Nachdem ich viel Müll gelesen und gehört habe (nicht nur hier im Forum) will ich auch mal meine Meinung schreiben:
1. Ich finde es prinzipiell gut, dass Saddam endlich zur Strecke gebracht wurde. Dass sich aber die Amerikaner dazu berufen gefühlt haben, finde ich absolut unpassend.
Dieses "Weltpolizei"-Gehabe passt einfach nicht zu diesem Land, denn Amerika hat viele dieser Gestalten erst groß gemacht.
Natürlich kann man einwerfen, dass es nicht mit Absicht geschah, aber ich glaube nicht, dass Dummheit eine Ausrede sein darf, auf die sich die Amerikaner berufen sollten (abgesehen davon, dass viele Ihnen dies ohne Zweifel abkaufen würden). Aber in Amerika scheint es nur ein Kurzzeitgedächtnis zu geben. Dass der 11.9. von ehemaligen Verbündeten der USA geplant und durchgeführt wurde, die vorher von der CIA massiv unterstützt und auch ausgebildet wurden, wurde erfolgreich verdrängt.
Einfach mal ein paar Fakten:
1. Bush senior hat Leute wie Saddam ausbilden lassen.
2. Die USA haben den IRAK mit Waffen und KnowHow beliefert. Unter anderem haben die Iraker VX-Kampfgas Raketen von den USA erhalten, als der Feind noch der IRAN (und damit der Islam) war.
3. Osama Bin Laden wurde von der CIA in Guerillataktiken unterrichtet, als der Feind noch die Russen waren. Diese Taktiken nennt man nun Terrorismus, da Bin Laden sich leider nicht dankbar zu seinen großen Freunden gezeigt hat.
Dies sind beileibe keine Einzelfälle, denn die CIA hat schon immer Diktatoren unterstützt und mit Waffen und Ausbildung beliefert. Gerade in der Wahl der Verbündeten hätten die USA vor Niemanden zurückgeschreckt. Früher Kommunismus, jetzt Islam. Solange das Feindbild stimmt scheint jedes Mittel recht zu sein.
Vielleicht sollten einige der USA-Patrioten hier mal einen Auszug aus der Geschichte El Salvadors lesen:
Zitat:
...
Unruhen, Streiks, etc. zwangen Hernandez 1944 zum Rücktritt. Doch die Politik der Nachfolger war die gleiche. 1972 schlossen sich die Christdemokraten, Sozialdemokraten und Kommunisten zur Nationalen Oppositionseinheit (UNO) zusammen. Sie gewannen die Wahlen, doch ihr Präsidentschaftskandidat wurde verhaftet, gefoltert und des Landes verwiesen. Das Militär putschte gegen das Wahlergebnis. Gemeinsam mit dem CIA begann das Militär Todesschwadrone aufzubauen, die Geistliche, Gewerkschaftler, Oppositionspolitiker und Bauernführer verschleppten und ermordeten. 1977 gelang der Opposition erneut ein Wahlsieg, jedoch folgten wieder Wahlfälschungen und Putsch des Militärs. Studenten, die gegen den Wahlbetrug demonstrierten wurden Opfer eines Massakers, für das General Romero als Präsident verantwortlich war.
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Und zum Thema Kampf gegen den Terrorismus mal ein Statement:
Was hat ein Palstinenser denn noch zu verlieren? In den Flüchtlingslagern mangelt es an dem Nötigsten. Menschen verhungern dort. Die Arbeitslosenquote ist >80% durch die Aussperrung seitens der Israelis. Es gibt da ein Buch über die Gründe für Selbstmordattentate mit dem Titel "Der Tod ist ein Geschenk".
Auch wenn man das sicher nicht kann versuche ich den Inhalt mal auf einen Satz zu reduzieren:
Ein gläubiger Moslem glaubt (wie viele Christen) eben auch an das Leben nach dem Tod. Und wenn das aktuelle Leben eben so lebensunwert ist, wie es dies in einem palstinensischem Flüchtlingslager zu sein scheint, dann haben die Anwerber vieler terroristischer Vereinigungen leichtes Spiel, denn wie der Titel bereits sagt: "der Tod ist ein Geschenk".
Dass die USA nun den Irak und vorher Afghanistan in die Steinzeit gebombt haben führt unweigerlich zu einem guten Nährboden für Terrorismus.
Wenn man wirklich etwas wirkungsvolles gegen den Terrorismus hätte unternehmen wollen, dann hätte man gegen die Ursachen gekämpft und nicht gegen die Symptome. Gerade die letzten Handlungen der USA begünstigen Terrorismus anstatt ihn zu bekämpfen.
Und wer glaubt, dass der Irak nun "zur Ruhe kommt" der hat noch weniger Ahnung vom "Nahen Osten" als der Verteidigunsminister Rumsfeld, die Sicherheitsberaterin Condolezza Rice und George Tenet (CIA Direktor). Denn das sind die wahren Drahtzieher hinter dem Meister aller Fettnäppchen G. Bush.
Wer wirklich an den Zusammenhängen der Macht und vor allem an diesen sehr langfristig geplantem Krieg inkl. der wirklichen Ursachen interessiert ist, der sollte das Buch "Bush at War" lesen.
Geschrieben wurde es von keinem Geringeren als den Pulizzerpreisträger Bob Woodward, der damals die Watergate-Affäre aufdeckte.
Er zeigt wie Bush als Marionette von den wirklichen "Spielern" wie C. Rice und G Tenet verwendet wird. Er eignet sich lediglich dafür seinen religösen Schwachsinn zu verbreiten und von der "Achse des Bösen" zu reden. Das reicht jedem durchschnittlichem amerikanischem Patrioten.
Die Rolle der Deutschen
Und mal ein Kommentar zu unserem "geliebten" Kanzler Gerd Schröder. Ich finde er hat viel Scheisse gebaut, aber in der Aussenpolitik hätte ich mich geschämt, wenn die Opposition auf "Stiefelleckkurs" zu den Amis geschwenkt wäre. Natürlich hat es niemanden Interessiert ob die Deutschen für oder gegen den Krieg waren. Aber ungeachtet aller Missbilligung von den Amis sollte man klar seine Meinung vertreten. Und dies war zum Glück die Meinung der Mehrheit der Deutschen.
Die mittelfristige Zukunft des Irak
Saddam war nicht an den Anschlägen beteiligt. Ziel der Attantate war nicht die Wiedereinsetzung des Ex-Diktators (zumindest nicht als Hauptgrund) sondern die Vertreibung der Besatzer.
Insofern bleibt vorerst alles beim Alten. Erst wenn die USA das Land verlassen haben, wird diese Form des Widerstands beendet sein. Natürlich kann man momentan auch nicht gehen, da ein Bürgerkrieg die Folge wäre.
Aber das Problem lässt sich nicht "aussitzen". Die Gewalt wird noch lange kein Ende nehmen und durch die Ergreifung von Saddam hat Bush nun zumindest wieder etwas mehr Untertsützung im eigenen Land. Diese drohte ihm nämlich wegzubröckeln. Der Vietnamkrieg war auch erst dann verloren, als die Bevölkerung mehrheitlich gegen diesen Krieg war und dieses Risiko drohte nun auch Bush. Er hat etwas Zeit gewonnen, nicht mehr und nicht weniger.
Wie die mittelfristige Zukunft des Irak aussehen wird weiss ich nicht, aber ich bin mir sicher, dass es den USA genauso geht!