Materialspezialist Beast und Joola Timeless. Da ich ersteren von Gegenspielern her kenne und nicht als außergewöhnlich gefährlich empfand, der zweite noch nicht auf dem Markt käuflich zu sein scheint, fiel die Wahl für einen ersten Test auf den Joola Timeless.
Meine Recherchen ergaben, dass dieser Belag außerordentlich differierende Urteile von vernichtend bis himmelhochjauchzend erhält. Eine Analyse der Rezensenten, soweit aus den Profilen und Berichten ersichtlich, ergibt, dass der Belag vorwiegend von älteren Spielern sehr gelobt wird, von jüngeren dagegen eher nicht. Die Spieler, die den Belag nach längerer Zeit immer noch nutzen, scheinen vorwiegend Joola Toni Hold als Vorgänger gespielt zu haben. Und sie scheinen alle ein eigentlich eher auf die Vorhand ausgerichtete Spielsystem zu haben – Beste Voraussetzungen also für mich, der ich dies Bedingungen ebenfalls alle erfülle.
Zu den Spieleigenschaften:
Der Belag Joola Timeless spielt sich mit einer Ausnahme beinahe identisch zum Joola Toni Hold. Ich habe auf Anhieb beinahe alle Bälle gleichermaßen auf den Tisch gebracht, wie mit letzterem gewohnt. Auch die Geschwindigkeit der retournierten Bälle ist nur wenig unterschiedlich - sie liegt in etwa zwischen den beiden Schwammdicken, in denen der Toni Hold erhältlich ist. All dies erklärt wohl, daß und warum gerade Toni Hold-Nutzer schnell mit dem Timeless zurecht kommen können.
Die erwähnte Ausnahme ist die Annahme gegnerischen Topspins. Gegen flache, schnell gezogene Topspinschläge muss das Schlägerblatt deutlich weiter geöffnet werden; hat man dieses verinnerlicht und automatisiert (was mir nach etwa einer halben Stunde recht gut schon gelang), so ist ein Retournieren äußerst sicher, gerichtet und in gewünschter Länge möglich. Langsam geschlagene Topspinbälle dagegen kann ich bisher mit dem Belag nicht vernünftig retournieren und würde hier normalerweise den Schläger drehen, um den Schlag mit dem Vorhandbelag im Sinne eines Konters anzunehmen (was mit dem Testschläger natürlich nicht sinnvoll möglich ist).
Schnittweiterleitung:
Die entscheidende Frage, welche sich aus den bisherigen Disputen in den Foren ergibt, ist aber nun: Verfügt dieser Belag über eine maßgebliche Schnittweiterleitung beim Blocken oder ist dies nicht der Fall. Was ich schon nach wenigen Schlägen eindeutig sagen konnte, ist, daß die Schnittweiterleitung die meines (durchaus extrem glatt gespielten) alten Toni Hold deutlich übertrifft. Es ist also in den Händen eines routinierten Toni Hold-Spielers Schnittweiterleitung eindeutig vorhanden. Allerdings muss man sich vor den geringsten Bewegungen des Handgelenks - mir scheint gar, manchmal reichen auch Vibrationen durch zu lockeres Festhalten des Schlägers aus - hüten, da diese die Schnittweiterleitung massiv beeinträchtigen. Vielleicht mag dies eine Erklärung für die unterschiedlichen Bewertungen sein; ich kann es nicht beurteilen, werde aber zu Zeiten testen, ob sich daraus nicht auch ein Vorteil ziehen lässt, mit beinahe identischem Spiel Schnittweiterleitung oder eben auch nicht erzeugen zu können; aber ich schweife ab, soweit bin ich noch nicht.
In der Natur der Sache liegt auch, dass die Stärke dieser Schnittweiterleitung von der "Drehzahl" des geblockten Topspin-Schlages abhängt. Ich konnte dies mit Spielpartnern vom Verbandsliga-Niveau bis hin zur Kreisklasse erproben. Stärkere Gegner konnten im Mittel die retournierten Topspins weniger häufig ein zweites oder gar drittes mal anziehen als schwächere. Dies betraf auch Gegenspieler, die üblicherweise mit meinen Rückhand-Blocks ohne Probleme zurecht kommen.
Ich habe dann den Schläger an einen Vereinskameraden weiter gereicht, der ansonsten einen Belag Der Materialspezialist Nightmare nutzt. Dieser hat abwechselnd mit seinem Schläger und dem Leihschläger gegen die gleichen Gegner, inklusive mir selbst mit meinem bisherigen Schläger, gespielt. Die Schnittweiterleitung unterschied sich nach Aussage aller Trainingspartner zwischen den beiden Belägen, wobei die Unterschiede allerdings nicht sehr markant waren, über den Daumen gepeilt vielleicht in einer Größenordnung von 10 bis 20%. Da ich mit Belägen wie dem Nightmare nicht, oder zumindest nicht auf Anhieb vernünftig zurecht komme, habe ich mir nun ein Holz besorgt, wie es in diversen Foren für den Timeless empfohlen wird, und werde im Zusammenspiel mit einem passenden Vorhand-Belag weiter testen. Bei Interesse werde ich gerne sporadisch von eventuellen Fort- oder Rückschritten berichten.
Fazit:
Der Belag Joola Timeless ist *der* glatte Anti-Topspin-Belag für ältere Spieler mit einer langen Zeit der Erfahrung mit ähnlich langsamen, wenn auch vielleicht griffigeren Belägen. In den Händen eines solchen Spielers steht die Existenz einer maßgebliche Schnittweiterleitung außer Frage. In den Händen eines diesbezüglich weniger erfahrenen Spielers, der vielleicht Fehler bei der Schlägerführung oder -haltung begeht, mag die Schnittweiterleitung gegen Null tendieren.
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